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Karstadt-Chef Nicolas Berggruen attackiert Ver.di wegen Streiks


Karstadt-Chef Berggruen attackiert Ver.di

04.06.2013, 08:42 Uhr | AFP, dpa-AFX

Karstadt-Chef Nicolas Berggruen attackiert Ver.di wegen Streiks. Karstadt-Chef Nicolas Berggruen (Quelle: dpa)

Karstadt-Chef Nicolas Berggruen (Quelle: dpa)

Gegenangriff von Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen: Angesichts von neuen Streiks beim Kaufhauskonzern in Hamburg hat er Kritik an seiner Geschäftsführung zurückgewiesen. "Wenn ich nicht eingestiegen wäre, dann gäbe es Karstadt heute nicht mehr, das vergessen viele Leute immer wieder", sagte Berggruen der "Bild"-Zeitung. Die Gewerkschaft kämpfe nur um ihre eigene Macht. Unterdessen wollen die Beschäftigten in Hamburg ihren Streik fortsetzen. Sie setzen sich dafür ein, dass das Unternehmen weiterhin Tariflöhne zahlt.

"Nicht gewusst, wie krank Karstadt ist"

"Ich habe nicht gewusst, wie krank Karstadt nach 20 Jahren Missmanagement wirklich war, die Herausforderungen sind noch größer und noch anstrengender", sagte Berggruen weiter. Das Unternehmen hinke bei vielen Dingen hinterher, etwa bei den Einkaufssystemen. Er stehe bereit, "frisches Geld" einzubringen, wenn es "helfen würde", sagte Berggruen.

Aber entscheidend sei der Wandel im Unternehmen. Er habe wie versprochen die Gehälter inzwischen wieder auf das Niveau vor der Pleite gebracht, weitere Erhöhungen seien wegen der Sanierung aber für die kommenden beiden Jahre unmöglich.

"Ver.di-Funktionäre kämpfen um ihre Macht"

Manche Kritik der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di ärgere ihn, sagte Berggruen. "Die Ver.di-Funktionäre kämpfen gerade bei Karstadt nur um ihre eigene Macht als Gewerkschaft auf Kosten der Belegschaft, das ist nicht in Ordnung", ergänzte er. Einen Teil der allgemeinen Kritik führte Berggruen aber auch auf überzogene Erwartungen zurück. "Mit meinem Einstieg dachten viele, Karstadt sei damit gerettet, aber das war natürlich erst der Beginn der Rettung, nicht ihre Vollendung", sagte er.

Dem "Tagesspiegel" aus Berlin sagte der Investor, die Sanierung von Karstadt brauche "mehr Zeit, als viele geglaubt haben". "Wir haben die Hälfte des Weges erst hinter uns", fügte er hinzu. Gerüchte über ein Krisentreffen mit dem Karstadt-Management am Dienstag in der Essener Konzernzentrale wies er zurück. "Das ist kein Krisentreffen, das ist ein ganz normales Treffen", sagte Berggruen und bekannte sich zur Rettung des Unternehmens: "Ich stehe hundertprozentig zu Karstadt."

Streik in Hamburg

Am Montag hatten Beschäftigte mit einem Streik gegen den Ausstieg der Kaufhauskette aus der Tarifbindung für den Einzelhandel demonstriert. Die Mitarbeiter versammelten sich vor verschiedenen Filialen des Unternehmens im Hamburger Stadtgebiet. Karstadt war Mitte Mai aus der Tarifbindung ausgestiegen. Für die Mitarbeiter entfallen damit bis zum Jahr 2015 Gehaltserhöhungen, die durch Tarifverträge vereinbart werden.

Erneut soll es an diesem Dienstag einen Protestzug vom Gewerkschaftshaus in die Innenstadt zum Gerhart-Hauptmann-Platz geben. Nach einer Kundgebung ist eine Menschenkette der Beschäftigten geplant. Der Verkauf lief in den Hamburger Filialen am Montag weitestgehend normal weiter.

Dauerkrise bei Karstadt

Karstadt steckt weiterhin in der Krise. Im Jahr 2010 war die Kaufhauskette nach der Pleite des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor vom US-deutschen Investor Berggruen übernommen und damit vor dem Aus bewahrt worden. Er versprach damals, Arbeitsplätze zu erhalten und die Filialen zu modernisieren. Dazu sagte Berggruen nun "Bild", der erforderliche Stellenabbau sei "praktisch abgeschlossen".

Im Mai war Karstadt aus dem Flächentarifvertrag für den Einzelhandel ausgeschert. Bereits am Montag waren rund 450 Beschäftigte dem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt und hatten ihre Arbeit niedergelegt.

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