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Galgenfrist bei höherer Steuer auf Silbermünzen


Galgenfrist bei Steuer auf Silbermünzen - "Goldfinger"-Modell am Ende

23.10.2012, 15:33 Uhr | t-online.de - Frank Lansky

Galgenfrist bei höherer Steuer auf Silbermünzen. Der Krügerrand ist die bekannteste Anlagemünze (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gold nach Preisrückgang kaufenswert? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Neue Nachrichten für die Fans von Gold und Silber: Zum einen dürfen die Sammler von Silbermünzen aufatmen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer von sieben auf 19 Prozent wird nun doch erst Anfang 2014 erfolgen. Dies erfuhr t-online.de aus dem Münzhandel und aus Berliner Koalitionskreisen. Zuletzt kursierten Spekulationen, wonach die Steuer schon zum 1. Januar 2013 erhöht werden sollte. Zum anderen wird der Bundestag wahrscheinlich in Kürze ein Steuerspar-Schlupfloch für vermögende Privatleute bei Gold schließen, das meist über London lief und in der Branche als "Goldfinger-Modell" bekannt ist.

Gerüchte über schnelle Erhöhung der Silber-Steuer

Vor einigen Tagen schreckten Münzsammler in Deutschland auf: Im Zuge der EU-Harmonisierung sollen Silbermünzen künftig mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belegt werden, statt bisher mit sieben Prozent, wie die "Welt" und die "Süddeutsche Zeitung" aus Regierungskreisen erfuhren. Auch Kunst und Antiquitäten aus Silber sollen unter den neuen Mehrwertsteuersatz fallen.

Und weiter hieß es: Die Grundlage für den Wegfall der verringerten Besteuerung könnte bereits das Jahressteuergesetz 2013 sein, das am vorigen Mittwoch im Finanzausschuss beraten wurde. Damit würde die Neuregelung schon ab Januar greifen.

Höhere Silber-Steuer kommt erst 2014

Nun aber die vorläufige Entwarnung: "Die Erhöhung der Silbersteuer ist um ein Jahr verschoben worden“, erläuterte Roman Schneider, der zweite Vorsitzende des Berufsverbandes des Deutschen Münzenfachhandels, im Gespräch mit t-online.de.

Der Experte berief sich auf die Sitzung des Koalitionsausschusses am Montag und auf eine Quelle im Bundesfinanzministerium. Der Grund für die Verschiebung liegt laut Schneider in den Problemen bei der Steuersoftware, die fast überall fehle – denn der Münzhandel und auch der ebenfalls betroffene Briefmarken-Handel werde nun auf die Differenz-Besteuerung ausweichen, nach der nur die Marge besteuert wird.

Bestätigung aus Berlin

"Der Bund hätte somit bei einem zu frühen Umsteigen riskiert, dass der Schwarzhandel mit Münzen aus der Schweiz floriert", fuhr Schneider fort. Das war schon einmal Anfang 1980 der Fall, als kurzzeitig eine Mehrwertsteuer auf bestimmte Goldmünzen eingeführt wurde – damals fuhren die deutschen Käufer einfach nach Österreich, Luxemburg und in die Schweiz.

Mathias Middelberg, Finanzexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, bestätigte die Verschiebung: "Beim Münz- und Briefmarkenhandel geht es um ernstzunehmende Probleme der Branche bei der Umstellung auf die Neuregelung, auf die wir zu Recht Rücksicht nehmen und deshalb das Inkrafttreten bis 2014 aussetzen".

Steuer-Wirrwarr bei Edelmetallen

Somit lohnt sich der Kauf von Silbermünzen vor dem 31. Dezember 2013: Wenn der Nettopreis eines österreichischen "Philharmonikers" bei 25 Euro liegt, dann werden bis dahin 1,75 Euro zusätzlich für die Mehrwertsteuer fällig. Bei einem Steuersatz von 19 Prozent sind es künftig 4,75 Euro. Der Staat erhofft sich dadurch Steuermehreinnahmen von 80 Millionen Euro.

Hintergrund für die Steuererhöhung ist die Harmonisierung des Rechts in Europa – in diesem Fall greift die Mehrwertsteuersystemrichtlinie. Bisher müssen Silbersammler 19 Prozent Steuer bezahlen, wenn sie einen Barren statt Münzen kauften. Münzen oder Barren aus Palladium und Platin sind schon heute mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belegt. Weiter bleiben Goldmünzen und Goldbarren vollständig von der Mehrwertsteuer befreit – sofern sie bei Feingehalt und Gewicht die Voraussetzungen für "Anlagegold" erfüllen.

Das "Goldfinger-Modell" ist am Ende

Laut dem Münzexperten Schneider wird an diesem Donnerstag und Freitag mit der Verabschiedung des Jahressteuergesetzes 2013 ein weiterer Meilenstein für solvente Freunde von Edelmetallen gesetzt: So soll das sogenannte Goldfinger-Modell beim Steuersparen beendet werden. Der Bund hat deswegen laut dem Fachmann rund eine halbe Milliarde Euro verloren.

Dabei handelt es sich vereinfacht ausgedrückt um die Gründung eines Goldhandels in Großbritannien. Dort konnten vermögende deutsche Privatleute bisher Gold einkaufen, das sie direkt als Ausgabe geltend machten und mit Einnahmen in Deutschland verrechneten. Damit drückten findige Geschäftsleute ihre Steuer gen Null.

Jetzt werden Verluste erst beim Verkauf verrechnet

Direkt am Tag nach der Lesung soll nun das neue Gesetz gelten, wonach der "Verlust" des Kaufes erst dann in Kraft tritt, wenn das Gold wieder verkauft wird. "Dass die 'Goldfinger'-Geschäfte abgebogen werden, ist dringend nötig", kommentierte der CDU-Politiker Middelberg auf Anfrage von t-online.de.

Wegen der Politik des billigen Geldes durch die Federal Reserve, die Europäische Zentralbank (EZB), aber auch durch die russische, britische oder chinesische Notenbank sind die Anleger weltweit in den vergangenen Jahren in die Edelmetalle geflüchtet.

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