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Lebensmittelbranche in der Kritik: Wie schlimm ist es wirklich?


Wie schlimm steht es um die Lebensmittelbranche?

05.03.2013, 07:45 Uhr | dpa-AFX, t-online.de

Lebensmittelbranche in der Kritik: Wie schlimm ist es wirklich?. Skandale ohne Ende: Ist die Nahrungsmittelbranche nur auf Profitjagd? (Quelle: dpa)

Skandale ohne Ende: Ist die Nahrungsmittelbranche nur auf Profitjagd? (Quelle: dpa)

Pferde- statt Rindfleisch in Fertiggerichten, falsche Bio-Eier, Schimmelpilze im Futtermittel - die negativen Schlagzeilen aus der Lebensmittelbranche scheinen nicht abzureißen - und verunsichern die Verbraucher. Politiker fordern strengere Kontrollen und eine stärkere Regulierung der Agroindustrie. Wir erläutern, warum sich die Lebensmittelskandale in letzter Zeit häufen und welche Alternativen Verbraucher haben.

Wieder Pferdefleisch im Döner

Der Skandal des Tages: Erneut haben Kontrolleure Pferdefleisch in Berliner Lebensmitteln gefunden. Es sei in fünf Proben entdeckt worden, teilte die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz mit. Zweimal war es nach der Analyse des Landeslabors in Dönerspießen, einmal in einer Dose Corned Beef und einmal im Hackfleisch eines Fertiggerichtes. Ein weiteres Fertigessen mit Anteilen von Pferdefleisch habe der Händler bereits vom Markt genommen.

Fast täglich hören deutsche Verbraucher derzeit von einem neuen Skandal. Das liegt daran, dass es in einer globalisierten Wirtschaft mit vielen Zulieferern aus dem In- und Ausland eine Vielzahl von Kontrollen, Grenzwerten und Warnschwellen gibt. Sie sollen eine Gefährdung des Verbrauchers vermeiden helfen, führen aber zugleich auch zu dessen erhöhter Aufmerksamkeit, glauben Branchenbeobachter.

Behörden schlagen schnell Alarm

Das Überschreiten von Warnschwellen lässt aufhorchen - gerade, wenn Behörden vorsorglich Sperren verhängen. Sie wollen sich nicht dem Vorwurf aussetzen, zu spät reagiert zu haben und dadurch die Gesundheit der Verbraucher zu riskieren.

Bei den betrügerischen Mauscheleien der Branche spielen auch Gewinninteressen eine Rolle. Weltweit knappe Erntemengen und spekulationsanfällige Märkte lassen Lebensmittelpreise steigen. Auch der Konflikt zwischen Ernährungs- und Energieproduktion gehört in diese Gemengelage.

Branche gibt Kostendruck weiter

Wenn Bauern Raps oder Mais zur Herstellung von Biosprit anbauen, verknappt das die verfügbare Nahrungsmittel-Menge weiter. Konsumenten entscheiden zudem gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten oft mit dem Portemonnaie, klagt die Branche. Um Nahrungsmittel bezahlbar zu halten gibt sie den Kostendruck daher oft weiter an die Lieferanten - und kauft da, wo es am günstigsten ist.

Wer sich als Verbraucher schützen will, kann zum Beispiel Lebensmittel direkt beim Bauern seines Vertrauens beziehen. In der Qualitätsdebatte ragen die Demeter-Höfe heraus. Die Landwirte des ältesten Bio-Verbands mit den strengsten Richtlinien sehen ihre Höfe als Organismus und kontrollieren den kompletten Produktionskreislauf. Ihre Tiere erhalten nur Futter, das Demeter-Bauern selbst angebaut haben oder von Bio-Kollegen mit gleicher Einstellung zukaufen.

Keine Massenproduktion auf Demeter-Höfen

Sie unterwerfen sich zudem strikten, nicht angemeldeten Kontrollen. Das Problem: Für eine Massenproduktion sind derartige Höfe eher ungeeignet. Bundesweit sind gerade mal 1400 Demeter-Bauern auf Höfen mit insgesamt 60.000 Hektar Fläche tätig. Hohe Preise machen sie in Supermarktketten zudem zur Mangelware.

Die Politik ruft indes nach Konsequenzen. Verstärkte Kontrollen aber kosten Geld, das in den Staats- und Länderkassen knapp ist. Mit Forderungen nach einer festeren Einbindung der Branche probt Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) daher mit Niedersachsens grünem Agrarminister Christian Meyer den Schulterschluss.

Politik: Unternehmen sollen Kontrollen selbst zahlen

Ähnlich wie Autofahrer beim TÜV sollen die Unternehmen selbst für ihre Kontrollen zahlen. Die Industrie ist nicht begeistert und weist - wie etwa Europas zweitgrößter Futtermittelkonzern Agravis - auf ein freiwilliges "funktionierendes und frühzeitig greifendes Risikomanagement" hin.

Unternehmen, die betrügen, müssen derweil strafrechtliche Folgen fürchten. Die Staatsanwaltschaft Hamburg etwa hat im Futtermittel-Skandal Ermittlungen bei dem Importeur aus Hamburg angekündigt, nachdem die Verbraucherbehörde Anzeige gestellt hat.

Milchbauern bleiben auf Milch sitzen

Dabei geht es jedoch nur um den möglichen strafrechtlichen Aspekt. Noch ist unklar, wer für den möglichen Schaden der Milchbauern aufkommt, die zunächst auf ihrer Milch sitzen blieben, bis ihr Untersuchungen die Unbedenklichkeit bescheinigten.

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