Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

Freier Handel mit China: Warum daraus so schnell nichts wird


Freier Handel mit China: Warum daraus so schnell nichts wird

22.05.2013, 17:38 Uhr | T-Online.de - jbü, rtr

Freier Handel mit China: Warum daraus so schnell nichts wird. China soll nach dem Willen mancher EU-Diplomaten ein stärkerer Partner der europäischen Wirtschaft werden (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Handelsstreit: China erwägt Strafzölle gegen EU-Importe (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In der Beziehung zwischen China und EU war zuletzt die Rede von Schutzzöllen auf Solarmodule und Porzellan, andere sprachen vom drohenden Handelskrieg. Aber nicht alle sehen die Lage so düster: EU-Diplomaten halten ein Freihandelsabkommen mit China für möglich. Für die deutsche Industrie wäre das ein Riesengewinn. Aber: Der mögliche Beginn von Verhandlungen wird sicherlich noch einige Zeit dauern, sagt ein Experte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) im Gespräch mit T-Online.de

Das Abkommen mit dem Ziel, die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen zu vertiefen, könne geprüft werden, wenn die Volksrepublik Marktzugang ermögliche und Wettbewerbsprobleme beseitige, heißt es in einem Dokument, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag.

Erstes Problem: China muss weiter öffnen

Genau dieses Problem spricht Benjamin Leipold vom DIHK auf Anfrage von T-Online.de als erstes an. Er leitet dort das Referat Asien-Pazifik. "China müsste als erstes das Abkommen der Welthandelsorganisation zu Ausschreibungen unterzeichnen." Es ermöglicht auch mittelständischen Unternehmen die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen im Reich der Mitte.

Zweites Problem: Verhandlungen brauchen Zeit

Seit Chinas WTO-Beitritt 2005 habe es zwar deutliche Fortschritte gegeben. Trotzdem: "Ich sehe den Abschluss eines solchen Abkommens nicht innerhalb der nächsten zehn Jahre", lautet Leipolds vorsichtige Prognose. Wie schnell es geht, hänge noch von einem anderen Punkt ab: "Es sind derzeit unheimlich viele Freihandelsabkommen in der Mache, das bindet alles Zeit und Personen." So werde ein Abkommen zwischen der EU und Indien seit Jahren verhandelt und sei trotzdem weiter nicht unterschriftsreif.

Und das ist nur eine Baustelle - auch mit Malaysia, Thailand oder den USA sind solche Abkommen in Planung. Vieles ist zu regeln: Neben dem schrittweisen Abbau von Zöllen müssen technische Standards harmonisiert werden. Das geht in Details wie etwa die zulässige Breite eines Autos. Auch vereinfachte Produktzulassungen auf dem Exportmarkt sind ein Thema - "das würde dem deutschen Unternehmer natürlich viel Zeit ersparen."

Chinesische Lebensmittelimporte könnten billiger werden

Dass ein Abkommen für Deutschland gar nicht schnell genug kommen kann, ist auch klar. "Wir rechnen nach Abschluss mit einer Steigerung des Exportvolumens in Milliardenhöhe", sagt Leipold. Er erwartet einen Korea-Effekt, hier wurde vor zwei Jahren das erste Freihandelsabkommen der EU abgeschlossen. Resultat: Die Exporte gingen rauf. Außerdem werde China Mitte 2020 für Deutschland ein größerer Exportmarkt als die USA oder Frankreich, schätzt Leipold - mit oder ohne Abkommen.

Profitieren vom befreiten Handel könne übrigens auch der deutsche Verbraucher, so Leipold. "China exportiert viele Lebensmittel" - seien es Teigrohlinge, Dosenmandarinen oder Knoblauchknollen. Die würden billiger, außerdem Hightech-Artikel, auf die Chinas Produktion immer stärker setze.

Neben dem Aufwand als Bremsklotz gibt es aber auch politische Widerstände. Nicht jeder befürwortet so sehr den freien Handel wie der DIHK oder Ex-Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), der sich schon 2010 für ein Abkommen starkgemacht hatte.

Drittes Problem: EU spricht nicht mit einer Stimme

Nicht alle wollen den uneingeschränkten Handel. In einigen Ländern, vor allem in Frankreich und Italien, stößt EU-Kreisen zufolge schon die Erwähnung des Abkommens auf Widerstand.

Viertes Problem: Aktuelle Probleme schaukeln sich hoch

Dazu kommt aktueller Ärger: Derzeit wirft Brüssel Peking vor, der europäischen Wirtschaft durch Dumping chinesischer Unternehmen oder großzügige Staatshilfen an die eigene Industrie zu schaden. Die EU und China streiten unter anderem über Billigimporte von Solarmodulen aus der Volksrepublik.

In der vergangenen Woche wurden zudem dauerhafte Schutzzölle von bis zu 36,1 Prozent auf Porzellan- und Keramikwaren für den Tisch- und Küchengebrauch verhängt. Die EU wirft China zudem vor, Telekomausrüster mit illegalen Beihilfen zu unterstützen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal