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Bundesweite Razzia gegen Anlagebetrüger aus Frankfurt und Hamburg


Spektakulärer Anlagebetrug  

Spektakulärer Anlagebetrug: Kunden um mehr als 100 Mio. Euro geprellt

19.02.2013, 19:16 Uhr | t-online.de, dpa

 Bundesweite Razzia gegen Anlagebetrüger aus Frankfurt und Hamburg. Die Frankfurter Immobiliengruppe S&K steht unter Betrugsverdacht (Quelle: dpa)

Die Frankfurter Immobiliengruppe S&K steht unter Betrugsverdacht (Quelle: dpa)

Es könnte der spektakulärste Fall der letzten Jahre werden: Der Frankfurter Staatsanwaltschaft ist ein Schlag gegen eine Bande mutmaßlicher Anlagebetrüger geglückt. Sie werden verdächtigt, mit der Frankfurter Firmengruppe S&K ein umfassendes Schneeballsystem installiert und Tausende Anleger um ihre Ersparnisse geprellt zu haben. Die Beschuldigten lockten ihre Kunden mit Immobilienfonds und dem Versprechen enormer Renditen. Man gehe von einem "extrem hohen Schaden im dreistelligen Millionenbereich" aus, berichtete die Frankfurter Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen.

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S&K Kern eines betrügerischen Firmennetzes

Sechs Männer wurden in Frankfurt und Hamburg in Haft genommen, gegen weitere 44 wird ermittelt. Die Ermittlungen richten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegen die Deutsche S&K Sachwert AG in Frankfurt (S&K), die zusammen mit weiteren Firmen aus Hamburg und Köln Kern eines betrügerischen Firmennetzes sein soll. Das Unternehmen war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Starke Rendite bei Investmentfonds versprochen

Den Kunden sollen etwa Anteile an Investmentfonds verkauft worden sein, die wiederum ihre Mittel an eine Immobilien-GmbH der S&K-Gruppe als Darlehen weiterreichten. Als Verzinsung wurden laut Verkaufsprospekt zwölf Prozent versprochen. Um die Ansprüche älterer Anleger zu befriedigen, seien im Schneeballsystem neue Zuflüsse verwendet worden, lautet ein Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Ebenfalls im Angebot waren Fonds für Risikokapital.

Immobilien wurden nach den Erfahrungen der Lehman-Krise im Jahr 2008 als "wahrscheinlich sicherste Anlageform der Welt" in den Vordergrund der Werbung gestellt. Beteiligen konnten sich die Kunden an den Fonds "Deutsche Sachwerte Nr. 2" und den vornehmlich in mittelständische Unternehmen engagierten "Midas-Fonds". S&K verwaltete nach eigenen Angaben ein Portfolio im Wert von 1,7 Milliarden Euro.

Für Anleger, Bevollmächtigte, Angehörige und Hinweisgeber hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt vom morgigen Mittwoch an von 8.00 bis 22.00 Uhr beim Polizeipräsidium Frankfurt ein Kontakttelefon unter der Nummer (069) 7555 7555 eingerichtet.

Bewertung eigener Immobilien geschönt

Die Siegburger Kanzlei Göddecke, die Geschädigte vertritt, warf der Unternehmensgruppe vor, den Wert des eigenen Immobilienbestands mit zweifelhaften Gutachten geschönt und dadurch Investoren geschädigt zu haben. "Wir können nachweisen, dass die S&K bei der Bewertung von mehreren Immobilien einen Gutachter eingesetzt hat, der überhaupt keine Zulassung hatte. Dieser kam verdächtig oft auf einen Immobilienwert, der über dem tatsächlichen Marktwert lag", erklärte Rechtsanwalt Marc Gericke.

Ermittlungen gegen 50 Personen

Laut einer Frankfurter Justizsprecherin sind die bei den Durchsuchungen am Dienstag verhafteten Verdächtigen im Alter zwischen 31 und 70 Jahren. Dem Vernehmen nach gehören die beiden S&K-Gründer zu den inhaftierten Hauptverdächtigen. Insgesamt werde gegen etwa 50 Beschuldigte ermittelt, weitere Haftbefehle gebe es derzeit nicht. Unter den Beschuldigten seien auch mehrere Notare und Rechtsanwälte.

"Aufwändiger und exzessiver Lebensstil"

Wer dachte, dass der Film "Gier" mit Ulrich Tukur als Hochstapler Dieter Glanz in der Hauptrolle eine mediale Übertreibung sein müsse, kommt bei S&K ins Grübeln: Die Ermittler sprechen von einem "aufwändigen und exzessiven Lebensstil". Sie sind nun dabei, den noch nicht voll erfassten Schaden für die gutgläubigen Anleger ein wenig zu begrenzen.

Sie sperrten Konten, beschlagnahmten Immobilien und Sportflitzer und stellten so nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Euro für die Geschädigten sicher. Fahrzeuge der Marken Bentley, Aston Martin, Porsche, Lamborghini sollen zum Fuhrpark der S&K gehört haben. Bekannte Immobilien im Portfolio der Gruppe sind das seit Goethe berühmte Frankfurter Ausflugslokal Gerbermühle oder die Sachs-Villa in Schweinfurt.

1200 Fahnder im Einsatz

An den rund 130 Durchsuchungen mit Schwerpunkten in Hessen, Hamburg und Bayern haben rund 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte teilgenommen. Weitere beteiligte Länder waren Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.

Anleger werden "systematisch verführt"

Kritiker bemängeln, der deutsche Staat tue zu wenig gegen dubiose Geldanlagen, die meisten EU-Staaten seien mit der Regulierung des "Grauen Kapitalmarktes" weiter. "Die Leute sind nicht blöd, sie werden systematisch verführt", meint Dorothea Mohn, Geldanlageexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Keine Top-Rendite ohne Risiko

Mit Verboten, davon ist Joachim Goldberg von Cognitrend überzeugt, bekommt man das Problem aber nicht in den Griff. "Die Illusion über Nacht steinreich zu werden, zieht immer wieder - gerade in Zeiten, wo es sonst kaum Zinsen gibt", sagt der gelernte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler, der sich seit mehr als 30 Jahren mit der Psychologie an den Märkten beschäftigt. "Obwohl die Leute wissen, dass im heutigen Umfeld Renditen von acht bis zehn Prozent ohne Risiko nicht zu erwirtschaften sind, springen sie darauf an. Da setzen bei manchen offensichtlich die Sicherungen aus."

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