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Axel Springer AG trennt sich von großen Regionalzeitungen


Paukenschlag in Berlin: Axel Springer verkauft Regionalzeitungen

26.07.2013, 07:30 Uhr | rtr, dpa-AFX

Axel Springer AG trennt sich von großen Regionalzeitungen. Der Axel Springer Verlag verkauft Regionalzeitungen an die Funke-Gruppe (Quelle: dpa)

Der Axel Springer Verlag befindet sich derzeit im Umbau (Quelle: dpa)

Paukenschlag bei der Axel Springer AG: Deutschlands größtes Zeitungshaus verkauft seine Regionalzeitungsgruppen "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt" sowie ihre Programm- und Frauenzeitschriften an die Funke Mediengruppe. Der Kaufpreis betrage insgesamt 920 Millionen Euro, teilte das Unternehmen in Berlin mit.

Das Zeitungs- und Zeitschriftenpaket (u.a. auch "Hörzu" "TV Digital" und "Bild der Frau") soll mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Januar 2014 verkauft werden. Vom Kaufpreis werden laut Springer beim Vollzug des Geschäfts 660 Millionen Euro fällig. Spätestens sei diese Summe am 30. Juni 2014 zu zahlen. Das restliche Geld werde Springer der Funke Mediengruppe als Darlehen mit mehrjähriger Laufzeit gewähren.

Vorvertrag bereits unterzeichnet

Die Springer-Regionalzeitungsgruppen sowie die Programm- und Frauenzeitschriften machten dem Medienkonzern zufolge 2012 einen Umsatz von 512,4 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz von Springer lag bei rund 3,3 Milliarden Euro.

Ein entsprechender Vorvertrag sei geschlossen. Die Transaktion müsse von den Kartellbehörden genehmigt werden, womit nicht vor Ende dieses Jahres zu rechnen sei. Das Bundeskartellamt kündigte an, den Deal sorgfältig zu prüfen. Die Axel Springer AG und die Funke Mediengruppe - vormals WAZ Mediengruppe - vereinbarten zudem, ein Gemeinschaftsunternehmen für Vertrieb und Vermarktung von gedruckten und digitalen Medienangeboten zu gründen.

Springer Verlag: schwerer Schritt

"Die Entscheidung, uns von einigen der traditionsreichsten Marken des Hauses zu trennen, ist uns nicht leicht gefallen", erklärte Döpfner. Auf dem Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen gebe es eine klare Ausrichtung auf die "Bild"-und die "Welt"-Gruppe. Diese beiden Titel blieben ein unverzichtbarer Kern des Unternehmens. Zur Strategie gehöre der Ausbau von Online-Rubrikenmärkten und digitalen Vermarktungsplattformen.

Funke-Geschäftsführer Thomas Ziegler erklärte, mit der Übernahme der Springer-Titel wolle die Mediengruppe zu einem führenden nationalen Medienhaus werden. Print und Online, Regionalzeitungen und Magazine sollten die journalistische Qualität und den wirtschaftlichen Ertrag sichern.

DJV: Springer verwandelt sich

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) erklärte, Axel Springer sei dabei, sich von einem der renommiertesten Verlage Europas in einen Mischkonzern mit digitalem Schwerpunkt zu verwandeln. Der DJV-Geschäftsführer in Hamburg, Stefan Endter, sagte der dpa, angesichts der Rationalisierungsmaßnahmen der Funke-Gruppe bei der "WAZ" sei die Sorge um die Sicherheit der Arbeitsplätze bei den Medienobjekten berechtigt. Die Verkaufsankündigung bezeichnete er als ziemlich katastrophal.

An der Börse startete nach den Neuigkeiten hingegen ein regelrechtes Kursfeuerwerk: Die Springer-Aktie kletterte bis zum frühen Nachmittag um mehr als 20 Prozent auf über 42 Euro. Analyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe sprach von einer sehr guten Nachricht für das Unternehmen. "Ich habe nicht erwartet, dass Springer sich so schnell von solchen Traditionsmarken trennen würde."

Der Medienkonzern Axel Springer

Axel Springer gilt als eines der wichtigsten Zeitungshäuser in Europa. Mit der "Bild"-Zeitung als Marktführer, Regionalblättern und Zeitschriften hat das 1946 von Axel Cäsar Springer (1912-1985) gegründete Unternehmen die deutsche Medienlandschaft mitgeprägt. Die "Berliner Morgenpost" und das "Hamburger Abendblatt" sowie die Programm-und Frauenzeitschriften, die nun an die Mediengruppe Funke verkauft werden, gehörten über Jahrzehnte zum Stammgeschäft.

Doch mittlerweile gehen mehr als ein Drittel von Umsatz und Gewinn auf das Konto des Online-Bereichs. Im vergangenen Jahr lösten die digitalen Medien die Inlandszeitungen als stärkste Sparte ab. Mit rund 13.600 Mitarbeitern erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Jahr 3,3 Milliarden Euro. Über Tochtergesellschaften, Joint Ventures und Lizenzen ist Axel Springer in 44 Ländern aktiv.

Funke Mediengruppe - Zeitungen, Illustrierte und Anzeigenblätter

Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) ist der prominenteste Titel der Funke Mediengruppe. Dass sie auch "Gong", "Frau im Spiegel" und viele andere Illustrierte publiziert, ist weniger bekannt. In der Essener Zentrale jedenfalls füllen die Blätter aus dem eigenen Haus ein ganzes Regal. In Nordrhein-Westfalen sind es neben der "WAZ" noch "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" (NRZ), "Westfalenpost" und "Westfälische Rundschau".

Außerhalb von NRW kommen noch die "Thüringer Allgemeine", die "Ostthüringer Zeitung" und die "Thüringische Landeszeitung" sowie die "Braunschweiger Zeitung" hinzu. In Österreich ist die Gruppe an "Kronen Zeitung" und "Kurier" beteiligt.

Insgesamt erscheinen bei Funke 30 Tages- und Wochenzeitungen, 170 Illustrierten und Fachzeitschriften sowie Anzeigenblätter und Kundenzeitschriften. Die deutschen Tageszeitungen haben eine Auflage von knapp 1,1 Millionen. Der Funke-Umsatz lag 2011 bei 1,1 Milliarden Euro. In Deutschland hat die Gruppe 6000 Mitarbeiter.

Tochter Funkes hält Mehrheit

Die "WAZ" wurde 1948 von Erich Brost und Jakob Funke gegründet. 2012 hatte Petra Grotkamp, eine Tochter Funkes, den Brost-Anteil übernommen und hält 66,6 Prozent. Für den Anteil soll sie 500 Millionen Euro gezahlt haben, das wurde aber nie bestätigt. Nach der Übernahme benannte sich das Unternehmen von "WAZ Mediengruppe" in "Funke Mediengruppe" um.

Im Januar überraschte das Medienhaus seine Leser und die Branche damit, dass die Redaktion der "Westfälischen Rundschau" geschlossen und 120 Stellen abgebaut wurden. Die Zeitung existiert aber weiter - die Inhalte kommen jetzt von den Schwester-Blättern, aber auch von Konkurrenten wie den "Ruhr Nachrichten". Das Management begründete den Schritt damit, den Titel trotz Kostendrucks erhalten zu wollen.

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