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Edeka: Gewerkschaft wirft Supermarktkette Lohndumping vor


Gewerkschaft wirft Edeka Lohndumping vor

06.11.2012, 10:07 Uhr | t-online.de, dapd

Edeka: Gewerkschaft wirft Supermarktkette Lohndumping vor. Edeka hat mehr als 1000 Filialen privatisiert (Quelle: dpa)

Ranking: Edeka kann Marktführerschaft behaupten (Quelle: dpa)

Zwischen Edeka und Ver.di ist ein heftiger Streit um die Ausgliederung von Filialen aus dem Verbund der Supermarktkette entbrannt. Die Gewerkschaft wirft Edeka vor, eine Übergabe von Märkten an Selbstständige diene dem Lohndumping. Das Unternehmen wehrt sich gegen die harsche Kritik.

Arbeitnehmerrechte noch ein Jahr geschützt

Wenn ein Kaufmann einen Markt übernehme, blieben "die tarifvertraglichen Rechte der Arbeitnehmer mindestens für ein Jahr bestehen", erklärte Edeka in Hamburg. Die Regionalgesellschaft Hannover-Minden habe sogar drei Jahre Bestandsschutz für Tarifverträge vereinbart.

Ver.di: Minilöhne ersetzen Bezahlung nach Tarif

Die Gewerkschaft bemängelte hingegen, dass die größte deutsche Supermarktkette die Ausgliederung von Filialen zum Aufbau eines Niedriglohnbereichs nutze. "Edeka übergibt immer mehr eigene Filialen an selbstständige Händler, und danach werden häufig Tarif- durch Dumpinglöhne ersetzt", sagte eine Ver.di-Sprecherin und bestätigte einen Bericht der Zeitung "Die Welt".

Nach übereinstimmenden Angaben von Edeka und Ver.di sind derzeit 140.000 der 306.000 Edeka-Mitarbeiter bei selbstständigen Händlern tätig. Edeka privatisierte demnach seit dem Jahr 2003 rund 1050 vorher zum Verbund gehörende Läden. Durch die Privatisierungen hätten die Beschäftigten der Filialen oft den Schutz von Tarifverträgen oder Betriebsräten verloren, sagte die Gewerkschaftssprecherin weiter.

Selbstständige Kaufleute wirtschaften besser

Edeka bezeichnete allerdings die von selbstständigen Kaufleuten geführten Märkte als Kerngeschäft des Unternehmens. Der Verbund habe die Erfahrung gemacht, "dass Lebensmittelmärkte in der Hand von selbstständigen Kaufleuten sich wirtschaftlich langfristig deutlich besser entwickeln", erklärte die Kette. Dort liege auch die Entlohnung in der Verantwortung der selbstständigen Kaufleute.

Zudem legt Edeka nach eigenen Angaben Wert auf partnerschaftlichen Austausch mit den Gewerkschaften. Allen Mitarbeitern sei es möglich, Betriebsräte zu gründen, betonte die Kette. Der Verbund habe aber keinen Einfluss darauf, wenn Mitarbeiter dies nicht im von Ver.di gewünschten Maß machen wollten.

Einzelhandelsketten fliehen aus Tarifverträgen

Die Ver.di-Sprecherin bemängelte, dass die Übergabe von Märkten an selbstständige Händler oft mit der Flucht aus dem Tarifvertrag einhergehe. Die gleiche Strategie verfolge jedoch auch die Handelskette Rewe. Dort habe der Niedriglohnbereich allerdings nicht das gleiche Ausmaß wie bei Edeka.

Broschüre prangert Praxis im Lebensmittelhandel an

Die Gewerkschaft will am 7. November eine Broschüre mit dem Titel "Neue schöne Handelswelt!?" online veröffentlichen. Darin werden die privatisierten Filialen als neues Betriebsformat des Einzelhandels bezeichnet. Das habe zum Ergebnis, "dass ca. 250.000 Beschäftigte ohne tariflichen Schutz und ohne den Schutz von Betriebsräten direkt oder indirekt von Dumpinglöhnen betroffen sind".

Ver.di hatte im Jahr 2004 in einem Schwarzbuch die Verletzung von Arbeitnehmerrechten beim Discounter Lidl kritisiert. Vor drei Jahren warf die Gewerkschaft der mittlerweile vom Markt verschwundenen Drogeriekette Schlecker vor, im Zuge der Gründung neuer XXL-Märkte Tarifverträge auszuhebeln. Die Ver.di-Sprecherin betonte aber, dass gegen Edeka keine Kampagne geplant sei. Die Broschüre kritisiere eine im gesamten Lebensmittelhandel verbreitete Praxis.

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