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Nachahmer-Präparate für Viagra überfluten den Markt


Vigara-Nachahmer strömen auf den Markt

21.06.2013, 15:51 Uhr | rtr, t-online.de

Nachahmer-Präparate für Viagra überfluten den Markt. Nachahmer-Präparate für Viagra stehen in den Startlöchern (Quelle: imago images)

Nachahmer-Präparate für Viagra stehen in den Startlöchern (Quelle: imago images)

Im Oktober 1998 wurde die Potenzpille Viagra erstmals in deutschen Apotheken verkauft. Der Wirbel um das "blaue Wunder" war groß. Endlich gab es eine Pille zur Behandlung der sogenannten erektilen Dysfunktion. Die Erfolgsquote des Medikaments liegt immerhin bei 70 Prozent. Am 22. Juni läuft der Patentschutz des Herstellers Pfizer in Deutschland und weiteren großen Ländern wie Frankreich und Großbritannien aus. Die Konkurrenz sitzt schon in den Startlöchern, um mit zahlreichen Generika, also günstigen Nachahmer-Präparaten, den Markt zu überschwemmen. Einen Boom bei den Verschreibungen solcher Ersatz-Präparate erwarten Ärzte aber dennoch nicht.

Mehr als 1,8 Milliarden Pillen verkauft

Neben seiner medizinischen Wirkung lässt sich mit Viagra vor allem gutes Geld verdienen. Nach Angaben von Pfizer wurden seit der Markteinführung weltweit mehr als 1,8 Milliarden der blauen Tabletten an mehr als 37 Millionen Männer ausgegeben - davon an über eine Million Männer in Deutschland. Zwar haben inzwischen auch andere Hersteller mit eigenen Potenzpillen nachgezogen, aber Viagra ist und bleibt das Original.

Preise für Potenzmittel im Sinkflug

Allerdings mussten die dankbaren Kunden für ihren Traum von mehr Männlichkeit tief in die Tasche greifen. Da Viagra als sogenanntes Lifestyle-Präparat gilt, übernehmen die Krankenkassen nicht die Kosten. Mit dem Ablauf des Patentschutzes werden die Preise purzeln, denn die Nachahmer-Präparate sind deutlich günstiger. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurden dafür bereits 28 Zulassungen erteilt.

Auch Pfizer setzt auf Generika

Pfizer selbst will auch auf dem Generikamarkt mitmischen. Bereits seit dem 1. Juni verkauft der Konzern in Deutschland ein Nachahmer-Präparat, das auf dem Viagra-Wirkstoff Sildenafil basiert. Kostet eine Viagra mit einer Dosis von 50 Milligramm 10,30 Euro, bietet Pfizer das günstigere Präparat nun für 2,50 Euro pro Tablette an. Anders als das Original, das es auch weiterhin geben wird, sind die rautenförmigen Tabletten zudem weiß statt blau.

"Die Schamgrenze bleibt"

Schätzungen zufolge sind in Deutschland mindestens sieben Millionen Männer von Erektionsstörungen betroffen. Doch der Preis allein wird die Nachfrage nicht ankurbeln. "Die Schamgrenze bleibt", sagt Wolfgang Bühmann, Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Urologen (BDU). Wie Viagra sind auch die Nachahmerprodukte verschreibungspflichtig. Nach wie vor aber gibt es bei vielen Männern mit Potenzstörungen eine hohe Hemmschwelle für den Gang in die Praxis. "Im Schnitt braucht ein Mann drei Jahre, bis er sich einem Arzt offenbart", weiß Bühmann.

Am häufigsten gefälschtes Medikament

Viele werden die Pillen deshalb wohl weiter illegal im Internet bestellen. Viagra ist nicht nur ein "Blockbuster", sondern auch das mit Abstand am häufigsten gefälschte Medikament. Die Plagiate stammen vor allem aus dem asiatischen Raum, aus Indien oder China. Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) bringt gefälschtes Viagra auf dem Schwarzmarkt pro Kilogramm rund 90.000 Euro - und damit mehr als Kokain.

US-Patentschutz endet erst 2020

Allerdings sind die falschen Arzneien oft nicht richtig dosiert oder - im besten Fall - wirkungslos. Die Behörden warnen deshalb immer wieder eindringlich davor, Arzneien über unsichere Internetquellen zu kaufen. Ruth Haliti vom Zollkriminalamt in Bonn glaubt nicht, dass das Ende des Patentschutzes für Viagra in Deutschland und anderen europäischen Ländern den illegalen Markt einschneidend verändern wird. "Solange die Verschreibungspflicht bleibt, wird es einen illegalen Handel geben", sagt Haliti. Das dürfte umso wahrscheinlicher sein, weil der Patentschutz für Viagra in den USA erst 2020 ausläuft.

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