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Mittelstandsanleihen: Mit acht Prozent voll ins Risiko?


Mittelstandsanleihen: Mit acht Prozent voll ins Risiko?

16.07.2013, 09:57 Uhr | Paul Lauer für t-online.de

Mittelstandsanleihen: Mit acht Prozent voll ins Risiko?. Hemden-Hersteller wie Eterna oder Peine bieten auch hochverzinste Unternehmensanleihen an (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Hemden-Hersteller wie Eterna oder Peine bieten auch hochverzinste Unternehmensanleihen an (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Waren das noch Zeiten: Vor zwanzig Jahren warfen zehnjährige Anleihen des Bundes acht Prozent Rendite ab – ein komfortabler Zinsertrag verbunden mit der Gewissheit, dass der Bund ein erstklassiger Schuldner ist. Derzeit müssen sich Anleger mit mageren 1,6 Prozent begnügen. Klar, dass sich da mancher auf die Suche nach der "Acht" vor dem Komma begibt und fündig wird: bei Mittelstandsanleihen. Wir checken, worauf Anleger achten sollten.

Mittelstandsanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere mit einer festen Laufzeit und einem vorgegebenen Zinskupon. Mittelständische Industrieunternehmen, die meist nicht an der Börse notiert sind, wollen sich damit neue Finanzmittel beschaffen. Um Anleger anzulocken, bieten sie eine überdurchschnittliche Verzinsung. Das Risiko für Anleger: Kommt das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten, werden zuerst die Bankverbindlichkeiten bedient, dann erst bekommt der Anleihebesitzer sein Geld.

Zinskupons von acht Prozent und mehr

Eine Unternehmensanleihe mit einem Zinskupon von acht Prozent haben vor kurzem der Textilhersteller Eterna aus Passau (ISIN: DE000A1REXA4) oder die Wilhelmshavener Peine GmbH, Hersteller von gewebter Oberkleidung für Herren und Knaben (z.B. Glööckler by Masterhand) angeboten (DE000A1TNFX0). Aber auch baden-württembergische Unternehmen wie der Maschinenbauer Rena (DE000A1TNHG1) aus dem Schwarzwald und der Küchenhersteller Alno (DE0007788408) vom Bodensee locken mit Achtprozentern private Anleger zum Kaufen.

Die großzügigen Zinsversprechen bei Mittelstandsanleihen verfehlen ihre Wirkung offenbar nicht. "Bei den derzeit negativen Renditen an den Anleihemärkten ist das Interesse an diesen Papieren nachvollziehbar", sagt Frank Rüdiger Griep, Vorstand der Vermögensanlage AltBayern AG in Regensburg. Und wenn dann noch der Name der Firma bekannt ist, dann steige die Bereitschaft zu investieren noch mehr, weiß Gottfried Urban, Vorstand der Neue Vermögen AG in Altötting: "Das ist aber viel zu wenig für die Beurteilung eines Investments."

Motive der Emission prüfen

Nüchtern bleiben, muss daher die Devise lauten. Und das bedeutet, dass jeder Anleger zunächst einmal prüfen sollte, warum das Unternehmen eine Anleihe begibt. Sollen mit dem eingesammelten Geld lediglich Schulden bei Banken zurückbezahlt werden oder dient das Geld der Entwicklung neuer Produkte und der Erschließung neuer Märkte?

Die wichtigsten Kriterien für die Beurteilung einer Anleihe sind:

  • Wofür wird das Geld verwendet?

  • Hat sich das Unternehmen in der Vergangenheit erfolgreich entwickelt?
  • Hat das Management einen guten Ruf?
  • Wie hoch sind die Eigenkapitalquote und die Verschuldung?
  • Zu welcher Branche gehört das Unternehmen?
  • Rating: Ein BBB (Investment Grade) gilt als sicher, darunter wird es kritisch.

Die Zurückhaltung der Banken bei schwach besicherten Unternehmenskrediten sieht Gottfried Urban als Hauptgrund dafür, dass sich mittelständische Unternehmen neue Finanzierungsquellen suchen: "Mittelständler bekommen Kredite nur noch mit hohen Risikoaufschlägen und müssen mit erheblichen Restriktionen in den Kreditverträgen leben."

Genau das könnte auch das Motiv für die Eterna-Anleihe gewesen sein: "Der hohe Zins von acht Prozent macht deutlich, dass das Unternehmen Geld braucht", sagt Frank Rüdiger Griep. Seine Schlussfolgerung: Anleger sollten sich jedes Angebot genau im Detail anschauen, bevor sie sich für einen Einstieg entscheiden.

Alternative: Unternehmensanleihen-Fonds

Mit dem Erwerb einer hochverzinslichen Unternehmensanleihe kauft sich der Anleger also wie bei einer Aktie ein unternehmerisches Risiko ein, das im Extremfall zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Aber es gibt noch ein weiteres Risiko: nämlich steigende Zinsen an den Rentenmärkten, wie es in den vergangenen Tagen zu beobachten war: "Wenn die Zinsen steigen, ist die Mittelstandsanleihe nicht mehr so attraktiv trotz hoher Verzinsung", warnt Gottfried Urban. Für den Anleihebesitzer heißt das, dass er sein Papier bis zum Ende der Laufzeit halten muss, um Kursverluste zu vermeiden.

Eine Alternative zum Direkteinstieg sind auch Investmentfonds wie der Artus Mittelstands-Renten HI Fonds, der in diesem Anlagensegment erfolgreich investiert (siehe Tabelle). "Fonds sind wegen der breiten Streuung auf jeden Fall die bessere Lösung für Anleger", sagt Gottfried Urban. Und da lassen sich die Risiken eines Totalausfalls leichter verkraften.

Investmentfonds mit Schwerpunkt Mittelstandsanleihen

Das Segment der Mittelstandsanleihen ist noch sehr jung. Dementsprechend ist das Angebot der Fonds überschaubar.

Fondsname  

ISIN

Performance 1 Jahr

Artus Mittelstands-Renten HI Fonds

DE000A0RHHB0

5,4%

BayernInvest Dt. Mittelstandsanleihen ETF

LU0903441706Auflage 02.04.2013

Johannes Führ Mittelstands-Rentenfonds AMI P

DE000A0YAYG5

4,6%

Tabelle/ Quelle: Fondsweb.de

Die Fonds kann man ebenso wie Unternehmensanleihen an der Börse erwerben. Im Handel mit Mittelstandsanleihen sind vor allem die Börsen Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf zu nennen. Aber Achtung: Am besten ist es, für Unternehmensanleihen Kauflimite zu setzen, da die Handelsvolumen oft gering sind und damit große Kurssprünge drohen, wenn "bestens" geordert wird.

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