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VW stellt Patentklau in China fest


VW stellt Patentklau in China fest

27.07.2012, 18:19 Uhr | dapd, t-online.de

VW stellt Patentklau in China fest. VW-Produktion in China: Der deutsche Autobauer hat einen bösen Verdacht (Quelle: dpa)

VW-Produktion in China: Der deutsche Autobauer hat einen bösen Verdacht (Quelle: dpa)

Skrupelloser Ideenklau im Reich der Mitte: Der Autokonzern VW hat Urheberrechtsverletzungen durch seinen langjährigen Joint-Venture-Partner FAW beobachtet. Es geht um Patente und Baupläne, die FAW angeblich für eigene Motoren und Getriebe verwenden will. Ein VW-Sprecher sagte: "Wir prüfen den Sachverhalt selbstverständlich."

Langjähriger Partner kopiert Motor und Getriebe

Der chinesische Partner hat wohl einen erfolgreichen VW-Motor abgekupfert und will das Aggregat zum Antrieb eines eigenen Autos einsetzen, das dann den VW-Modellen in China Konkurrenz macht. Ein VW-Sprecher bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatts".

Laut dem Bericht hat VW außerdem den begründeten Verdacht, dass das Staatsunternehmen FAW das VW-Getriebe MQ 200 nachbauen will, ohne dafür eine Erlaubnis oder eine Lizenz zu besitzen.

Machtlos gegen Patentverletzungen

Bereits seit längerem wisse der deutsche Autokonzern, dass Konstruktionspläne für den Motor abgekupfert worden seien, schreibt die Zeitung. Vier gültige Patente seien verletzt worden. Die chinesischen Konstrukteure hätten lediglich den Abstand der Zylinder minimal verändert. Inzwischen sei eine Fabrik gebaut worden, die Produktion des Motors laufe an, ohne dass FAW dafür eine Lizenz besitze.

Unternehmen kann Volkswagen gegen den Ideenklau allerdings offenbar zunächst nichts. "Uns sind die Hände gebunden, bis die FAW-Modelle tatsächlich kommen", zitiert das "Handelsblatt" einen hochrangigen VW-Manager. Der Sprecher verwies jedoch auf die "langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit FAW.

VW könnte sich selbst Konkurrenz machen

Doch genau diese könnte jetzt für VW zum handfesten Problem werden: Dem Bericht zufolge könnte das VW-Getriebe schon bald im FAW-Kleinwagen Besturn B 50 zum Einsatz kommen, der in Kürze auch nach Russland exportiert werden soll. Dort will aber auch VW vor allem mit seiner Tochter Skoda weiter wachsen. Auf diese Weise könnte sich der Konzern somit ungewollt selber Konkurrenz machen.

Für den Autoexperten Willi Diez ist das kein VW-spezifisches Problem. "Technologietransfer an der Grenze des Patentschutzes" sei im Geschäft mit chinesischen Partnern nicht neu, sagte der Leiter des Nürtinger Instituts für Automobilwirtschaft (ifa).

Wichtiger Automarkt China

Andererseits sei China ein so großer Autoabsatzmarkt, dass es sich kein Hersteller leisten könne, zu sagen: "Wir bleiben abseits stehen." Wer als europäischer Hersteller aus Furcht vor unerwünschtem Techniktransfer mit seinem China-Engagement zu lange gezögert habe, "findet heute auf dem chinesischen Markt fast nicht statt", sagte Diez.

Anders VW: Für die Wolfsburger ist die Volksrepublik der wichtigste Absatzmarkt der Welt. Im ersten Halbjahr 2012 hat Volkswagen dort 1,3 Millionen Autos verkauft. Rund jedes dritte Auto aus dem VW-Konzern wird mittlerweile an chinesische Kunden ausgeliefert. Wie alle anderen ausländischen Autobauer darf VW dort aber nur zusammen mit einheimischen Partnern Fahrzeuge bauen. Das sind bei den Wolfsburgern die Staatsbetriebe FAW und SAIC.

Zusammenarbeit seit 1988

Seit Beginn der Zusammenarbeit 1988 hat VW gemeinsam mit FAW nach Unternehmensangaben über fünf Millionen Autos produziert. Die chinesische Regierung will eine eigenständige Autoindustrie aufbauen und setzt auf Techniktransfer innerhalb der Joint Ventures. VW will mit seiner milden Reaktion offenbar Streit vermeiden.

Erst im Frühjahr hatte VW klargemacht, wie viel Respekt der Konzern vor der chinesischen Regierung hat: Der Konzern baut ein Werk in der Provinz Xinjiang, wo angesiedelte Chinesen die ursprünglichen Bewohner, das muslimisch geprägte Turkvolk der Uiguren, immer weiter zurückdrängen, auch mit Gewalt.

"Es ist der Wunsch der chinesischen Regierung, in den Westen zu gehen", sagte der damalige China-Chef von VW, Karl-Thomas Neumann, im April zur Standortauswahl. "Wir können uns nicht dagegen stellen", fügte er hinzu. VW baut als erster Autokonzern dort ein Werk. Mit der Industrialisierung will die Zentralregierung ihre Macht in der abgelegenen Provinz festigen.

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