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Verband klagt über hohe Hürden für Pflegekräfte aus dem Ausland


Verband klagt über hohe Hürden für Pflegekräfte aus dem Ausland

25.03.2013, 17:03 Uhr | dapd, dpa, t-online.de

Verband klagt über hohe Hürden für Pflegekräfte aus dem Ausland. Grenzenlose Pflege: Die ungarische Krankenpflegeschülerin Dora Fekete misst der 92-jährigen Kleopatra Albrecht den Blutdruck (Quelle: dpa)

Grenzenlose Pflege: Die ungarische Krankenpflegeschülerin Dora Fekete misst der 92-jährigen Kleopatra Albrecht den Blutdruck (Quelle: dpa)

Alles andere als rosig ist nach Ansicht von Pflegeverbänden die Zukunft der Branche - weder für die Senioren noch die Arbeitnehmer selbst. Die Verantwortlichen sprechen mittlerweile nur noch vom "Pflegenotstand". Den sehen sie heraufziehen angesichts von Schätzungen, die für 2030 ein Defizit von einer halben Million Arbeitskräfte ermitteln. Vehement fordern sie daher geringere Hürden für ausländische Facharbeiter. Ein deutsch-ungarisches Projekt zeigt, dass Pflege international funktionieren kann.

"Ein bisschen schüchtern ist sie schon", findet Kleopatra Albrecht. "Aber ich habe den allerbesten Eindruck." Pflege-Praktikantin Dora Fekete hat der 92-Jährigen gerade den Blutdruck gemessen. Alle Werte sind in Ordnung. Jetzt ist noch ein gemeinsamer Gang angesagt. Dora Fekete ist eine von zwölf ungarischen Pflegekräften, die derzeit im Rahmen eines EU-Projektes die Arbeit in verschiedenen Karlsruher Heimen, einer Klinik und im ambulanten Pflegedienst kennenlernen.

Testprojekt für Ungarn

Das sechswöchige Projekt soll jungen Pflegeschülern aus Ungarn kurz vor Ende ihrer Ausbildung einen Blick über den Tellerrand gewähren und sie mit dem deutschen Pflegesystem vertraut machen. "Auch die Möglichkeit zur Festanstellung ist definitiv angestrebt", sagt Susanne Pletowski, Initiatorin und Vizechefin des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Eine Win-win-Situation für alle, wie es scheint.

Schon jetzt fehlen in Deutschland rund 30.000 Pflegekräfte, schätzt der bpa mit Blick auf offene Stellen in den Einrichtungen. Bis 2030 dürfte es nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bundesweit sogar eine halbe Million sein, eine vorsichtigere Schätzung spricht von 200.000 fehlenden Spezialisten. "Uns droht ein massiver Pflegenotstand", warnt Pletowski. Umstände, die nach Einschätzung der Branche durch Bürokratie und unnötige Hürden noch verschärft werden. Davor warnte aktuell auch der bpa-Präsident Bernd Meurer. Jede achte Arbeitsstunde sei alleine für die Dokumentation notwendig. "Die Bürokratiekosten sind völlig aus dem Ruder gelaufen."

Sprachtests auf dem Niveau "eines Germanistikstudiums"

Kritisch sieht der bpa-Chef auch die Vereinbarungen zur Anwerbung von Pflegefachkräften von außerhalb der EU - wie jene aus der vergangenen Woche mit den Philippinen: Die Hürden für Interessenten aus Südostasien seien "klar zu hoch". Meurer nannte als Beispiel die Sprachtests, die nach seiner Darstellung auf "das Eingangsniveau eines Germanistikstudiums" zugeschnitten sind.

Vor einem Einsatz müssten Interessenten - ungeachtet ihrer fachlichen Ausbildung im Heimatland - zudem noch ein halbjähriges Pflege-Praktikum in Deutschland absolvieren. Es sei zu bezweifeln, ob damit Anwerbung überhaupt erfolgreich sein könne. Oder soll sich gar nichts ändern? Meurer spricht von einer "Verhinderungsstrategie", für die er vor allem die Bundesländer verantwortlich macht.

Ungarn hoffen auf fünfmal höheren Verdienst

Projekte wie das Pflegepraktikum sehen die jungen Ungarn dagegen als große Chance: "Bei uns herrscht hohe Arbeitslosigkeit", sagt Mariann Gerhat, Vize-Direktorin der Fachmittelschule für Gesundheitswesen im südungarischen Szekszard. Zudem können ihre Schüler in Deutschland mehr als fünfmal so viel verdienen wie in der Heimat. Lange hatte die fließend Deutsch sprechende Ungarin nach einer solchen Partnerschaft in Deutschland gesucht.

Per Zufall kam die Schule über private Kontakte mit dem Ehepaar Pletowski zusammen, das in Karlsruhe den Pflegedienst SPPS betreibt. Die Ungarn-Fans fädelten schließlich den Austausch ein, der über das EU-Projekt "Leonardo da Vinci" mit 25.000 Euro gefördert wird.

Nach sieben Monaten Deutschkurs: Verstehen statt sprechen

Mehr als sieben Monate haben die jungen Ungarn Deutsch gebüffelt. Für den Alltag im Heim reicht es nicht immer. "Sie verstehen viel, aber reden nicht gut. Das ist das größte Problem", meint Gerhat.

Kleopatra Albrecht stört das nicht. "Man verständigt sich doch irgendwie", weiß die 92-jährige ehemalige Dolmetscherin. Sie mag die freundliche Art von Dora Fekete und den frischen Wind, den so ein Austausch bringt: "Bei uns damals gab's sowas ja nicht."

Die kleinste Hürde: "Mensch-ärgere-Dich-nicht"

Fachlich hat die stellvertretende Pflegedienstleiterin des Heims, Daniela Mahler, ohnehin nichts auszusetzen. Die 20-jährige habe sich sehr schnell integriert. Das einzige, was sie ihr beibringen mussten, war das "Mensch-ärgere-Dich-nicht"-Spiel, erzählt Schwester Daniela lachend. Die Unterhaltung der Senioren gehört eben auch zum Job - neben Blutdruckmessen, Toilettengängen und Gehübungen.

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