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China verschuldet: Ratinagentur Fitch senkt den Daumen


Fitch warnt vor Chinas Schuldenberg

11.04.2013, 08:52 Uhr | dpa

China verschuldet: Ratinagentur Fitch senkt den Daumen. Die Ratingagentur Fitch sorgt sich um die Lage in Fernost (Quelle: imago images)

Die Ratingagentur Fitch sorgt sich um die Lage in Fernost (Quelle: imago images)

Es bläht sich etwas auf in China: Die Verschuldung wächst, außerdem ein Netzwerk von Krediten und Bürgschaften, das kaum zu durchschauen ist. Chinesische Experten geben sich gelassen. Die Ratingagentur Fitch hat allerdings am Dienstag den Daumen gesenkt.

Hohe Schulden? Einfach sterben

Die hohe Verschuldung macht Chinesen erfinderisch. Warum nicht einfach sterben oder verschwinden, um Kredite nicht zurückzahlen zu müssen? Zumindest auf dem Papier.

Mit Hilfe korrupter Polizisten, Funktionäre und Bankdirektoren haben dutzende Schuldner in der Stadt Shenzhou (Provinz Hebei) gefälschte Sterbeurkunden produziert oder wurden als "vermisst" gemeldet, um Schulden in Höhe 2,5 Millionen Yuan, umgerechnet 300.000 Euro, abzuschreiben. Zwei Polizeichefs und Verantwortliche einer ländlichen Kreditkooperative seien entlassen worden, meldet diese Woche die Stadtregierung.

Es ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie Funktionäre, Bankangestellte und Betrüger in China in einem undurchsichtigen Geflecht von Beziehungen gemeinsam Kasse machen wollen. In anderen Fällen geht es um deutlich mehr, wie die US-Ratingagentur Fitch warnt.

Geschäftsleute sprechen von "Zeitbombe"

Die hohe Verschuldung sowie der Mangel an Transparenz und Aufsicht auf dem wachsenden grauen Finanzmarkt in China lassen Fitch nun Alarm schlagen. Auch ausländische Geschäftsleute sprechen schon länger von einer "Zeitbombe", die in Chinas Finanzsystem ticke.

Nicht mehr nur die Volkswirtschaften der Eurozone und der USA hätten ein Schuldenproblem, sondern jetzt auch China, attestiert Fitch der zweitgrößten Wirtschaftsmacht. "Die Risiken für Chinas finanzielle Stabilität sind gewachsen", warnt die Ratingagentur und senkt die Bewertung der Bonität in Landeswährung um eine Stufe von "AA-" auf "A+". Das langfristige Rating für chinesische Staatspapiere in Fremdwährungen wurde wegen der hohen Devisen-Reserven zwar unverändert bei "A+" gelassen, doch die Botschaft war unmissverständlich: China muss etwas tun.

Schräge Finanzierungen und Bilanztricks

Wenn das Schattenbankenwesen mitgerechnet werde, erreicht die gesamte Verschuldung nach Fitch-Berechnungen schon 198 Prozent der Wirtschaftsleistung. Besonders örtliche Behörden lassen sich auf schräge Finanzierungen für Immobilien- und Infrastrukturprojekte ein. Banken wiederum versuchen Kredite aus der Bilanz herauszuhalten, um den Vorgaben der Zentralbank zu genügen. Treuhandfonds und Vermögensverwaltungen sprießen aus dem Boden.

Wie vor der Finanzkrise 2008 in den USA verwischen die Grenzen zwischen Krediten und Anlagen. Vielfach werde einfach gegenseitig verbürgt, schildern Finanzexperten. Wer was garantiere, sei unklar. Örtliche Behörden hoffen darauf, dass die Zentralregierung oder die Staatsbanken schon einspringen werden, wenn es brenzlig wird.

Wirtschaftsprofessor: "Es ist keine große Sache"

Die Herabstufung der Bonität durch Fitch könnte die Kosten für Yuan-Anleihen auf ausländischen Märkten erhöhen oder auch die Stimmung unter Investoren eintrüben. Doch geben sich chinesische Experten ansonsten eher gelassen. "Es ist keine große Sache", sagt Wirtschaftsprofessor Liu Yuanchun von der Volksuniversität. "Es wird den chinesischen Markt wenig beeinflussen. Chinas Wirtschaft ist sicher."

Die bekannte Kommentatorin in Finanzfragen, Ye Tan, räumt zwar ein, dass das Schuldenproblem "ziemlich ernst" sei, sieht aber "große Unterschiede" zwischen dem wenig entwickelten Finanzmarkt in China und fortschrittlichen Marktwirtschaften. Die Maßstäbe, die Fitch für Bonität anlege, passten nicht zu China. Das chinesische Kreditmodell sei noch anders: "Zinsen und Währungsmechanismen stehen erst ganz am Anfang, nach Marktgesetzen zu funktionieren."

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