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Aldi-Jubiläum: Unternehmen macht sich älter


Jubiläum: Aldi rechnet sich älter

16.04.2013, 07:58 Uhr | Spiegel Online

Aldi-Jubiläum: Unternehmen macht sich älter. 1961 hatten die Aldi-Brüder die Welt unter sich aufgeteilt. Karl bekam den Süden Deutschlands, Theo den Norden. (Quelle: dapd)

1961 hatten die Aldi-Brüder die Welt unter sich aufgeteilt. Karl bekam den Süden Deutschlands, Theo den Norden. (Quelle: dapd)

Aldi behauptet 100 Jahre alt geworden zu sein - und macht mit dem etwas gewollt errechneten Jubiläum auf einmal Werbung in eigener Sache. Möglicherweise zwingt die Konkurrenz das eigentlich so verschwiegene Unternehmen zu dem Schritt.

So viel Öffentlichkeit in eigener Sache gab es bei Aldi bisher eigentlich nur zum Tod des Gründers Theo Albrecht vor drei Jahren: Damals schaltete der Konzern ganzseitige Traueranzeigen in großen deutschen Zeitungen. Jetzt begeht der Discounter seinen 100. Geburtstag und verschickte dafür am Wochenende eine Broschüre in eigener Sache. Der Titel: "Aldi: 100 Jahre Kaufmannstradition". Die achtseitige Festschrift ist in Form und Aufmachung an die wöchentliche Werbebeilage von Aldi-Nord angelehnt und wurde in diese eingehüllt in die Briefkästen geworfen.

Broschüre zum Jubiläum

Was da neben der Werbung für Ortho-Relax-Matratze, Hantel-Set und Feinstrick-Pullover in den norddeutschen Briefkästen steckte, ist eine kleine Sensation: Bisweilen unfreiwillig komische Fotos aus 100 Jahren Aldi, eine kleine Geschichte des Aufstiegs, Meilensteine der Entwicklung von den Siebzigern bis in die Nullerjahre. Die Hauptrolle in der fotografischen Firmenchronik spielen Eigenmarken wie der Kaffee Albrecht Gold ("Pause mit Genuß") oder das Waschmittel Tandil ("zuverlässig gut") und immer wieder dankt Aldi: seinen Kunden und seinen Mitarbeitern.

Erstaunlich an diesem Heftchen ist natürlich nicht sein Inhalt, sondern die Tatsache, dass der Konzern überhaupt etwas anderes veröffentlicht als die Angebote der Woche. Aldi gilt als eines der öffentlichkeitsscheusten Unternehmen überhaupt: Es gibt so gut wie keine Interviews, die Pressestelle verheimlicht die eigene Telefonnummer, von den legendären Gründern, den Brüdern Karl und Theo Albrecht, existiert nur eine Handvoll Fotos.

Ex-Manager veröffentlicht Aldi-Buch

"Möglicherweise öffnet sich das Unternehmen ein wenig", sagt Andreas Straub. Der einstige Aldi-Manager hatte im vergangenen Jahr ein Buch über das System Aldi veröffentlicht, das ihm zu Beginn seiner Zeit bei dem Discounter so vermittelt wurde: "Ware hinten reinstellen, vorne rauskassieren." In seinem neuen E-Book "Die Billig-Macher" schreibt Straub darüber, wie sich das Aldi-Prinzip auf andere Unternehmen und Branchen ausgeweitet hat. Das könnte den Konzern zum Handeln zwingen, sagt Straub. Er habe aus dem Aldi-Umfeld gehört, dass sich dort "derzeit einiges bewegt". Dafür hat er auch eine Erklärung: "Das Unternehmen muss sich modernisieren, weil es mittlerweile von den Konkurrenten getrieben wird."

"Verjüngungskur" für Läden

So recht scheint also das Konzept "Konzentration auf das Wesentliche" nicht mehr zu ziehen, schon der Umbau der Filialen verwirrt viele: Der Discounter scheint seine Wurzeln, den "Verkauf von der Palette" zu vergessen. Im "Jubiläumsjahr 2013" soll die "Verjüngungskur" abgeschlossen werden - vielleicht ist das der Grund, warum der Konzern in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert.

Denn eigentlich stand erst im vergangenen Jahr gerade der 50. Geburtstag an: 1961 hatten sich die Brüder Karl und Theo die Welt aufgeteilt. Karl bekam den Süden Deutschlands, Theo den Norden. Später bekam Karl noch Österreich, die Schweiz und das südliche Osteuropa dazu, Theo dehnte sein Verkaufsgebiet im Westen aus und beliefert mit der Kette Trader Joe's auch die USA. Erst im Jahr 1962 aber wurden die gut 300 Läden in Aldi umbenannt, von Albrecht Discount.

Erstmals Erwähnung der Aldi-Mutter

Vermutlich weil das 50-jährige Jubiläum ungenutzt verstrich, greift der Konzern jetzt auf den Vater Albrecht zurück: Der eröffnete nämlich am 10. April 1913 in Essen-Schonnebeck den "Handel mit Backwaren". Ein pikantes Detail der Firmengeschichte erwähnt die Jubiläumsbroschüre ebenfalls: Den ersten Lebensmittelladen, "die Keimzelle für ein erfolgreiches, kundenorientiertes Geschäftsprinzip, mit dem die Söhne später in Deutschland Handelsgeschichte schreiben", eröffnete nicht der geschäftstüchtige Vater, sondern Mutter Anna. Das war in der Vergangenheit meistens anders dargestellt worden.

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