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ANALYSE: Volatilität als Risikomaß rutscht auf neues Jahrestief - Börsianer

ANALYSE: Volatilität als Risikomaß rutscht auf neues Jahrestief - Börsianer

20.08.2012, 17:28 Uhr | dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Risikoscheu der Investoren am deutschen Aktienmarkt ist derzeit so niedrig wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Der neue Volatilitätsindex der Deutschen Börse - der VDax-New <V1X.ETR> - ist zum Wochenende bei 17,90 Punkten auf den tiefsten Schlusskurs seit Anfang Juli 2011 gefallen. Damit signalisiert der VDax-New geringe Nervosität. An den Terminmärkten wird eine Schwankungsbreite von 361 Punkten nach oben und unten auf Sicht der kommenden 30 Tage eingepreist. Zum Vergleich lag die erwartete Dax-Schwankung für 30 Tage Anfang Oktober 2011 bei einem VDax-New von 50,74 noch bei plus minus 759 Punkten.

Auch weltweit bewegt sich die Risikoscheu auf historisch niedrigem Niveau. Das zeigt der US-Volatilitätsindex VIX, der die erwartete Schwankungsbreite des marktbreiten US-Index S&P 500 <INX.SPI> nachzeichnet. Der Index steht so tief wie seit fünf Jahren nicht. "Dem 'Angstbarometer' VIX zufolge fühlen sich die Märkte derzeit furchtlos", erklärte Marktkommentator Mike Ingram von BGC Brokers in London. Das Risikomaß sei in den USA damit wieder auf dem Niveau vor der Kreditklemme gesunken, die die Weltwirtschaft und die Märkte dann in ihre Klauen genommen hat. Die Märkte bewegten sich derzeit im "Risk On"-Modus, erklärte Ingram. Das zeige die deutliche Erholung der wichtigsten Aktienindizes, die beispielsweise in den USA zum Teil in Schlagweite zu ihren Rekordhochs stünden. Aber auch in die Kreditmärkte seien mit dem Blick auf Staats- und Unternehmensanleihen mehr Risiko eingepreist worden. Gold, das traditionell als sicherer Hafen gilt, habe dagegen eine schwierigere Phase.

Somit erscheine die aktuelle Entwicklung sehr positiv und sie unterstreiche die Signale des VIX-Index. Es gebe aber auch eine Kehrseite der Medaille, warnte der Marktkommentator von BGC. Während der jüngsten Erholungsphase an den Aktienmärkten sei Kapital abgeflossen und das obwohl viele Anleihemärkte keine klare Alternativen zum Aktieninvestment böten. Die optimistischen Gewinnerwartungen stünden angesichts des pessimistischen Ausblicks für das globale Wachstum auf tönernen Füßen. Die Sparprogramme, die zur Sicherstellung des Gewinnwachstums durchgesetzt würden, ließen sich indes nicht unbegrenzt fortsetzen. Sie gingen zudem immer stärker zu Lasten der Arbeitnehmer, die dann wiederum weniger Geld zum Konsumieren hätten. Ingram sagte: "Das ist eher wie das Schlachten der Gans, die goldene Eier legt."

Ob die Volatilität auf einem neuen Tief aktuell ein Zeichen des Vertrauens in die Märkte oder ein Indiz für Nachlässigkeit sei, das lässt sich dem Experten Ingram zufolge derzeit schwer beantworten. Häufig werde die niedrige Schwankungserwartung als "Bernanke Put" angesehen. Sollte es zu Turbulenzen kommen, rechnen Investoren mit einem Einspringen der Notenbanken - das Risiko an den Börsen wirke begrenzt. Aus Ingrams Sicht ist die niedrige Volatilität aber vor allem ein Zeichen der Konfusion und Inaktivität. Die Investoren bewegten sich noch in einer Schockstarre nach den Ereignissen in den vergangenen vier Jahren. Sie scheuten größere Anlagen. Das gelte insbesondere in der aktuellen Zeit politischer Börsen. Diese Zurückhaltung zeige sich in den nur relativ geringen Umsätzen an den Märkten. Dabei gehe noch ein großer Anteil der Aktivität auf das Konto der Hochfrequenzhändler. Aus dieser Sicht könnte die niedrige Volatilität die Anleger in den aktuell komatösen Märkten in die Irre führen, meinte Ingram. Die Märkte könnten von ihrem aktuellen Niveau steigen oder fallen - der VIX liefere hierfür aktuell keine Signale.

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