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Deutsche Bahn will mit Daten von Reisenden handeln


Bahn will Reisedaten ihrer Kunden verkaufen

17.03.2013, 10:06 Uhr | Spiegel Online

Deutsche Bahn will mit Daten von Reisenden handeln. Vor allem die Reisedaten von Vielfahrern könnten für Werbepartner interessant sein, glaubt die Bahn (Quelle: imago/Rust)

Vor allem die Reisedaten von Vielfahrern könnten für Werbepartner interessant sein, glaubt die Bahn (Quelle: imago/Rust)

Kunden der Deutschen Bahn müssen möglicherweise schon bald mit der Weitergabe ihrer Reisedaten rechnen. Der Grund: Die Bahn möchte nach "Spiegel"-Informationen zukünftig die Fahrtinformationen ihrer Vielfahrer vermarkten und damit Geld verdienen. Zu diesem Zweck lässt sie sich seit einigen Wochen neue Vertragsbedingungen von solchen BahnCard-Inhabern bestätigen, die auch Bahn-Bonus-Kunden sind.

Künftig sollen diese auf ihre "individuellen Bedürfnisse" zugeschnittene Werbeangebote erhalten - von Kooperationspartnern wie Banken, Versicherungen oder Fast-Food-Ketten.

Angeblich kein "Datenhandel"

Die Daten, die die Bahn für ihre passgenaue Werbung erhebt, sind detailliert: Der Preis der Fahrkarte wird ebenso gespeichert wie der Abgangs- und Zielbahnhof, die Wagenklasse und die Verkaufsstelle. Die Bahn betreibe "keinen Datenhandel", sagt zwar die Bahn-Datenschutzchefin Chris Newiger. Doch für ihre Kooperationspartner will der Staatskonzern seinen Kundenpool immerhin so gezielt abfischen, dass die Partnerfirmen dann über die Bahn ihre Angebote platzieren könnten.

Datenschützer stehen der neuen Schnüffelei skeptisch gegenüber: "Hier scheint die Bahn ihre Interessen über die schutzwürdigen Interessen ihrer Kunden zu stellen", sagt der auch für die Bahn zuständige Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix, der den Vorgang derzeit prüft. Noch kritischer sieht es Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter in Schleswig-Holstein: "Die Bahn wird sich damit eine blutige Nase holen."

Bahn 2012 mit Rekordzahlen

Wirklich nötig hat die Bahn die zusätzlichen Einnahmen eigentlich nicht. Am vergangenen Mittwoch meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass der Konzern den höchsten Gewinn seiner Geschichte eingefahren hat. Die Bahn verbuchte demnach 2012 ein Betriebsergebnis von 2,7 Milliarden Euro und damit rund 400 Millionen mehr als 2011. Offiziell werden die Zahlen erst in der kommenden Woche vorgestellt, ein Bahn-Sprecher wollte sie weder bestätigen noch dementieren.

Mehr Passagiere zu fast gleichen Kosten

Da den besser ausgelasteten Zügen kaum zusätzliche Kosten gegenüberstanden, schlug sich das Passagierwachstum voll im Gewinn nieder. Seit Jahren hat die Bahn fast keine neuen Fernzüge gekauft, zum Teil wegen Lieferschwierigkeiten der Industrie.

Die Zahl der Passagiere im Fernverkehr stieg um fünf Prozent, der Gewinn in dieser Sparte sogar um mehr als das Doppelte auf 364 Millionen Euro. Die Bahnreisenden wurden offenbar auch nicht von den Ticketpreisen abgeschreckt, die 2011 um knapp vier Prozent erhöht wurden.

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