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DAX wird 25: Internet - war da was?


25 Jahre DAX: Internet - war da was?

02.07.2013, 16:18 Uhr | Spiegel Online

DAX wird 25: Internet - war da was?. Die DAX-Kurve ist seit 25 Jahren in Bewegung - genauso die Unternehmensliste im Leitindex (Quelle: imago/Hans-Günther Oed)

Die DAX-Kurve ist seit 25 Jahren in Bewegung - genauso die Unternehmensliste im Leitindex (Quelle: imago/Hans-Günther Oed)

Feldmühle, Veba? Von den Konzernen, die beim Start des DAX vor 25 Jahren zu den größten Deutschlands gehörten, sind manche schon vergessen. Noch immer aber dominiert die alte Industrie den Börsen-Leitindex, die Onlinerevolution ging an ihm spurlos vorüber - wie auch manch anderer Megatrend.

Im Sommer 1988 war Deutschland noch zweigeteilt. Der junge Michael Jackson gab ein Konzert vor der Berliner Mauer. Im Finale der Fußballeuropameisterschaft schlugen die Niederlande in München die UdSSR. Steffi Graf aus Brühl gewann zum ersten Mal das Tennisturnier von Wimbledon - und in Frankfurt ging der Deutsche Aktienindex DAX an den Start.

DAX hat die gleichen Schwergewichte wie vor 25 Jahren

Seitdem ist ein Vierteljahrhundert vergangen. Die Mauer ist gefallen, Steffi Graf ist in Rente, und die Niederlande gewinnen längst keine Fußballturniere mehr. Nur beim DAX hat sich wenig verändert: Von den zehn größten Unternehmen im wichtigsten deutschen Aktienindex von 1988 sind acht auch heute noch dabei: Siemens, BASF, Daimler, Bayer, Allianz, Deutsche Bank, RWE, Volkswagen - die Geschichte scheint an der Hackordnung der deutschen Wirtschaft fast spurlos vorüber gegangen zu sein.

Babcock, Feldmühle, Nixdorf: Die DAX-Veteranen

Veränderungen gab es eher im hinteren Feld des 30 Mitglieder umfassenden Index. Namen wie Deutsche Babcock, Feldmühle Nobel oder Nixdorf Computer, die noch zum Ur-DAX gehörten, sind verschwunden. Sie gingen entweder Pleite oder wurden von größeren Konzernen geschluckt.

Andere schlossen sich unter neuem Namen zusammen: Aus Veba und Viag wurde so der Energieriese E.ON, aus der Bayerischen Vereinsbank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank entstand die Hypo-Vereinsbank, die mittlerweile in der italienischen Unicredit aufgegangen ist.

Eine rein westdeutsche Angelegenheit

Doch trotz aller Wechsel und Fusionen: die Struktur des DAX, der ja die deutsche Wirtschaft abbilden soll, ist erstaunlich stabil. Die großen Umwälzungen der vergangenen 25 Jahre haben sich kaum niedergeschlagen.

Deutsche Wiedervereinigung? Im DAX regiert die alte Bundesrepublik. Kein einziges ostdeutsches Unternehmen taucht in der Liste der größten 30 auf.

Internet- und Telekommunikationsrevolution? Ist im DAX nur als Ausläufer angekommen. Während US-Konzerne wie Microsoft, Apple oder Google die Welt verändert haben, hat es in Deutschland lediglich der privatisierte Ex-Staatskonzern Deutsche Telekom in die Liste der größten Unternehmen geschafft. Hinzu kommt SAP: Der Spezialist für Unternehmenssoftware ist zwar eine Erfolgsgeschichte - mit dem Internet hatte das Geschäftsmodell des Software-Konzerns aber ursprünglich nichts zu tun.

Trend zur Dienstleistungsgesellschaft? Scheint in Deutschland nicht angekommen zu sein. 1988 wie heute dominieren Industriekonzerne den DAX. Die Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof sind sogar aus der Liste verschwunden. Hinzugekommen sind lediglich der Ex-Staatsbetrieb Deutsche Post und die Deutsche Börse selbst.

Globalisierung ließ bekannte Namen verschwinden

Der einzige Megatrend, der sich wirklich im DAX widerspiegelt, ist die Globalisierung. Gleich mehrere der Ur-Mitglieder wurden von ausländischen Konzernen geschluckt:

Der Pharmakonzern Hoechst schloss sich 1999 mit dem französischen Rivalen Rhône-Poulenc zusammen. Das neue Unternehmen nennt sich Aventis und geht nur wenige Jahre später im Konzern Sanofi auf - mit Sitz in Paris.

Die größte Übernahmeschlacht der deutschen Wirtschaftsgeschichte erlebte der Röhren- und Maschinenbaukonzern Mannesmann. Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen, dass sich mittlerweile auch eine Mobilfunksparte zugelegt hatte, vom britischen Handykonzern Vodafone übernommen.

Der Papier- und Sprengstoffhersteller Feldmühle Nobel gehörte einst zum Reich des Milliardärs Friedrich Karl Flick. 1986 brachte die Deutsche Bank das Unternehmen an die Börse - doch schon vier Jahre später war wieder Schluss: Der skandinavische Konzern Stora Kopparbergs Bergslags Aktiebolag (heute Stora Enso) kaufte das Unternehmen für vier Milliarden Mark.

Die Globalisierung ließ nicht nur deutsche Unternehmen verschwinden, sie machte andere auch stark: Dass Konzerne wie BASF, Bayer oder Daimler so erfolgreich sind und sich so lange unter den größten DAX-Unternehmen halten konnten, haben sie vor allem ihren florierenden Auslandsgeschäften zu verdanken.

Klar auf dem Rückzug: Die Finanzbranche

So kommt es, dass Autobauer, Chemie- und Pharmafirmen auch heute noch den größten Teil des DAX ausmachen. Gesunken ist dagegen die Bedeutung einer ehemaligen Vorzeigebranche: Waren zum Start 1988 noch fünf Finanzinstitute im DAX vertreten, sind inzwischen nur noch die Deutsche Bank und die Commerzbank übrig. Demnächst könnte es noch schlimmer kommen: Im September überprüft der Arbeitskreis der Deutschen Börse die Zusammensetzung des DAX. Als heißer Abstiegskandidat gilt die Commerzbank.

Die DAX-Unternehmen im Gründungsjahr 1988:

Unternehmen

Verschwunden im Jahr

Allianz

BASF

Bayer

BMW

Bayerische Vereinsbank

1998

Bayerische Hypotheken- und Wechselbank

1998

Commerzbank

Continental

Daimler

Degussa

2002

Deutsche Babcock

1995

Deutsche Bank

Dresdner Bank

2001

Feldmühle Nobel

1990

Henkel

Hoechst

1999

Karstadt

2001

Kaufhof

1996

Linde

Lufthansa

MAN

2012

Mannesmann

2000

Nixdorf

1990

RWE

Schering

2006

Siemens

Thyssen

Veba

2000

Viag

2000

Volkswagen

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