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Carsten Maschmeyer investiert in Limousinen-App - Taxis unter Druck


Früherer AWD-Chef  

Maschmeyer investiert in Limo-App - Taxis unter Druck

25.06.2013, 08:05 Uhr | dpa, t-online.de

Carsten Maschmeyer investiert in Limousinen-App - Taxis unter Druck. Carsten Maschmeyer hat in eine Limousinen-App investiert. Der Fahrservice macht dem Taxigewerbe Konkurrenz (Quelle: dpa)

Carsten Maschmeyer hat in eine Limousinen-App investiert. Der Fahrservice macht dem Taxigewerbe Konkurrenz (Quelle: dpa)

Carsten Maschmeyer ist so etwas wie ein kleiner deutscher Warren Buffett. Im Gegensatz zu diesem investiert er jedoch gern in aussichtsreiche Start-Up-Unternehmen. So ist der Gründer und frühere Chef des Finanzvertriebs AWD bei dem Limousinen-Service Blacklane mit elf Prozent eingestiegen. Mit dem Geld von Maschmeyer und anderen Risiko-Investoren hat das Berliner Unternehmen jetzt einen zügigen Expansionskurs eingeschlagen und macht den elfenbeinfarbenen Taxis Konkurrenz.

Die Geschäftsidee: Blacklane und andere Firmen bieten Limousinen mit Chauffeur an. Über eine Smartphone-App oder die Internet-Seite kann der Kunde entweder für eine Strecke oder für eine bestimmte Zeit einen Wagen mit Fahrer bestellen. Zur Auswahl stehen drei Fahrzeug-Kategorien. Dazu braucht es keinen eigenen Fuhrpark, sondern lediglich freie Kapazitäten anderer Limousinen-Vermieter, die oft auch selbst Taxis betreiben. Vor gut eineinhalb Jahren erst ist die Firma mit fünf Autos in Berlin gestartet - mittlerweile ist der Service in 15 deutschen Städten sowie zehn weiteren europäischen Metropolen verfügbar. Mehr als 1000 Fahrzeuge fahren für Blacklane. Im vergangenen Monat expandierte das Unternehmen sogar in die USA und startete das Geschäft in Chicago.

Limousinen-Services kreuzen den Atlantik

"Längst gehören nicht nur Geschäftsreisende zu den Fahrgästen, sondern auch Einwohner der jeweiligen Städte", sagt Frank Steuer, einer der beiden Unternehmensgründer. "Auch anspruchsvolle Touristen nutzen den Chauffeurservice regelmäßig." In den USA, wo Taxis nicht immer komfortabel sind und Taxifahrer nicht immer gut englisch sprechen, sind Limousinen-Dienste relativ verbreitet.

Das US-Unternehmen Uber aus San Francisco, das vor allem Luxusautos im Angebot hat, ist bereits in Berlin präsent und will in Deutschland weitere Städte erobern. Während der Name im deutschen keinen besonderen Klang hat, verbinden US-Amerikaner damit durchaus etwas exklusives. Wenn etwas besonders toll ist, heißt es umgangssprachlich zum Beispiel in Anlehnung an das deutsche Wort "That's über cool", ausgesprochen aber eben "uber".

Auch der Autovermieter Sixt hat in diesem Jahr mit myDriver einen Limo-Service an den Start gebracht und auf mittlerweile ein Dutzend deutsche Städte ausgeweitet. Die Sixt-Tochter geht das Taxigewerbe besonders offensiv an und wirbt mit "Luxus zum Taxitarif". Alle Anbieter versprechen hochwertige und saubere Fahrzeuge, höfliche und gut ausgebildete Chauffeure und transparente und voraussehbare Preise. Sie wollen mit Qualität und Service punkten.

Taxigewerbe gibt sich selbstkritisch

Damit treffen sie beim Taxigewerbe durchaus einen wunden Punkt. "Überzeugen kann man eine anspruchsvolle, aber auch zahlungskräftige Klientel mit verlässlichen Qualitätsversprechen und vor allem einem stimmigen Preis-Leistungs-Verhältnis", heißt es auf den Internet-Seiten des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes. "Nach ein bis zwei Irrfahrten mit radebrechendem Fahrer in einem erbärmlichen Siff-Taxi ist ein Toppkunde dagegen wahrscheinlich für das ganze Gewerbe auf Jahre verloren."

Geschäftsführer Thomas Grätz sieht vor allem bei der Ausbildung der Fahrer Defizite: "Das genügt nicht immer den Anforderungen", sagt er selbstkritisch. Bei den Limo-Diensten gelten für die Fahrer dagegen Kleidungs- und Verhaltensvorschriften. Verbeulte Karossen mit weit über 300.000 km auf dem Tacho tragen ebenfalls nicht dazu bei, Vertrauen beim Kunden zu wecken.

Vorteil des Taxis: besser verfügbar

Doch Taxis haben auch Vorteile im Konkurrenzkampf; unter anderem die hohe Verfügbarkeit und den günstigeren Preis. Das gilt selbst für längere Fahrten. Eine Stichprobe im Internet ergibt zum Beispiel für die rund 130 Kilometer lange Strecke vom Hamburger Flughafen bis in die Bremer Innenstadt einen Taxipreis von rund 200 Euro. Mit einer vergleichbaren Limousine - BMW Fünfer-Reihe oder Mercedes E-Klasse - kostet die gleiche Tour bei einem Chauffeurservice 60 bis 80 Euro mehr. Wer sich mit einem bescheideneren Fahrzeug begnügt, etwa einem Opel Zafira, kommt allerdings in die Nähe des Taxitarifs.

Personenbeförderung ist ein relativ großer Markt, so dass für die neuen Limousinen-Services ein erhebliches Wachstumspotenzial vorhanden ist. Allein in Deutschland erreichte die Branche zuletzt bei 423 Millionen Taxi- und Mietwagenfahrten einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro. MyDriver will bis 2017 international auf eine Million Fahrten kommen. Mehrere demografische Trends geben der Branche Rückenwind. Die älter werdende Bevölkerung wird aus Bequemlichkeit oder wegen körperlicher Gebrechen in Zukunft häufiger Taxis und ähnliche Dienstleistungen nutzen.

Städter setzen seltener auf eigenes Auto

Und bei jungen Großstädtern steht ein eigenes Auto nicht mehr ganz oben auf der Liste der begehrenswerten Dinge - zu teuer und zu unpraktisch. Davon profitieren auch andere Mobilitätskonzepte wie Car-Sharing. Im Vergleich zum eigenen Fahrzeug ist für viele eine Limo mit Chauffeur ab und zu nicht nur cooler, sondern auch billiger.

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