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Ihr Platz überlebt Schlecker-Pleite


Ihr Platz überlebt Schlecker-Pleite

28.11.2012, 12:52 Uhr | dapd

Ihr Platz überlebt Schlecker-Pleite. Ihr Platz in Uelsen: Dank Rewe und Niederländern weiter erfolgreich (Quelle: dapd)

Ihr Platz in Uelsen: Dank Rewe und Niederländern weiter erfolgreich (Quelle: dapd)

Die Insolvenz des Drogerie-Imperiums Schlecker hat auch das Tochterunternehmen Ihr Platz mit in den Strudel gerissen. Doch während die blau-weißen Schlecker-Schilder überall in Deutschland abmontiert wurden, lebt die kleinere Marke mit dem gelb-grünen Logo und der Gänseblume weiter. Die Supermarktkette Rewe hat die Namensrechte gekauft und liefert die Ware über ihre Einkaufsgenossenschaft Für Sie eG. Doch das hat sich noch nicht überall herumgesprochen.

Ungläubig bleiben Menschen mitunter vor dem Drogeriemarkt Ihr Platz im niedersächsischen Uelsen stehen. "Manche sind regelrecht erschrocken, dass wir noch da sind", sagt Inhaberin Hedwig Köhnke. Trotz anderslautender Meinungen ist die ehemalige Schlecker-Tochtergesellschaft nicht tot. 44 Geschäfte einst selbstständiger Franchisenehmer des zerschlagenen Osnabrücker Unternehmens haben überlebt.

Zwölfjährige Tradition lebt weiter

Im Einkaufszentrum in Uelsen, kurz vor der niederländischen Grenze, sieht es aus wie immer. Seit zwölf Jahren gibt es dort einen Ihr Platz. Nichts zeugt von den vergangenen Monaten der Ungewissheit und Existenzangst der Beschäftigten.

Auch im Laden in dem 6000 Einwohner zählenden Ort weist nichts auf Missstände hin. Die Regale sind voll. 10.000 Produkte umfasst das Sortiment. Das war zuletzt nicht so. Ende Januar hatte Schlecker Insolvenz angemeldet. Kurz darauf folgte Ihr Platz. Die Hängepartie um die Zukunft der Märkte dauerte länger als ein halbes Jahr.

Leere Regale nach der Schlecker-Insolvenz

Kaum Ware und die latente Angst der Beschäftigten vor der Arbeitslosigkeit waren die Folgen. "Es war wie einst in der DDR. Die Regale waren leer. Keine Windeln, Kindernahrung, Haarfarbe und Kosmetik: Sie konnten durchfegen", erinnert sich die 60-jährige Inhaberin. "Das war nicht schön", pflichtet ihre Angestellte Tanja Peters bei. Trotzdem blieben die Ihr-Platz-Türen auch in dieser schwierigen Zeit geöffnet. Keiner der insgesamt fünf Angestellten verlor seinen Arbeitsplatz.

Hedwig Köhnke, die den Beruf der Drogistin, inklusive Giftprüfung, gelernt hat, lässt vor diesem Hintergrund kein gutes Haar an dem einstigen Großunternehmer Anton Schlecker. "Das war gar nichts. Ich bin überzeugt, dass er schon pleite war, bevor er uns übernommen hat", sagt sie. Die Übernahme geschah Ende 2007.

Der Neustart des Traditionsunternehmens mit Rewe-Hilfe sei die letzte Chance gewesen. "Sonst wären wir alle weg", ist sich Köhnke sicher. "Ich hatte immer das Gefühl, dass es weitergeht. Es hat nicht getrogen", freut sich derweil die 41-jährige Peters.

Stammkunden und Niederländer als Lebensversicherung

Trotz des Chaos in den vergangenen Monaten blieben auch viele Kunden bei der Stange. "Ich bin immer treu geblieben", sagt die 70-jährige Johanna Kamps. Diese Treue hat einen ganz praktischen Hintergrund: "Meine Gesichtscreme bekomme ich nur hier. Sonst hätte ich bis nach Nordhorn fahren müssen." Die Kreisstadt liegt 15 Kilometer entfernt. "Ich finde es gut, dass Sie weitermachen", sagt die Rentnerin zur Inhaberin, verabschiedet sich und zieht mit Gesichtscreme und Gehstock davon.

Neben den älteren Stammkunden waren und sind vor allem Niederländer eine Art Lebensversicherung für den Uelsener Ihr-Platz-Markt. Jenseits der Grenze wurde am 1. Oktober die Mehrwertsteuer auf 21 Prozent angehoben. Zudem seien gerade Haarpflege- und Kosmetikprodukte dort ohnehin bedeutend teurer, berichtet Köhnke.

Wie zum Beweis dieser These lässt sich eine niederländische Kundin im Rollstuhl durch den Markt schieben, macht Halt vor dem Regal mit Haarfärbemitteln und zeigt auf ein Produkt für 3,99 Euro. "Das kostet bei uns sechs Euro", sagt sie zu ihrer Begleiterin.

Rewe will expandieren - Besitzerin ist skeptisch

Hedwig Köhnke freut sich darüber, dass Waren und Kunden wieder strömen. Ans Aufhören hat sie nach eigenen Angaben nie gedacht. "Der Laden ist wie ein Baby für mich", sagt sie heute. Außerdem hätte ihn ihr ohnehin niemand abgekauft.

Langfristige Perspektiven habe die Branche dagegen nicht. "In 15 Jahren kaufen die Kunden alles im Discounter, und es gibt keine Drogeriemärkte mehr", sagt Köhnke. Rewe hat mit Ihr Platz allerdings andere Pläne: 2013 soll weiter expandiert werden.

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