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Gold hat Preiskorrektur beendet - weiterer Aufschwung erwartet


Goldpreise  

Wahl beendet Preiskorrektur beim Gold - weiterer Aufschwung erwartet

07.11.2012, 12:31 Uhr | t-online.de, mmr, dpa-AFX

Gold hat Preiskorrektur beendet - weiterer Aufschwung erwartet . Krügerrand-Münzen und Nugget: Gold nach Preisrückgang kaufenswert?  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gold nach Preisrückgang kaufenswert? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama hat an den Finanzmärkten spürbare Reaktionen hervorgerufen. Während der US-Dollar am Mittwochvormittag zu wichtigen Währungen nachgab (siehe EUR/USD), legten die Preise vieler Aktien sowie Öl und vor allem Gold zu: Eine Feinunze (31,1 g) kostete in der Spitze gut 1731 Dollar und damit etwa 45 Dollar mehr als am Dienstag-Vormittag. Auf Euro-Basis notierte das Edelmetall bei 1346 Euro. Der Silberpreis machte prozentual einen noch kräftigeren Satz und notierte zuletzt bei 32,17 Dollar. Viele Analysten erwarten, dass die Gold-Rally weitergeht.

Expansive Geldpolitik in den USA stützt Goldpreis

Marktbeobachter begründeten die jüngsten Goldpreis-Gewinne vor allem mit der Rückendeckung Obamas für Fed-Chef Ben Bernanke. Im Gegensatz zu Obamas Herausforderer, dem Republikaner Mitt Romney, steht der alte und neue US-Präsident felsenfest hinter dem Vorsitzenden der US-Notenbank. An der sehr lockeren Geldpolitik der Federal Reserve dürfte sich mithin wenig ändern. Die Geldschwemme der Fed, die über sinkende Langfrist-Renditen die Binnenkonjunktur anschieben soll, belastet den Dollar tendenziell und stützt gleichzeitig die in Dollar notierten Edelmetalle.

Politische Risiken sprechen für Gold

Der Goldpreis hat seit seinem Jahreshoch Anfang Oktober bei 1795 Dollar (bzw. 1385 Euro) eine markante Korrektur gezeigt. Für die meisten Rohstoffanalysten bietet gerade diese Konsolidierung eine exzellente Einstiegschance. So rechnet etwa die Commerzbank spätestens im ersten Quartal 2013 mit neuen Rekordständen oberhalb von 1920 Dollar. Als Gründe sehen die Experten kurzfristig auch die politischen Risiken - etwa in Griechenland. Am Abend findet im griechischen Parlament die Abstimmung über das neueste Sparpaket statt. Auch wenn diesem voraussichtlich zugestimmt wird und Griechenland damit weitere Finanzhilfen erhält, sollte die Gold-Nachfrage weiter hoch bleiben.

Unsicherheit durch nagende Deflation

In den Köpfen der Anleger spukt auch das Inflationsgespenst - traditionell eines der Kaufargumente für Gold. Doch die aktuellen Inflationsraten bieten mit rund zwei Prozent noch keinen Anlass zur Sorge. Statt dessen nagt Deflation an den Anlegernerven. Analyst Clif Droke sieht Gold als einen Profiteur. "In der Regel versuchen Staaten und Zentralbanken, sich ihren Weg aus Finanzkrisen zu drucken (Inflationierung)", schreibt Droke bei "Goldseiten.de".

Eine Zeit lang bewirke diese monetäre Inflation steigende Kurse bei Vermögensanlagen und Gold sei eine dieser Vermögensanlagen. Letztendlich werde diese monetäre Inflation aber abklingen, da Regierungen und Zentralbanken darüber streiten werden, wie der deflationären Strömung zu begegnen sei. "Einige Regierungen entschieden sich für den Weg der strengen Spar- und Haushaltspolitik (Austerität), d.h. für den sichersten Weg, der Deflation ihren Lauf zu lassen", so Droke.

Charttechnik spricht für Goldpreisanstieg

Auch charttechnisch spricht derzeit einiges für einen weiteren Anstieg des Goldpreises. Ein kurzfristiger Abwärtstrend ist überwunden, nur ein kleiner Widerstand wartet bei 1730 bis 1735 Dollar. Doch nach einem zu erwartenden nochmaligen Abtaucher auf gut 1700 Dollar sollte es dann bis 1800 Dollar weiter aufwärts gehen. Lediglich ein Rückfall deutlich unter 1700 Dollar würde das Positiv-Szenario zunichte machen.

Die DZ Bank sieht mittelfristig Potenzial für Gold bis zur Marke von 2100 Dollar. Und Godmode-Trader-Chef Harald Weygand sieht die charttechnischen Kursziele sogar bei 2105 bis 2300 Dollar pro Feinunze. Demnach würde ein Einstieg bei Gold jetzt tatsächlich Sinn ergeben.

Weniger Gold-Importe durch Indien

Doch einen Wermutstropfen gibt's auch bei den Edelmetall-Hoffnungen. Über Indien, dem wichtigsten Goldschmuck-Land der Welt, ziehen sich immer mehr dunkle Wolken zusammen. Die Commerzbank schreibt, dass die Bombay Bullion Association (BBA) auch im nächsten Jahr von einem deutlichen Rückgang der indischen Goldimporte ausgeht. Diese sollen 2013 nur noch 550 Tonnen betragen. Als Gründe führt die BBA die hohe Inflation und hohe lokale Goldpreise sowie die Einfuhrsteuern an. Schon in diesem Jahr dürfte Indien mit ca. 650 Tonnen wesentlich weniger Gold importieren als im Rekordjahr 2011, als 933 Tonnen hauptsächlich für die Schmuckproduktion eingeführt wurden. Das dürfte auch dem hohen Kurs der Rupie geschuldet sein.

Der World Gold Council (WGC) ist nicht ganz so pessimistisch. Es geht für das Jahr 2012 von einer indischen Goldnachfrage im Umfang von rund 800 Tonnen aus. "Während der ersten sechs Monate war die Goldnachfrage rückläufig. Aber derzeit zieht der Trend an und es gibt ein positives Momentum”, so WGC-Sprecher Vipin Sharma in der indischen Presse. In der laufenden Festival- und Hochzeits-Saison in Indien wird wieder mit einem deutlichen Anziehen der Goldnachfrage gerechnet.

Private Nachfrage nach Gold im Jahre 2011

2011

in Tonnen

in Prozent

Indien

933,4

27,1

China *

811,2

23,5

Arabische Länder

199,8

5,8

USA

194,9

5,6

Deutschland

159,3

4,6

Türkei

144,2

4,2

Schweiz

116,2

3,4

übriges Westeuropa

99,3

2,9

Welt gesamt

3450

* inkl. Hongkong u. Taiwan; Quelle: World Gold Council


China ist zweitwichtigster Gold-Nachfrager

Auch China wird als Gold-Nachfrager immer wichtiger, leidet gleichzeitig unter einer recht hohen Inflation. Im vergangenen Jahr fragten Chinesen insgesamt nach 811 Tonnen Goldmünzen, -Barren oder Schmuck. In China symbolisiert Gold Zufriedenheit und Wohlstand, aber auch Erfolg und Freigiebigkeit. "Für die wachsende chinesische Mittelschicht ist das Edelmetall ein wichtiges Statussymbol", sagt Karl-Heinz Thielmann, Autor des Börsenbriefs für Langfristanleger "Mit ruhiger Hand".

Die Goldnachfrage in China und Indien ist nach Ansicht Thielmanns weniger vom Goldpreis abhängig als von der Einkommensentwicklung in diesen Regionen und der anhaltenden Bedeutung ihrer traditionellen Werte. Sofern sich die Trends der Vorjahre fortsetzen, also solange die Volkswirtschaften der Schwellenländer sich weiter sehr dynamisch entwickeln und eine statusbewusste Mittelschicht dort an Bedeutung gewinnt, wird sich hieran auch nichts ändern. Dies dürfte strukturell zu einer Zunahme der Goldnachfrage führen.

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