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Sal. Oppenheim: Geldadel auf der Anklagebank


Sal. Oppenheim: Geldadel auf der Anklagebank

26.02.2013, 13:19 Uhr | t-online.de, dpa

Sal. Oppenheim: Geldadel auf der Anklagebank. Die ehemalige Führungsriege der Privatbank Sal. Oppenheim muss sich vor Gericht verantworten (Quelle: dpa)

Die ehemalige Führungsriege der Privatbank Sal. Oppenheim muss sich vor Gericht verantworten (Quelle: dpa)

Es wird wohl einer der größten Wirtschaftsstrafprozesse der Nachkriegsgeschichte: An diesem Mittwoch beginnt im größten Saal des Kölner Landgerichts das lang erwartete Verfahren gegen das ehemalige Führungsquartett des Bankhauses Sal. Oppenheim und einen früheren Geschäftspartner. Die Anklage lautet auf Untreue im besonders schweren Fall und Beihilfe dazu. Es geht um drei Immobiliengeschäfte und einen dreistelligen Millionenschaden für die einmal größte europäische Privatbank, die im Jahr 2009 fast kollabierte. Damit nicht genug: Gegen die vier einstigen Lenker der Bank und einen ehemaligen Geschäftsfreund ist heute eine weitere Anklage erhoben worden.

Gesellschafter unter Anklage

Auf der Anklagebank sitzen dann die vier ehemals persönlich haftenden Gesellschafter des Geldhauses: Christopher Freiherr von Oppenheim (47), Sohn des vor acht Jahren gestorbenen Firmenpatriarchen Alfred von Oppenheim und früher zuständig für das Privatkundengeschäft. und Matthias Graf von Krockow (63), verschwägert mit den Oppenheims und über zehn Jahre lang Bankenchef.

Unter Anklage stehen zudem Friedrich Carl Janssen (68), ehemals Risiko-Manager und vorübergehend Aufsichtsratschef beim Handelskonzern Arcandor, und Dieter Pfundt (60), Ex-Chef des Investmentbankings sowie der Immobilienunternehmer Josef Esch (56) als früherer Geschäftspartner.

Immobiliendeals unter der Lupe

Bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen den Angeklagten. Sie beteuern - soweit sie sich bisher geäußert haben - ihre Unschuld. In dem Prozess werden drei Immobiliengeschäfte juristisch aufgearbeitet, die die Staatsanwaltschaft in zwei Anklagen zusammengefasst hat.

Dabei geht es um kostspielige Investitionen in eine Kölner Villa sowie zwei Bürokomplexe in der Domstadt und in Frankfurt am Main. In die laut Anklage zu aufwendig renovierte und dann zu billig vermietete Kölner Villa war Christopher von Oppenheims Mutter Jeane Freifrau von Oppenheim eingezogen.

Chefetage soll sich bereichert haben

Durchgehende Themen des Prozesses werden der Luxus und die Selbstbedienungsmentalität der Beklagten bilden. Die Anklagen zielen darauf ab, dass sich die Führung der Bank auf Kosten der übrigen Gesellschafter bereichert haben soll. Dabei dürfte der Prozess - der sich bis ins nächste Jahr hinziehen wird - detaillierte Einblicke in die Welt der Superreichen gewähren, denn Sal. Oppenheim war spezialisiert auf den deutschen Geld- und Hochadel.

In der neuen Anklage wirft die Staatsanwaltschaft den fünf Angeklagten Untreue in besonders schweren Fällen, Verstoß gegen das Kreditwesengesetz und Beihilfe dazu vor. Zwar nannte die Behörde keine Namen, es handelt sich nach dpa-Informationen aber erneut um die vier früher persönlich haftenden Gesellschafter der einst größten europäischen Privatbank und den Immobilienunternehmer Josef Esch.

Weitere Anklage erhoben

Sie sollen die Bank mit zwei unzulässig riskanten und nicht ausreichend geprüften Krediten in den Jahren 2005 und 2008 um mehrere hundert Millionen Euro geschädigt haben. Die Anwälte von zwei der Angeklagten wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Ob die neue Anklage in das am Mittwoch startende Verfahren mit einfließen wird, muss das Landgericht Köln entscheiden.

Über Jahrhunderte hatte die noble Privatbank das Wirtschaftsleben mitbestimmt, bevor gigantische Fehlspekulationen den Absturz einleiteten. Der fatale Fehler bestand darin, im großen Stil bei Arcandor (KarstadtQuelle) einzusteigen. Als der Konzern pleite ging, waren auch die scheinbar unerschöpflichen Reserven des Geldinstituts aufgebraucht. Das Bankhaus selbst existiert zwar weiter, ist aber nur noch eine Unterabteilung seines neuen Besitzers Deutsche Bank.

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