Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Umstrittene Agrar-Zockerei: Deutsche Bank erneut unter Beschuss


Umstrittene Agrar-Zockerei: Deutsche Bank erneut unter Beschuss

24.02.2013, 14:01 Uhr | t-online.de, dpa

Umstrittene Agrar-Zockerei: Deutsche Bank erneut unter Beschuss. Verbraucherschützer haben die Deutsche Bank wegen Spekulationen auf Agrarrohstoffe im Visier (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Verbraucherschützer haben die Deutsche Bank wegen Spekulationen auf Agrarrohstoffe im Visier (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer mit knappen Nahrungsmitteln Kasse macht, beeinflusst die Preise und ist letztendlich für den Hunger in armen Ländern verantwortlich: Agrarspekulanten haben kein gutes Image. In der Debatte um die umstrittenen Geschäfte hat die Verbraucherorganisation Foodwatch jetzt nachgelegt und die Deutsche Bank sowie die Allianz erneut attackiert.

Dokumente enthüllen Einfluss auf Preise

Nach Angaben der Verbraucherschützer zeigen Dokumente, dass die volkswirtschaftlichen Abteilungen der beiden Finanzriesen in der Vergangenheit den Einfluss solcher Geschäfte auf die Agrarpreise eingeräumt haben. Später hätten aber beide Häuser argumentiert, sie hielten an den umstrittenen Praktiken fest, weil es keine Beweise für negative Auswirkungen gäbe.

Foodwatch und andere Kritiker sind der Ansicht, dass Agrarspekulationen den Hunger in der Welt verschärfen. In einem Allianz-Papier hieß es demnach bereits im Jahr 2008: "Die Preisausschläge an den Agrarmärkten wurden durch spekulative Faktoren nicht ausgelöst, aber verstärkt."

Warnung vor gravierenden Folgen

Die Deutsche-Bank-Abteilung DB Research soll in einem Dokument gewarnt haben: "Solche Spekulationen können für Landwirte und Verbraucher gravierende Folgen haben und sind im Prinzip nicht akzeptabel." Der Chefvolkswirt der Bank habe aber laut Foodwatch im Juni 2012 vor einem Bundestagsausschuss erklärt, es gebe "kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung, dass die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten zu Preissteigerungen oder erhöhter Volatilität geführt hat".

"Der eigentliche Skandal ist, dass Deutsche Bank und Allianz ganz genau wissen, welchen Schaden sie mit ihren Finanzprodukten anrichten - aber die Öffentlichkeit täuschen und sogar den Bundestag belügen, um weiterhin ohne Skrupel Geschäfte auf Kosten Hungernder zu machen", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.

Anlagen nur kurzfristig ausgesetzt

Die Deutsche Bank hatte Mitte Januar angekündigt, trotz der Kritik an den Finanzanlagen auf Basis von Agrarrohstoffen festzuhalten. Nach einer ausführlichen Prüfung habe man "keinen Nachweis gefunden, dass die Spekulation für die Preisentwicklung verantwortlich ist", hatte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen am Rande der Agrarmesse "Grüne Woche" in Berlin gesagt.

Der Vorstand habe daher beschlossen, entsprechende börsennotierte Fonds wieder zu vertreiben. Nach Protesten hatte das größte deutsche Geldinstitut das Geschäft mit solchen Anlageprodukten im vergangenen Jahr vorerst ausgesetzt, um es zu überprüfen.

Landwirte und Unternehmen profitieren von Terminmärkten

Preisschwankungen gebe es "auch bei Abwesenheit von diesen Produkten", hatte Fitschen gesagt. Eine Arbeitsgruppe der Bank stellte nach Konzernangaben nach umfassenden Analysen fest, "dass es kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung gibt, die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten sei für Preissteigerungen oder erhöhte Preisschwankungen verantwortlich". Zugleich gebe es aber "zahlreiche Vorteile" von Agrar-Terminmärkten für Landwirte und Nahrungsmittelverarbeitung.

Wissenschaftlich wird das Thema kontrovers diskutiert. Termingeschäfte auf Agrarpreise sind bereits seit Jahrzehnten üblich, da Bauern damit ihr Einkommen aus den schwer vorauszusehenden Ernteerträgen absichern konnten. In der jüngsten Vergangenheit haben solche Derivatgeschäfte - wie in anderen Bereichen auch - allerdings neue Dimensionen angenommen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
15,- € Gutschein für Sie - nur bis zum 22.09.2019
bei MADELEINE

shopping-portal