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Fester Euro im globalen Abwertungswettlauf


Fester Euro: Das bedeutet der Abwertungswettlauf für uns

06.02.2013, 15:18 Uhr | t-online.de - Frank Lansky mit AFP, dpa-AFX

Fester Euro im globalen Abwertungswettlauf. Globaler Abwertungswettlauf - welche Währung kippt als nächstes? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Globaler Abwertungswettlauf - welche Währung kippt als nächstes? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Steht die Welt vor einem Währungskrieg? Japan setzt den Yen unter Druck, um seine Exporte anzukurbeln. Auch die Federal Reserve kippt den Dollar, indem sie massenhaft US-Staatsanleihen kauft. Der Euro dagegen legt kräftig zu. t-online.de hat Experten zu den möglichen Folgen für die Verbraucher und Anleger befragt.

Japan versenkt den Yen

Gerade hat Japan den nächsten Schritt im Abwertungswettlauf eingelegt: Nach der überraschenden Rücktrittsankündigung des japanischen Notenbank-Gouverneurs Masaaki Shirakawa sackte der Außenwert des Yen zum Dollar in den Keller, was wiederum die Aktienkurse wiederum rasant in die Höhe schnellen ließ. Durch den billigeren Yen werden japanische Produkte im Ausland günstiger - und genau das ist gewollt.

Shirakawa hatte überraschend bekanntgegeben, gemeinsam mit zwei Stellvertretern sein Amt bereits am 19. März niederzulegen. Eigentlich war der Abgang erst am 8. April vorgesehen. Anleger rechnen damit, dass die neue Führung der Zentralbank den Wünschen der neuen japanischen Regierung nach einer noch deutlich aggressiveren Öffnung der Geldschleusen folgen wird.

Frankreich will den Euro schwächen

Zuvor hatte Frankreichs Präsident Francois Hollande den starken Euro ins Visier genommen: Der Euro dürfe nicht einfach "den Launen des Marktes" ausgesetzt werden, sagte er vor dem Europaparlament in Straßburg. Einige Länder, wie die USA und China, würden auch den Wechselkurs benutzen, um ihr Wachstum zu stärken.

Der französische Konjunkturmotor stottert zurzeit. Auch Hollande setzt deswegen offenbar auf eine Ankurbelung des Exports.

Starker Euro verbilligt Importe

Gernot Griebling, Leiter der Gruppe Makro-Research bei der LBBW, glaubt nicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) unmittelbar reagieren werde, denn ihre Ziele seien die Geldwertstabilität und seit der Euro-Krise die Stabilisierung der Eurozone als Ganzes – aber nicht ein direktes Wechselkursziel. Zudem liege die Wechselkurspolitik nicht in Händen der EZB, sondern der G7 und G20.

Die jüngste Erholung des Euro-Dollar-Kurses von 1,20 auf 1,36 Euro sei ansonsten eine normale Schwankung, nur der vor den jüngsten Ereignissen enorm gestiegene Yen sei die Ausnahme. "Zudem lässt sich nicht eindeutig sagen, welches der richtige Wechselurs ist".

Die Passivität ist für die Verbraucher durchaus von Vorteil: "Momentan können die Verbraucher in Deutschland gelassen bleiben. Denn wenn der Euro-Außenwert steigt, werden importierte Güter relativ preiswerter, was sich mit Zeitverzögerung bei Heizöl und Sprit bemerkbar macht," urteilte Griebling. Für Unternehmen heiße dies zwar, dass ihre Produkte im Ausland teurer werden. Aber dieser Faktor werde beständig überschätzt. Wichtig für die deutsche Wirtschaft sei, dass die Weltwirtschaft wachse.

Die EZB werde wohl erst dann konkrete Schritte gegen die Euro-Aufwertung ergreifen, wenn der Euro-Außenwert innerhalb von vier bis acht Wochen um zehn bis 15 Prozent gegen den Korb der wichtigsten Handelspartner zulege, erläuterte Griebling abschließend.

Bei EZB-Eingriff werden Gold und Immobilien wieder interessanter

Eugen Keller, Leiter Financial Markets Research beim Bankhaus Metzler, kann sich dagegen am morgigen Donnerstag eine verbale Intervention der EZB zur Schwächung des Euro durchaus vorstellen. Denn sonst könne die Wirtschaft in der schwächelnden Periphere der Eurozone vollständig abgewürgt werden. "Jeder Kurs über 1,35 Dollar ist ein Verkaufskurs, denn die Vierfachkrise ist längst nicht gelöst – wir haben es mit einem Dekaden-Problem zu tun." Die Krise bestehe aus den Staatsschulden, der lahmenden Wirtschaft und dem mangelnden Vertrauen in die politische Führung der Eurozone. Nur der vierte Part - die Finanzkrise - sei in den vergangenen Monaten in den Hintergrund gerückt.

Der EZB bleiben laut Keller drei Mittel: 1) Rhetorik, 2) eine Zinssenkung und 3) eine Flutung des Marktes mit Liquidität; dieser letzte Punkt werde wohl aber nur dann zum Thema werden, wenn mittelfristig neue Probleme zu Tage treten, etwa in Spanien oder in Frankreich.

Für die Anleger und Verbraucher gibt es laut Keller zwei Möglichkeiten: Entweder bleibe die EZB inaktiv, dann werde der Euro aufwerten und Inflation bleibe kein Thema. Oder aber die EZB greife ein, um den Euro zu schwächen. Dann werde das billige Geld Sachwerte interessant machen und Inflationserwartungen könnten geschürt werden. Über noch billigere Kredite würden dann Immobilien wieder einen Schub erhalten; und auch Gold würde nach langer Konsolidierungsphase wieder attraktiv.

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