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Deutsche Bank macht ihr "Testament"


Die Deutsche Bank macht ihr "Testament"

04.07.2012, 07:45 Uhr | dpa, t-online.de, sky

Deutsche Bank macht ihr "Testament". Auf Druck der US-Behörden muss die Deutsche Bank einen Notfallplan vorlegen (Quelle: Reuters)

Investmentbanking: Die Deutsche Bank reagiert mit einem Stellenabbau auf die Krise (Quelle: Reuters)

Vorsicht ist nach dem Lehman-Crash von 2008 besser als Nachsicht: Um einer neuerlichen Finanzkrise vorzubeugen, haben neun internationale Großbanken - darunter die Deutsche Bank - auf Anweisung der US-Finanzmarktregulierer ihr "Testament" gemacht. Die Institute skizzierten in Notfallplänen, wie sie im Falle ihres eigenen Versagens möglichst schnell und schonend abgewickelt werden können.

Deutsche Bank muss an das Ende denken

Die staatliche US-Einlagensicherung FDIC veröffentlichte nun die sogenannten "Living Wills" - allerdings nur in Auszügen. Sensible Informationen aus den verschwiegenen Banken bleiben den Aufsehern von FDIC und der Notenbank Federal Reserve vorbehalten.

Ein "Living Will" ist im Englischen ein Testament, eine Patientenverfügung oder eben ein Notfallplan für schlechte Zeiten. Auch die Deutsche Bank musste sich Gedanken über ihr Ende machen. Das Frankfurter Institut ist mit seinen US-Tochtergesellschaften eine Größe an der Wall Street.

Lehren aus dem Crash von Lehman Brothers

Die Notfallpläne sollen ein weiteres Desaster à la Lehman Brothers verhindern: Beim Zusammenbruch der US-Investmentbank im September 2008 herrschte Chaos und Verunsicherung. Nur das Eingreifen des Staates verhinderte damals einen Kollaps des gesamten Finanzmarkts.

Neben der Deutschen Bank gehörten die britische Barclays sowie die Schweizer Häuser Credit Suisse und UBS zu den Finanzfirmen, die ihr "Testament" machen mussten. Aus den USA selbst reichten die Bank of America, die Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley sowie J.P.Morgan Chase ihre Unterlagen ein.

Verschachtelte Finanzkonzerne

Hintergrund der neuen Regelung ist die schiere Größe der Finanzriesen. Sie sind derart verschachtelt aufgebaut und untereinander vernetzt, dass Außenstehende kaum mehr durchblicken. Die Abwicklung von Lehman Brothers etwa dauert bis heute an.

Mit dem "Letzten Willen" soll von Anfang an Klarheit über den inneren Aufbau und die Geschäftsbeziehungen der Banken herrschen. Auch soll klar sein, welche Personen und Gremien im Fall der Fälle die Entscheidungen treffen und ausführen. Der öffentlich zugängliche Teil der Unterlagen enthält allerdings nur sehr vage Andeutungen, wie die eigentliche Abwicklung letztlich vonstatten ginge.

Brandmauer gegen eine neue Krise

Die Aufsichtsbehörden wollen nicht noch einmal in die Verlegenheit kommen, Banken mit Steuermilliarden retten zu müssen. Washington hat beispielsweise die Citigroup gerettet und dafür Aktien übernommen - und diese letztlich mit Gewinn wieder an der Wall Street verkauft.

Die "Living Wills" sind ein zentraler Bestandteil der von Präsident Barack Obama vorangetriebenen Finanzmarktreform, dem "Dodd-Frank Act".

Banken müssen nun handeln

Insgesamt sind etwa 125 Banken bis Ende 2013 verpflichtet, einen Notfallplan vorzulegen. Besonders große Institute hatten ihre Dokumente bereits bis zum Montag einreichen müssen. Ein Bankrott dieser als systemrelevant bezeichneten Finanzkolosse hätte besonders schwerwiegende Konsequenzen.

Die Aufsichtsbehörden haben nun 60 Tage Zeit, die Unterlagen durchzuschauen und zu prüfen, ob sie den Vorgaben entsprechen. Sie können sonst nötigenfalls weitere Informationen anfordern. FDIC und Fed hatten das "Banken-Testament" im vergangenen Jahr endgültig beschlossen.

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