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Unternehmensanleihen: Firmen finanzieren sich günstig wie nie


Unternehmensanleihen: Firmen nehmen günstig Geld auf

10.12.2012, 14:35 Uhr | dpa-AFX, t-online.de, sky

Unternehmensanleihen: Firmen finanzieren sich günstig wie nie. Die EZB flutet den Markt mit frischem Geld (Quelle: Thinkstock, Montage t-online.de)

Die EZB flutet den Markt mit frischem Geld (Quelle: Thinkstock, Montage t-online.de)

Was Sparer verärgert, freut die Finanzchefs der Konzerne: Große Industrieunternehmen wie Siemens oder Daimler können sich günstig wie nie Geld auf dem Anleihenmarkt beschaffen. Denn die Zinsen verharren wegen der Europäischen Zentralbank (EZB) am Tiefpunkt.

Konzerne müssen kaum Zinsen bezahlen

Siemens konnte im August eine 400-Millionen-Euro-Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit für gerade einmal 0,375 Prozent Zinsen platzieren. Bei der Anleihe mit siebeneinhalb Jahren Laufzeit gaben sich die Anleger mit 1,5 Prozent zufrieden.

Die Liste lässt sich fortsetzen: Daimler, Volkswagen oder auch der Brauereikonzern Heineken fanden alle Anleihenkäufer, die sich mit Zinsen von deutlich unter einem Prozent begnügten. Neben der Flucht der Investoren - etwa aus Staatsanleihen oder dem schwankenden Rohstoffmarkt - profitieren große Unternehmen von ihrem Ruf als solide Schuldner.

Banken müssen ihr Risiko drücken

Zudem befeuern neue Vorschriften für Banken den Boom. "Banken achten angesichts der strengeren Eigenkapitalanforderungen stärker auf die Risiken im Kreditgeschäft", sagt Rainer Bizenberger, Spezialist für Unternehmensfinanzierung bei Roland Berger. Und die Ratingagentur Moody's beobachtet, dass sich gerade die Konditionen für Bankkredite mit Laufzeiten von mehr als fünf Jahren weiter verschärfen.

Von sechs Milliarden Euro im Jahr 2000 hat sich das Volumen der Unternehmensanleihen in Deutschland auf zuletzt etwa 250 Milliarden Euro vervielfacht, weiß Bizenberger. "Gerade in der Zeit zwischen 2009 und jetzt hat sich das Tempo nochmals beschleunigt und der Trend hält an." Er erwartet, dass sich die Entwicklung 2013 fortsetzt und das Volumen wächst.

Firmenbonds immer stärker gefragt

Dafür sprechen auch die Zahlen, die Moody's zusammengetragen hat: Allein die von der Ratingagentur bewerteten deutschen Unternehmen müssen demnach zwischen den Jahren 2013 und 2016 Schulden von insgesamt 202 Milliarden Euro zurückzahlen.

Ein enormer Refinanzierungsbedarf, den sie wohl vor allem mit Anleihen bestreiten werden. Schließlich hat die Ratingagentur Fitch herausgefunden, dass der Anteil von Bonds bei der Unternehmensfinanzierung von 53 Prozent im Jahr 2008 auf 73 Prozent im Jahr 2011 stieg.

Bonds werden den Kredit wohl nie ersetzen

Finanzierungsexperte Bizenberger ist aber skeptisch, ob es 2013 für einen neuen Rekord reicht. "Zinsen haben einen historischen Tiefstand erreicht. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der Durchschnittszins für Unternehmensanleihen weiter sinken wird." Zumindest mittelfristig dürfte es eher wieder steigende Zinsen geben, schätzt er.

Ganz ersetzen wird die Anleihe den klassischen Kredit bei der Bank wohl nicht. Sollten Unternehmen ins Schlingern geraten und es hart auf hart kommt, ist es wesentlich einfacher mit ein paar Banken über neue Konditionen zu verhandeln.

"Breit gestreute Anleihen sind im Besitz von vielen Gläubigern; entsprechend hoch sind daher der Abstimmungsbedarf und Koordinationsaufwand im Krisenfall", sagt Bizenberger. Im Gegensatz zu einer Hausbank, die eine Firma vielleicht schon seit Jahrzehnten begleite, sei die Bindung von Anleihekäufern zum Unternehmen viel schwächer. Das sei der Preis für die finanzielle Flexibilität.

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