Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Rohstoffe >

Goldpreis stürzt ab - Auch Silber nach Crash im freien Fall


Gold und Silber  

Crash bei Gold und Silber - Edelmetall-Preise stürzen ab

16.04.2013, 13:12 Uhr | t-online.de, mmr, dpa-AFX

Goldpreis stürzt ab - Auch Silber nach Crash im freien Fall. Gold- und Silber-Barren - Anleger kaufen bei sinkenden Preisen nach (Quelle: dpa)

Gold- und Silber-Barren (Quelle: dpa)

Ausverkauf, Panik, Massaker - die Superlative für den Crash am Markt für Edelmetalle übertrumpfen sich derzeit gegenseitig. Nach dem Kurssturz am Freitag setzte sich die Talfahrt am Montag beschleunigt fort. Die Preise für Gold und Silber erreichten neue mehrjährige Tiefststände. Am Nachmittag verstärkte sich der Crash: Eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) stand zeitweise gut acht Prozent unter Freitagsschluss bei 1357 Dollar. In der Nacht zum Dienstag sackte der Goldpreis bis auf 1322 Dollar weiter ab - der stärkste Tagesverlust seit 1983. Mittlerweise erholte sich die Notierung wieder leicht. Silber stürzte vorübergehend sogar um mehr als 15 Prozent bis auf 22,00 Dollar ab - der niedrigste Stand seit Oktober 2010. Auch Platin verbilligte sich deutlich. Immer mehr Analysten gehen mittlerweile davon aus, dass der langjährige Anstieg der Edelmetallpreise beendet sein könnte. Ein großer Edelmetall-Händler vermutet indes Manipulation.

In Euro gerechnet sahen die Kursverluste der vergangenen Tage nicht viel besser aus. Eine Feinunze Gold kostete am Abend nur noch 1050 Euro - nach 1250 Euro am Donnerstag. Eine Feinunze Silber kostete etwa 18 Euro. Am vergangenen Donnerstag musste man noch gut drei Euro mehr bezahlen.

Mixtur aus verschiedenen Gründen

Händlerin Sarah Brylewski von Gekko Markets begründete die massive Schwäche an den Rohstoffmärkten vor allem mit nachlassenden Inflationssorgen. Gold und Silber gelten gerade auch bei Inflationsängsten als vermeintlich "sichere Häfen". Zudem nehmen die Wachstumssorgen um die USA bei gleichzeitiger Befürchtung einer restriktiveren Geldpolitik zu. Die Wahrscheinlichkeit einer anziehenden Inflationsrate sinkt, wenn die US-Notenbank Fed ihr Anleihen-Kaufprogramm zurückfahren sollte. Und am Morgen lieferte zudem China recht magere Wachstumsdaten.

Die Rohstoffexperten der Commerzbank sprechen von einem "panikhaften Ausverkauf bei Gold und Silber". Bei außerordentlich hohen Handelsvolumen an den Futures-Märkten werden die Metalle derzeit zu fast jedem Preis abgestoßen. Profi-Anleger hatten allein am vergangenen Freitag aus dem weltgrößten Goldfonds SPDR Gold Trust gut 23 Tonnen Gold abgezogen. Das Fondsvolumen erreichte den niedrigsten Wert seit fast drei Jahren.

Sicherheits-Nimbus von Gold geht verloren

Auch Analyst Ekkehard Link von der National-Bank sagte, aktuell kämen bei den Edelmetallen mehrere Belastungsfaktoren zusammen. Die Luft werde aus den Preisen rausgelassen, ein Trend der grundsätzlich schon seit Anfang 2011 laufe und sich nun kräftig beschleunige. Dabei gehe der Sicherheits-Nimbus von Gold mehr und mehr verloren.

Schon im Februar riefen die Analysten von Goldman Sachs das Ende der Gold-Hausse aus. Zuletzt folgte vom gleichen Geldhaus eine Anpassung der Goldpreis-Ziele nach unten. Die Experten verkündeten in der vergangenen Woche, dass der Goldpreis in den nächsten zwölf Monaten auf 1390 Dollar sinken werde. Diese Prognose wurde nun bereits sehr frühzeitig erfüllt. Und Großinvestor George Soros sieht Gold nicht mehr als sicheren Hafen.

Gold-Händler vermutet Manipulation

Robert Hartmann, Geschäftsführer des Edelmetall-Händlers Pro Aurum, vermutet ganz andere Kräfte hinter dem Preisabsturz. Die westlichen Notenbanken - und allen voran die Fed - hätten den Goldpreis in einer konzertierten Aktion erfolgreich unter wichtige charttechnische Unterstützungslinien gedrückt und wollen so Kleinanleger aus dieser Anlageklasse herausdrängen bzw. verhindern, dass sich neue private Investoren in Zeiten der Banken- und Staatsverschuldungskrisen überhaupt an Gold und Silber wagen. Gold als Gradmesser von Vertrauen in politische Führung darf in Zeiten rotierender Notenpressen und globaler Rettungsaktionen nicht steigen. Das wäre eine Kapitulationserklärung an das derzeitige Finanzsystem und die Papierwährungen, vor allem an den US-Dollar als Weltreservewährung.

Verwunderliche Futures-Orders

Man könne diese Aussagen zwar weder bestätigen noch entkräften. Dass Gold und Silber in Zeiten von milliardenschweren Rettungsschirmen für Banken und/oder Staaten einen so heftigen Einbruch erleben, just nachdem die Investmentbank Goldman Sachs die Kursziele für Gold reduziert hatte, hinterlasse aber sicherlich "ein besonderes G'schmäckle", schrieb Hartmann in einer Analyse. Und die Art und Weise, wie am Freitag von einem Marktteilnehmer (Merrill Lynch) Papiergold im Volumen von mehr als 100 Tonnen zur Eröffnung des New Yorker Futures-Markt in den Markt gedrückt wurde, sei sehr verwunderlich. Am Ende wurden allein an diesem Tag rund 1150 Tonnen des gelben Metalls gehandelt, knapp die Hälfte einer gesamten Jahresproduktion. Das kann kein Markt ohne deutliche Kursverluste absorbieren.

Zehn-Jahres-Chart Gold - Feinunze in USD: mehrere Unterstützungen gebrochen  (Quelle: gold.de)Zehn-Jahres-Chart Gold - Feinunze in USD (Quelle: gold.de) Wichtige Chartmarke gebrochen

Auch die Charttechniker meldeten sich zu Wort, nachdem zahlreiche Unterstützungen durchbrochen wurden. Da viele Anleger bei Unterschreiten bestimmter Kursmarken automatisch verkaufen, um sich vor heftigeren Verlusten zu schützen, kann der Goldpreis bei einer Abwärtsdynamik leicht abstürzen. Vor allem das Unterschreiten der wichtigen Chartmarke bei 1525 Dollar hat offenbar eine Stop-Loss-Welle losgetreten. Ein längerfristiger Aufwärtstrend beim Gold wurde bereits vor einigen Wochen verlassen (siehe Chart - zum Vergrößern klicken).

Doch erst wenn der Goldpreis per Wochenschluss unter 1315 Dollar fällt, wäre der langfristige, seit 1999 gültige Aufwärtstrend kaputt. Dann wäre der Goldmarkt fortan langfristig nur noch neutral zu bewerten.

Zeit für Schnäppchenjäger naht

Auch wenn das Ende des Gold-Booms tatsächlich eintreten sollte, halten viele Beobachter den derzeitigen Preisverfall für übertrieben. "Mittel- bis langfristig sehen wir weiterhin höhere Goldpreise", sagte Commerzbank-Stratege Eugen Weinberg. Allerdings könnte der Verkaufsdruck vorerst hoch bleiben. "Für Schnäppchenjäger ist es noch zu früh", warnte auch Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Investor Marc Faber freut sich sogar über die gefallenen Preise. "Das wird hervorragende Kaufgelegenheiten geben“, sagte er kürzlich in einem Interview. Und Rohstoff-Legende Jim Rogers "kauft auf diesem Niveau noch kein Gold, erst wenn der Preis weiter fällt", erzählte er Journalisten in Singapur. Leider hat er auf Nachfrage nicht verraten, wo denn sein bevorzugtes Einstiegsniveau liegt.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenhappy-size.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal