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So profitieren Anleger vom Fracking-Boom


Billiges Öl für alle - diese Aktien profitieren vom Fracking

10.07.2013, 13:09 Uhr | Der Aktionär

So profitieren Anleger vom Fracking-Boom. Die USA fördern dank Fracking billiges Öl und Gas (Quelle: Reuters)

Die USA fördern dank Fracking billiges Öl und Gas (Quelle: Reuters)

Die USA könnten sich durch neue Fördertechniken über Jahre hinweg von Ölimporten unabhängig machen. Jetzt ist eine ganze Branche in Aufruhr – so profitieren Anleger.

Neuer Ölboom in den USA

"Wir stehen auf dem größten Erdgasvorkommen der Welt – das ist unsere Zukunftschance“, heißt es in einem Werbefilm der US-amerikanischen Ölindustrie. Das Zauberwort hinter diesem vollmundigen Versprechen heißt Hydraulic Fracturing, kurz Fracking.

Doch was geschieht hierbei überhaupt? Bei dieser Methode wird teilweise bis in über tausend Meter gebohrt. Um an die schwer zugänglichen Öl- und Gasvorkommen in dieser Tiefe zu gelangen, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck in das Schiefergestein gepumpt, wodurch das Gestein aufbricht und die begehrten Vorkommen freigegeben werden.

Amerika senkt die Öl-Importe

In Deutschland wegen Gründen des Umweltschutzes noch immer ein hochbrisantes Thema, wird die Fracking-Methode in den USA als Wunderwaffe gegen die Abhängigkeit von ausländischen Ölimporten gesehen.

Einige Experten rechnen sogar damit, dass die USA noch im laufenden Jahrzehnt zum weltgrößten Erdölproduzenten aufsteigen und Saudi-Arabien – das Land kam 2012 bei der weltweiten Erdölproduktion auf einen Anteil von 13,3 Prozent (USA: 9,6 Prozent) – und Russland auf die Plätze 2 und 3 verweisen wird.

Schon heute sind die USA dank neuer Fördermethoden die am schnellsten wachsende Fördernation der Welt. Im vergangenen Jahr konnte die weltgrößte Wirtschaftsnation bereits 83 Prozent ihres Energiebedarfs selbst decken. Den jüngsten Daten der amerikanischen Energiebehörde EIA zufolge lag dieser Wert im Februar bereits bei 88 Prozent – dies ist der höchste Stand seit April 1986. Mehr noch: Durch das Fracking könnten sich die USA über Jahre hinweg von Ölimporten unabhängig machen. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der Schiefergas-Förderung aus dem Fracking von zwei Prozent auf 37 Prozent der gesamten Erdgasförderung gestiegen.

Kein Wunder, dass sich die Öl- und Gasbranche gerade die Hände reibt. Der positive Nebeneffekt: Die Energiepreise in den USA fallen deutlich unter das europäische Niveau und locken dadurch im großen Stile Investoren an. "Der Aktionär" hat sich auf die Suche nach den Profiteuren des Booms gemacht und nennt drei aussichtsreiche Werte.

Schoeller-Bleckmann Oilfield liefert die Ausrüstung

Schon zu Zeiten des Goldrauschs in Kalifornien vor über 100 Jahren haben sich auch die Ausrüster eine goldene Nase verdient – das ist heute nicht anders. Die Anlaufstation Nummer 1, wenn es um das passende Präzisionswerkzeug für Fracking-Bohrung geht, ist Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO).

Die Österreicher liefern an alle großen Ölbohrfirmen wie Schlumberger oder Baker Hughes zahlreiche Schlüsselkomponenten, die für Spezialbohrungen notwendig sind: Bohrkopfmotoren, spezielle Bohrstangen, aber auch Hochpräzisionsteile, an denen elektronische Komponenten und andere Teile für Messungen und Analysen befestigt sind. All diese komplexen Technologien sind notwendig für die Erschließung von Öl- und Gasvorkommen im Schiefergestein. Mit einem Marktanteil von 50 Prozent ist SBO Marktführer und arbeitet zudem hochprofitabel. Die Margen, die sich mit dem Spezialwerkzeug erzielen lassen, liegen bei 20 Prozent.

Die Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre ist beeindruckend. Seit 2003 hat SBO die Erlöse vervierfacht, den Gewinn sogar verzehnfacht. Im letzten Jahr hat SBO das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielt. Obwohl der Start in dieses Jahr nicht ganz so gut wie der in das letzte Jahr war, dürfte sich das Ergebnis auf Vorjahresniveau einpendeln. Auch die Bilanz überzeugt: Die Eigenkapitalquote liegt bei 51 Prozent, das Unternehmen ist zudem fast schuldenfrei. Dies rechtfertigt auch das relativ hohe KGV für das Jahr 2013 von 17. Im nächsten Jahr sinkt die Bewertung bereits auf 14.

Sand von Emerge Energy

Auch dem Sand kommt eine besondere Bedeutung zu, er muss vor dem Fracking speziell aufbereitet werden. Ein Unternehmen, das sich genau darauf spezialisiert hat, ist Emerge Energy Services. Die beiden größten Kunden des Sand-Spezialisten sind die beiden Öl-Service-Giganten Schlumberger und Baker Hughes. Sie sind derzeit für etwa 80 Prozent der Umsätze von Emerge Energy Services verantwortlich, die in diesem Jahr die Milliardengrenze erreichen könnten.

Im Vergleich dazu ist der Börsenwert von Emerge Energy Services mit 480 Millionen Dollar nicht zu hoch. Zumal das erst seit Mai 2013 börsennotierte Unternehmen hochprofitabel ist. Im laufenden Jahr soll der Gewinn pro Aktie 1,71 Dollar erreichen, 2014 sollen es dann 2,46 Dollar werden. Der Börsengang hat Emerge Energy Services rund 150 Millionen Dollar in die Kassen gespült. Mit dem Geld wurden in erster Linie Schulden zurückgezahlt. Seit dem IPO hat die Aktie von 17 auf 20 Dollar zugelegt. Auf diesem Niveau ist der Sand-Spezialist mit einem 2014er-KGV von 8 ausgesprochen attraktiv bewertet.

Als einer der führenden Produzenten des für Fracking eingesetzten "Frac-Sand" profitiert Emerge Energy Services direkt von den erwarteten Wachstumsraten in der neuen Boombranche des Energiemarktes, ohne dabei ähnlichen Risiken wie die Explorationsfirmen ausgesetzt zu sein.

Union Pacific transportiert Öl und Equipment

Ein weiterer Gewinner des Öl- und Gasbooms in den USA ist die Eisenbahngesellschaft Union Pacific. Das Netz des Unternehmens umfasst über 51.000 Kilometer Schienen von der Pazifikküste bis nach Chicago und New Orleans über den gesamten Westen des Landes, auf denen rund 8400 Lokomotiven im Einsatz sind. Zum Vergleich: Das deutsche Schienennetz kommt auf eine Länge von rund 33.000 Kilometer.

Als größte US-amerikanische Eisenbahngesellschaft profitiert Union Pacific in besonderem Maße vom Fracking-Boom. Das Unternehmen transportiert derzeit Unmengen an Ausrüstung, Chemikalien und Quarzsand in die aussichtsreichen Gebiete. Dementsprechend hat Union Pacific in den ersten fünf Monaten 2013 zwölf Prozent mehr Chemikalien transportiert. 2012 hat dieser Bereich bereits 16 Prozent zu den Gesamterlösen beigetragen – Tendenz stark steigend.

Hinzu kommt, dass das bestehende Pipeline-System in den USA mit den enormen Mengen an gefördertem Öl und Gas überlastet ist. Die Folge: Im ersten Quartal 2013 hat Union Pacific bereits deutlich mehr Rohöl befördert als im gesamten Jahr 2011. Kein Wunder, schließlich ist das Schienennetz von Union Pacific aus geografischer Sicht geradezu dafür prädestiniert, die Raffinerien an der Golfküste mit den Ölfeldern im Nordwesten der USA zu verbinden.

Diese Entwicklung ist auch an den Geschäftszahlen abzulesen. Im kommenden Jahr dürften bereits 23,8 Milliarden Dollar durch die Bücher des Konzerns fließen nach 22,2 Milliarden Dollar im laufenden Jahr. Der Gewinn je Aktie dürfte um 14 Prozent auf 10,84 (2013e: 9,52) Dollar zulegen, womit das KGV auf 14 sinkt. 2015 ist dann bereits mit einem Überschuss von 12,10 Dollar pro Aktie zu rechnen.

Hinzu kommt, dass der Konzern im Vergleich zu den drei übrigen börsengelisteten Eisenbahnunternehmen CSX, Norfolk Southern und Canadian National Railway – Burlington Northern gehört inzwischen zu Warren Buffetts Konglomerat Berkshire Hathaway – über die stärkste Bilanz mit dem geringsten Verschuldungsgrad verfügt. Auch deckt die Konkurrenz mit Ausnahme von Burlington Northern ohnehin ein vollkommen anderes Gebiet ab.

Richtig spannend wird es noch einmal am 18. Juli mit der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal. In Sorge müssen die Anleger aber nicht sein: In den vergangenen drei Jahren hat das Unternehmen nicht ein einziges Mal die Erwartungen enttäuscht – viel mehr noch: In sechs Quartalen wurden die Prognosen sogar geschlagen.

Breit gefächerter Index

Wer nicht auf Einzelaktien setzen will, sollte einen Blick auf das Indexzertifikat auf den UBS Shale GAS TR Index werfen (ISIN: DE000UU78D12). Anleger können hier auf 25 Unternehmen setzen, die den Großteil ihres Geschäfts mit Schiefergas machen. Der Index wird von der UBS in Zusammenarbeit mit dem Indexanbieter Structured Solutions AG einmal im Jahr überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Innovative Produkte, eine führende Marktstellung und rosige Wachstumsaussichten – drei gute Gründe, die Aktie von Schoeller-Bleckmann zu kaufen. Union Pacific spielt der Fracking-Boom in die Karten, aber auch ohne dieses i-Tüpfelchen ist der Konzern bestens aufgestellt. Die Aktie von Emerge Energy ist die spekulativste des Trios, hat aber auch ein Kurspotenzial von rund 50 Prozent.

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