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Goldpreis erwacht aus dem Dornröschenschlaf


Gold  

Goldpreis erwacht aus dem Dornröschenschlaf

07.09.2012, 20:00 Uhr | dpa, t-online.de

Goldpreis erwacht aus dem Dornröschenschlaf . Gold bleibt weiter begehrt (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gold bleibt weiter begehrt (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nach Monaten im Dornröschenschlaf ist der Goldpreis wieder zu neuen Leben erwacht. Am Freitag zog der Preis für eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) nach mageren US-Arbeitsmarktdaten bis auf 1740 Dollar an. Ende August notierte das Edelmetall noch rund 100 Dollar niedriger. Trotz des starken Anstiegs der vergangenen Handelstage fehlt aber immer noch ein gutes Stück bis zum Rekordhoch bei 1920 Dollar, das im September 2011 erreicht wurde. Verschiedene Aspekte könnten Gold demnächst in diese Richtung verteuern.

Notenbanken treiben Goldpreis

Für den jüngsten Anstieg des Goldpreises macht Rohstoffexperte Daniel Briesemann von der Commerzbank zunächst noch die Notenbanken in den USA und der Eurozone verantwortlich. Mit Blick auf eine weitere Lockerung der bereits sehr expansiven Geldpolitik könne "Gold seine Funktion als sicherer Hafen und wertstabile Anlage wieder ausleben".

Am Freitagnachmittag sprang der Goldpreis kräftig nach oben, nachdem neueste US-Arbeitsmarktdaten mager ausfielen. Am kommenden Donnerstag steht der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed auf der Agenda. "Die bisherigen Äußerungen von Ben Bernanke lassen darauf schließen, dass die Washingtoner Notenbanker eine dritte Stufe der Quantitativen Lockerung (QE3) zünden wollen", glaubt Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg. Das kommt dem Gold zugute.

Angst vor Geldentwertung

Auch durch die angekündigten Staatsanleihen-Käufe der Europäische Zentralbank (EZB) werden neue Inflationssorgen geschürt. Denn für die Käufe wird die Notenbank frisches Geld drucken. Ähnliche Lockerungen der Geldpolitik zeichnen sich in Europa und China ab, wo die Schuldenkrise und ein sich abschwächendes Wachstum zuletzt Sorgen geweckt haben. Wenn Geldentwertung in Sicht ist, suchen Investoren Anlageziele, die ihnen Werterhalt versprechen. Das sind klassischerweise Edelmetalle, allen voran Gold, aber auch Silber. Der Preis für das weiße Edelmetall zog in den vergangenen Tagen prozentual noch stärker an.

Zudem spricht Jochen Hitzfeld von der Unicredit von einer stärkeren Nachfrage, die sich an einem größeren Interesse an sogenannten Gold-ETFs zeige. Dabei kaufen spezielle Firmen mit dem Geld der Anleger Goldbarren und deponieren sie bei einer Bank. Im August hätten die Gold ETFs mit durchschnittlich von 513.000 Unzen pro Woche sehr hohe Mittelzuflüsse verzeichnet, sagt Hitzfeld.

Indisches Brautgold reizt Anlegerfantasie

Auch Indien ist wichtig für den Goldpreis. In keinem Land der Welt kaufen die Menschen so viel Goldschmuck wie in Indien, und jedes Jahr beflügelt eine alte Tradition die Spekulation an den Goldmärkten. In den Monaten September bis November wird auf dem Subkontinent geheiratet - dann ist die Zeit der üppigen Goldgeschenke an die Brautleute. In dem Bundesstaat Kerala, der als eine Hochburg des Goldhandels gilt, berichtete die Zeitung "Times of India" bereits über einen starken Anstieg der Nachfrage nach dem gelben Edelmetall. Solche Meldungen werden an den Rohstoffmärkten von allen aufmerksam verfolgt, die auf weiter steigende Goldpreise spekulieren.

Die Profis an den Goldmärkten haben nämlich eines im Hinterkopf: Die Hochzeitssaison in Indien hat den Preis für das gelbe Edelmetall in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich steigen lassen. Die Frage lautet: Ist die Nachfrage in der Hochzeitssaison in diesem Jahr stark genug, um den Goldpreis weiter in Richtung eines neuen Rekordhochs zu treiben? Vor fast genau einem Jahr dauerte es gerade mal drei Wochen bis der Preis für das Edelmetall den Sprung von 1700 Dollar auf den Spitzenwert über 1900 Dollar schaffte.

Einfuhrsteuern bremsen Käufer

Tatsächlich ist nun wieder Dynamik beim Goldpreis zu spüren. In diesem Jahr liegt jedoch ein Schatten auf der sonst so glänzenden Hochzeitssaison. Es spricht einiges dafür, dass indisches Brautgold als Preistreiber hinter den hohen Erwartungen der Anleger zurückbleiben könnte. Einer der Gründe sind die Steuern, die bei der Einfuhr von Gold nach Indien bezahlt werden müssen. Zuletzt hatte der indische Staat im Kampf gegen Haushaltslöcher bereits die Einfuhrsteuer auf das gelbe Edelmetall erhöht. Jetzt befürchten Experten des Branchenverbandes "Bombay Bullion Association" einen weiteren Anstieg der Steuer.

Rekordniveau in Rupien

Noch schwerer wiegt aber der Preis, der in Indien für das gelbe Edelmetall bezahlt werden muss. Zu Beginn der Woche erreichte der Goldpreis in Rupien gerechnet ein neues Rekordhoch. Der Höhenflug hat bei der Nachfrage in den Schmuckläden ihre Spuren hinterlassen. Die jüngsten Daten des Branchenverbandes World Gold Council zeigten einen Einbruch der indischen Schmucknachfrage im zweiten Quartal um 30 Prozent zum Vorquartal. Dennoch rechnet Rohstoffexperte Gabor Vogel von der DZ Bank fest mit einem Comeback der Schmucknachfrage auf dem Subkontinent in der zweiten Jahreshälfte.

Während Goldhändler noch mit gemischten Gefühlen auf die diesjährige Hochzeitssaison schauen, zeigten sich Juweliere in Indien hingegen zuversichtlich. "Goldschmuck ist nach wie vor in Mode", zitierte die "Times of India" einen Schmuckhändler. Rekordpreis hin oder her: Ein Schmuckstück aus Gold ist in den Augen vieler Inder nach wie vor ein unverzichtbarer Bestandteil jeder gelungenen Hochzeitsfeier. Eine Studie der australischen Investmentbank Macquarie, die Ende 2011 für Schlagzeilen sorgte, zeigte: In indischen Haushalten werden etwa 18.000 Tonnen Gold gehortet - das entspricht einem Wert von fast einer Billion Dollar.

Gerüchte um neuen Gold-Standard

Und noch ein weiterer Preistreiber scheint denkbar: Vor allem in amerikanischen Internet-Medien wird seit Tagen über eine Wiedereinführung des Goldstandards diskutiert. "Wir brauchen eine solche Währungsreform mehr denn je", zitiert "Die Zeit" Rich Danker vom American Principles Project in ihrer Online-Ausgabe. Bestätigt fühlen sich die Gold-Fans bei Twitter, Facebook und in Wall-Street-Blogs durch eine Initiative der Republikaner. Diese hatten auf ihrem Parteitag eine Studie zum Thema "Fixierung des Dollars" gefordert. Zwar wird der Goldstandard nicht direkt erwähnt, doch kann das Engagement als ersten Schritt für ein Comeback verstanden werden.

James Rickards, Investmentbanker und Devisenexperte, kann sich laut "Zeit" ein System vorstellen, bei dem der Dollar nur zum Teil durch Goldreserven gedeckt ist. "Die Briten hatten einst ein System mit 20 Prozent Golddeckung, die USA zeitweilig eines mit 40 Prozent Goldsicherung", sagt der Banker. Ökonomen wie Nobelpreisträger Paul Krugman lehnen einen neuen Gold-Standard jedoch ab.

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