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Finanzregulierung: Endspiel um die Bankenmacht


Finanzregulierung: Endspiel um die Bankenmacht

07.05.2013, 18:37 Uhr | Spiegel Online

Finanzregulierung: Endspiel um die Bankenmacht. Bankenskyline von Manhattan während eines Stromausfalls im Jahr 2012 (Quelle: Reuters)

Bankenskyline von Manhattan während eines Stromausfalls im Jahr 2012 (Quelle: Reuters)

Die Bankgiganten aus Amerika und Europa kämpfen um die globale Vormacht. Nach Kräften werden sie von ihren nationalen Regulierern unterstützt, die neue Hürden für ausländische Konkurrenten aufbauen. In den USA wird jetzt die Deutsche Bank zum Opfer.

Anshu Jain hat eine Vision: Wenn die Krise vorbei ist, werden weltweit fünf bis sechs Banken von globalem Format übrig bleiben. Höchstens eine davon wird aus Kontinentaleuropa kommen - und das wird die Deutsche Bank sein.

Kaum Gewinner aus Europa

So hat es der Chef des größten deutschen Geldhauses seinen Mitarbeitern zum Amtsantritt im vergangenen Jahr erzählt. Und so ähnlich lässt er es auch öffentlich immer wieder anklingen. Wer außerdem noch unter den Gewinnern sein wird, verrät Jain nicht - aber man kann es sich leicht zusammenreimen: Mit Barclays wird vielleicht noch ein britisches Institut dazugehören, der Rest dürfte aus dem Land kommen, das auch für die Deutsche Bank zu den Kernmärkten zählt: den USA.

"Wir haben auch eine starke Wettbewerbsposition in Nordamerika", rühmt sich die Deutsche Bank im jüngst veröffentlichten Geschäftsbericht. Ende 2012 lag rund ein Drittel des gesamten Kreditvolumens der Bank in Nordamerika, mehr als im Heimatmarkt Deutschland. Sogar die US-Regierung in Washington engagierte die Deutsche Bank, als sie ihre Anteile am einst weltgrößten Versicherer AIG verkaufte.

Bankenprimus könnte zurückfallen

Doch diese starke Position ist nun in Gefahr. Ausgerechnet die amerikanischen Regulierungsbehörden könnten dafür sorgen, dass die Deutsche Bank gegenüber ihren US-Konkurrenten wie Goldman Sachs, JP Morgan oder der Bank of America zurückfällt. Grund ist eine geplante Regel der US-Notenbank Fed: Sie will ausländischen Finanzinstituten vorschreiben, für ihre Töchter eine amerikanische Dachgesellschaft zu gründen, die dann behandelt werden soll wie eine einheimische Bank - eine umgekehrte Regelung für amerikanische Banken in Europa gibt es nicht.

Konkret heißt das: Ausländische Banken in den USA sollen abhängig von ihrer Bilanzsumme ein Mindestmaß an Eigenkapital vorhalten, das im Krisenfall zur Rettung oder Abwicklung der Tochtergesellschaft herangezogen werden kann. Bisher sind die ausländischen Konzernmütter für die Kapitalausstattung ihrer US-Töchter verantwortlich - ohne dabei Kapital in Amerika selbst bereithalten zu müssen.

Mehr Eigenkapital notwendig

Für sich genommen klingt die Regel sinnvoll: Wenn Banken pleitegehen, muss meist der Steuerzahler aushelfen - im Zweifel auch dann, wenn es sich um die Tochtergesellschaft eines ausländischen Geldhauses handelt. Da kann es nur helfen, wenn mehr Eigenkapital zur Verfügung steht.

Das Echo auf den Plan der USA ist trotzdem verheerend. Der Alleingang der Fed sei "hoch problematisch", ließ der Hauptgeschäftsführer des deutschen Bankenverbands, Michael Kemmer, vergangene Woche ausrichten. "Im globalen Wettbewerb mit US-Banken stellen diese neuen Anforderungen eine klare Benachteiligung dar."

Rückkehr zum Protektionismus

Das sehen auch unabhängige Experten so. "Das hat protektionistische Züge", sagt Dieter Hein, Bankenexperte beim Analysehaus Fairesearch. "Die Inlandsbanken werden gegenüber den ausländischen Instituten bevorzugt. Am Ende führt das zu einer Abschottung des heimischen Bankenmarkts."

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Entsprechend alarmiert sie die Regulierer und Bankaufseher in Europa. Sie stört vor allem das unabgestimmte Vorpreschen der USA, die es ihrerseits bisher noch nicht einmal geschafft haben, die global vereinbarten Bankenkapitalregeln Basel III auf den Weg zu bringen. Vor einem Rückschritt in den Protektionismus spricht die deutsche BaFin-Chefin Elke König. Und die Vizechefin der Bundesbank, Sabine Lautenschläger, sieht sogar eine "Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems".

Deutsche Bank wäre am stärksten betroffen

Die Deutschen haben besonderen Grund zur Kritik. Die geplanten Regeln sollen zwar für alle ausländischen Institute gelten. Weltweit am stärksten betroffen wäre aber die Deutsche Bank - wegen ihres riesigen US-Geschäfts. Seit Monaten rechnen die amerikanischen Wettbewerber dem größten deutschen Geldhaus genüsslich vor, wie viel Kapital es zusätzlich brauchen werde, um die Vorgaben zu erfüllen. Die Analysten von Goldman Sachs kamen auf satte 13 Milliarden Dollar, die Kollegen von Morgan Stanley sogar auf 20 Milliarden Dollar.

Selbst wenn die Konkurrenz dabei aus Schadenfreude ein wenig übertreiben sollte: Die Pläne sind ein harter Schlag für den Konzern. Das britische Magazin "Economist" spricht deshalb von einer "Anti-Deutsche-Bank-Regel".

Die Amerikaner fürchten Rache

In der Spitze der Bank hat man die Gefahr längst erkannt - auch wenn sich der Vorstand nach außen hin gelassen gibt. Selbst für das schlimmste Szenario habe man einen Plan in der Tasche, um die Anforderungen zu erfüllen, sagte Finanzchef Stefan Krause in der vergangenen Woche bei einer Analystenkonferenz.

Ihr Gesamtkapital hat die Bank bereits vor wenigen Tagen um knapp drei Milliarden Euro erhöht. Um das US-Problem in den Griff zu kriegen, könnte sie noch einmal mit speziellen Instrumenten nachlegen: Möglich ist etwa, einen Teil der milliardenschweren Verbindlichkeiten der US-Töchter gegenüber der Muttergesellschaft in Kapital umzuwandeln. Debt-to-Equity-Swap nennt sich das in der Fachsprache. Auch eine Reduzierung des US-Geschäfts steht zur Debatte.

Ob das alles reichen wird, ist unklar - und hängt auch von der genauen Ausgestaltung der US-Pläne ab.

Die amerikanischen Banken ahnen bereits, dass die Europäer den Affront nicht auf sich sitzen lassen werden. "Das Problem ist, dass wir Vergeltung befürchten", sagte jüngst der Cheflobbyist des US-Bankenverbands, Scott Talbott. "Andere Länder - etwa Deutschland - werden dies aufgreifen. Die werden sagen: Ihr macht das mit unseren Banken? Dann werden wir uns mal um eure Banken kümmern."

"Das hat eine Signalwirkung"

Dass speziell die deutschen Aufseher der Rache nicht abgeneigt sind, hat Bundesbankvize Lautenschläger bereits angedeutet. Man müsse "prüfen, was wir mit den US-Instituten in der Euro-Zone machen". Auch Bankenexperte Hein geht davon aus, dass die US-Pläne Folgen haben werden: "Das hat eine Signalwirkung", sagt er. "Andere Staaten könnten nachziehen."

Der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier schrieb bereits einen geharnischten Brief an Fed-Chef Ben Bernanke. Laut "Financial Times" drohte er darin mit einer "protektionistischen Reaktion" Europas.

Es ist also alles bereitet für die nächste Runde im Kampf um den globalen Bankenmarkt.

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