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Shell kapituliert in der Arktis


Öl-Förderung: Shell kapituliert in der Arktis

01.03.2013, 11:44 Uhr | dapd

Shell kapituliert in der Arktis. Die Ölbohrungen in Alaska sind umstritten (Quelle: dapd)

Die Ölbohrungen in Alaska sind umstritten (Quelle: dapd)

Technische Pannen, die arktisch raue See, protestierende Anwohner und nicht zuletzt das stete Misstrauen von Politikern und Behörden, die mit Argusaugen den Gang der Dinge überwachen: Royal Dutch Shell, der Erdölgigant, wirft fürs erste entnervt das Handtuch. Für den Rest des Jahres stellt der Konzern die erst 2012 begonnenen Probebohrungen vor der Küste Alaskas ein.

Das Eingeständnis eines Scheiterns? Keineswegs, beteuert Firmenchef Marvin Odum: "Wir haben in Alaska Fortschritte gemacht. Aber das ist ein Langzeitprogramm, das wir auf sichere und maßvolle Weise verfolgen", sagt Odum. "Unsere Entscheidung, 2013 zu pausieren, gibt uns Zeit, nach der Bohrsaison 2012 unsere Ausrüstung zu überholen und die Menschen vorzubereiten."

Bisher 3,4 Milliarden investiert

Einen herben Rückschlag bedeutet die Entscheidung gleichwohl. Die Bohrungen in der Chukchi und Beaufort See sind die ersten dieser Art seit zehn Jahren. Seit 2004 hat Shell rund 3,4 Milliarden Euro in die Ölexploration in der Arktis und in die Bohrlizenzen investiert. Doch von Anfang an behinderten Sicherheitsprobleme und technisches Versagen den Fortgang der Arbeiten.

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So wirft der Rückzug von Shell aus der Region, wenn auch nur vorübergehend, die Frage auf, wieweit unter den widrigen Bedingungen der Arktis überhaupt Ölförderung möglich ist. Die behördliche Aufsicht über Tiefseebohrungen hat sich seit der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko wesentlich verschärft. Dort waren 780.000 Kubikmeter Öl ins Meer geflossen. Nach verschiedenen Vorfällen bei den Bohrungen vor Alaska haben jetzt auch das amerikanische Innenministerium, die US-Küstenwache und das Justizministerium unabhängig voneinander Ermittlungen wegen Unregelmäßigkeiten auf den Shell-Ölbohreinrichtungen aufgenommen.

Bundesbehörden ermitteln

So trieb im vorigen Jahr das Bohrschiff Noble Discoverer unkontrolliert vor Dutch Harbor in Alaska. Zwei Monate später versagte das Ölrückhaltesystem des Schiffes, und das bei gutem Wetter. Die Küstenwache fand bei Untersuchung der Zwischenfälle 16 Verstöße gegen geltende Auflagen und gab ihre Ergebnisse an die Justizbehörden weiter.

Der Abgeordnete Ed Markey aus Massachusetts schrieb in einem Brief an den Präsidenten von Shell: "Berichte, dass Shell in diesem Sommer beim Bohren ein Bohrschiff benutzt habe, das schwerwiegende Fehler in seinem Sicherheits- und Umweltkontrollsystem aufwies, bekräftigt die schon lange offene Frage, ob Shell in der Lage ist, auf sichere Weise Offshore-Bohrungen in der Arktis durchzuführen."

Reparatur in Japan

Der jüngste Zwischenfall ereignete sich am letzten Tag des Jahres 2012. Die Ölbohrinsel Kulluk riss sich bei schwerer See aus ihrer Verankerung und lief auf Grund. Das US-Innenministerium ordnete eine 60-tägige Zwangspause für Shell an, um den Vorfall in Ruhe untersuchen zu können.

Shell hatte 2012 insgesamt zwölf potenzielle Ölquellen auf dem Meeresgrund anbohren wollen. Aber wegen der Zwischenfälle konnten die Bohrschiffe nur zwei Quellen erreichen. Die beschädigte Insel und das Bohrschiff werden derzeit nach Japan geschleppt, wo sie repariert werden sollen. Ob sie überhaupt nach Alaska zurückkehren werden, hänge vom Ausmaß der Schäden ab, hieß es aus Unternehmenskreisen.

Auslaufendes Öl im Eis nicht zu säubern

Shell-Chef Odum hält dennoch am Arktis-Programm fest. Dieses solle sich an den hohen Standards orientieren, die das Unternehmen nach seinen Worten überall in der Welt handhabt, und so das Vertrauen der Aktionäre gewinnen. Vor allem in der Explorationsphase seien "in dieser fernen Region Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein" notwendig.

Umweltschützer begrüßten Shells Rückzug. "Ohne jede Infrastruktur oder Möglichkeit, auslaufendes Öl im Eis zu säubern und angesichts der Liste von Unfällen und Versagen von Shell ist es eine Selbstverständlichkeit, dass das Bohren in der Arktis eingestellt wird", sagte Cindy Shogan, Direktorin der Alaska Wilderness League.

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