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Agrarrohstoffe: Deutsche Forscher verteidigen Agrar-Spekulanten


Agrarrohstoffe: Forscher verteidigen Spekulanten

12.12.2012, 15:07 Uhr | t-online.de - sia

Agrarrohstoffe: Deutsche Forscher verteidigen Agrar-Spekulanten. Spekulationen mit Agrarrohstoffen standen zuletzt stark in der Kritik (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Spekulationen mit Agrarrohstoffen standen zuletzt stark in der Kritik (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sie sind gierig, machen Kasse mit knappen Nahrungsmitteln, sind für den Hunger in armen Ländern verantwortlich: Agrarspekulanten haben ein erdenklich schlechtes Image. Jetzt allerdings springen Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) für die Zocker mit Mais, Weizen und Soja in die Bresche. Und erklären, warum sie auf keinen Fall von den Märkten ausgeschlossen werden sollten.

Die MLU-Experten haben gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) 36 Studien zum Einfluss von Finanzspekulationen auf das Niveau der Preise für Agrarrohstoffe unter die Lupe genommen. Das überraschende Ergebnis: Die Geschäfte der Agrarrohstoff-Spekulanten sind nicht schuld an der rasanten Verteuerung von Lebensmitteln - und damit auch nicht am Hunger in der Welt.

Spekulanten zu Unrecht am Pranger

So hatte etwa Foodwatch-Manager Thilo Bode den Banken vorgeworfen, aufgrund ihrer spekulativen Terminmarktgeschäfte "Hungermacher" zu sein. Die Deutsche Bank etwa hatte daraufhin im Jahr 2011 angekündigt, ihr umstrittenes Geschäft mit Agarrohstoffen auf den Prüfstand zu stellen - dann aber einen Rückzieher gemacht.

Doch nach Ansicht der Forscher steht die Agrarzockerei zu Unrecht am Pranger. "Im Gegenteil, die Finanzspekulation kann dazu beitragen, Agrarmärkte besser funktionieren zu lassen“, erklärt Thomas Glauben vom IAMO. Für die starken Preisanstiege und -schwankungen in den Jahren 2007/2008, 2010/11 und 2012 sind demnach vielmehr realwirtschaftliche Faktoren verantwortlich.

Realwirtschaftliche Gründe für Preisschwankungen

"Wer den Hunger in der Welt wirksam bekämpfen will, muss realwirtschaftlich dafür Sorge tragen, dass das Angebot an Nahrungsmitteln mit der auf absehbare Zeit steigenden Nachfrage Schritt halten kann“, ergänzt der MLU-Wirtschaftsethiker Ingo Pies.

Der Grund für die dramatischen Preisanstiege und -schwankungen sei im starken Wachstum und im zunehmenden Wohlstand der bevölkerungsreichen Schwellenländer zu sehen, erklärte Ingo Pies gegenüber dem "Spiegel". Dort werde entsprechend mehr Fleisch gegessen, und damit sei auch die Nachfrage nach Agrarrohstoffen für die Fleischproduktion gestiegen.

Zocker sichern Produzenten ab

Weil die Agrarmärkte laut der Untersuchung ohne Zocker schlechter funktionierten, wäre es demnach unklug, den Finanzinvestoren den Zutritt zu versperren. Den gerade sie dienten Rohstoffproduzenten und -käufern als Absicherung gegen das Risiko von Preisschwankungen. Den Markt stärker zu regulieren - etwa durch Transaktionssteuern oder Positionslimits - sehen die Experten hingegen als sehr riskant an.

Gewarnt wird besonders davor, durch solche Maßnahmen Liquidität aus den Märkten zu nehmen und die Agrarproduzenten in der Folge zu zwingen, Preisrisiken selbst zu tragen und nicht an Finanzpartner weitergeben zu können. Die Forscher raten jedoch dazu, die Terminmärkte für Agrarrohstoffe besser zu regulieren und transparenter zu machen.

Angebot an Nahrungsmitteln muss erhöht werden

Die Spekulanten an den Pranger zu stellen, habe die öffentliche Aufmerksamkeit von den tatsächlichen politischen Möglichkeiten, akute Hungerkrisen zu bekämpfen, abgelenkt. Dazu müsse vor allem dafür gesorgt werden, dass das Angebot an Nahrungsmitteln mit der auf absehbare Zeit erhöhten Nachfrage Schritt halten kann.

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