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Das Hochwasser und die Folgen: Die deutsche Wirtschaft geht baden


Das Hochwasser und die Folgen: Die deutsche Wirtschaft geht baden

03.06.2013, 15:38 Uhr | rtr, t-online.de

Das Hochwasser und die Folgen: Die deutsche Wirtschaft geht baden. Schadensbegrenzung heißt das Motto derzeit - nicht nur für Hausbesitzer, sondern auch viele Firmen und Branchen (Quelle: dpa)

Schadensbegrenzung heißt das Motto derzeit - nicht nur für Hausbesitzer, sondern auch viele Firmen und Branchen (Quelle: dpa)

Das aktuelle Hochwasser trifft auch die deutsche Wirtschaft. Werke schließen, weil die Angestellten nicht zum Arbeitsplatz kommen. Textil- und Baumärkte finden keine Käufer für die Saisonware. Die Rückversicherer dagegen merken, welcher Gesamtschaden durch den Regen der vergangenen Tage entstanden ist.

Etwa jedes neunte Unternehmen der Bauindustrie klagte im Mai über witterungsbedingte Behinderungen. "Das sind so viele wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr", sagte der Chefvolkswirt des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Heiko Stiepelmann. Im Mai 2012 hätten nur zwei Prozent über Beeinträchtigungen geklagt, 2011 überhaupt kein Unternehmen.

"Die Baugruben laufen voll"

"In den Überschwemmungsgebieten laufen die Baugruben voll", sagte Stiepelmann. Dort könne nicht gebaut werden. Für viele Unternehmen werde das zum Problem, weil schon der extrem lange Winter viele Bauarbeiten verzögert habe. "Die Unternehmen haben Rekordauftragsbestände, aber sie können wegen den außergewöhnlichen Witterungsbedingungen nicht abgearbeitet werden", klagte Stiepelmann.

Zu den Leidtragenden des nassen Frühlings gehört der Einzelhandel. "In den Baumärkten sind die Umsatzrückgänge spürbar", sagte der Sprecher des Branchenverbandes HDE, Kai Falk. "Sie hoffen, dass der Sommer nun endlich kommt und Rasenmäher sowie Stühle, Bänke und andere Gartenmöbel dann gekauft werden."

"Viele Geschäfte können nicht mehr erreicht werden"

Auch dem Textilhandel mache das verregnete Frühjahr zu schaffen. "Die Nachfrage nach den Sommerkollektionen leidet darunter", so Falk. Besonders starke Einbußen müssen die Händler in den Hochwasser-Regionen hinnehmen. "Viele Geschäfte können von den Kunden nicht mehr erreicht werden", erklärte der HDE-Sprecher. "Und viele Geschäfte sind durch die Überschwemmungen beschädigt worden."

Betroffen sind zudem die Landwirte. "Die Lage hat sich über das Wochenende verschärft", sagte Astrid Rewerts vom Deutschen Bauernverband. "Für viele Kulturen ist es einfach zu nass - beispielsweise für Kartoffeln, Spargel und Erdbeeren und Getreide. Das merkt man schon am Angebot, das geringer ist als üblich." Auch die Getreidebestände würden unter den hohen Niederschlagsmengen leiden. "Außerdem ist es für die Jahreszeit zu kalt, was beispielsweise für Kartoffeln und Mais ein Problem ist." Viele Böden seien unbefahrbar, was Pflegearbeiten und Düngung verzögere.

Rohstoffpreise könnten anziehen

Wie groß die Ernteausfälle sein werden, lasse sich noch nicht abschätzen. "Das hängt davon ab, wie schnell das Wasser wieder weg ist", sagte Rewerts. "Stehen Flächen längere Zeit unter Wasser, können die Pflanzen nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden und drohen abzusterben." Ob das die Preise nach oben treiben werde, bleibe abzuwarten. "Das hängt entscheidend auch von der Ernte in wichtigen Anbaugebieten wie etwa der Schwarzmeerregion und den USA ab", sagte Rewerts.

Auch der Versorger EnBW spürt die Auswirkungen des Hochwassers - vor allem in seinen Wasserkraftwerken an Rhein und Neckar. Kleinere Anlagen wie in Stuttgart seien abgeschaltet worden, bei größeren wie in Iffezheim am Oberrhein sei die Leistung "deutlich eingeschränkt", sagte ein Sprecher. Durch überflutete Trafostationen und umgestürzte Bäume sei auch das Verteilernetz sowie die Stromübertragung im Mittelspannungsnetz zum Teil beeinträchtigt. Die Schäden hielten sich noch in Grenzen.

VW lässt die Bänder in Zwickau stillstehen

Das VW-Werk in Zwickau stellte wegen des Hochwassers in Sachsen vorübergehend die Produktion ein. Die Frühschicht sei abgesagt worden, weil Mitarbeiter wegen der Fluten nicht zur Arbeit hätten erscheinen können und der Nachschub an Teilen unklar gewesen sei, sagte ein VW-Sprecher. Das Werk selbst sei nicht überflutet. Am Wochenende seien etwa 170 Einwohner aus einer angrenzenden Gemeinde auf dem Fabrikgelände untergebracht worden, die wegen des Hochwassers aus ihren Wohnungen evakuiert wurden.

Rückversicherer merken das Ausmaß der Schäden

Betroffen von Ausnahme-Wetterlagen wie der jetzigen sind auch Rückversicherer. Sie haben am Montag zu den größten Verlierern am deutschen Aktienmarkt gezählt. Munich Re rutschten mit mehr als zwei Prozent im Minus ans Ende des Dax, Hannover Rück rutschten im MDAX zwischenzeitlich um 2,2 Prozent ab. Händler verwiesen auf die Flutschäden als wichtigsten Belastungsfaktor.

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