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20 Prozent auf alles: Bei der Praktiker-Anleihe droht Totalausfall


20 Prozent auf alles: Bei der Praktiker-Anleihe droht Totalausfall

31.07.2013, 18:14 Uhr | Anke Leuschke für t-online.de

20 Prozent auf alles: Bei der Praktiker-Anleihe droht Totalausfall. In die Sanierung von Praktiker will sich ein neuer Geldgeber einmischen (Quelle: dapd)

Angeschlagene Baumarktkette Praktiker (Quelle: dapd)

Der Fall Praktiker führt vor Augen, dass Unternehmensanleihen nicht immer sicherer Aktienersatz sind. Seit Bekanntgabe der Insolvenz kann man der Praktiker-Anleihe (ISIN: DE000A1H3JZ8) buchstäblich dabei zusehen, wie sie täglich an Wert verliert. Per Stand 30. Juli 2013 wurde sie mit weniger als zehn Prozent des Nennwerts gehandelt, bevor sie sich am Mittwoch wieder erholte. Anleger, die das Papier bei der Neuemission gezeichnet haben, müssen mit einem großen Schuldenschnitt, wenn nicht sogar einem Totalausfall rechnen. Am eigenen Leib erfahren sie jetzt, dass selbst Investments in bekannte Markennamen bei Unternehmensanleihen zu Ausfällen führen können.

Markenname überblendet genaue Risikoanalyse

Oftmals lassen sich Sparer von dem guten Ruf der Unternehmen und den Zinsversprechen blenden, ohne die tatsächlichen Risiken zu kennen. Zum Ausgabezeitpunkt 2011 war die Praktiker-Anleihe zweifach überzeichnet. "Der Zinskupon von 5,875 Prozent war einfach zu verlockend", sagte Stefan Wallrich, Vorstand der Wallrich Asset Management AG in Frankfurt. Zehnjährige Bundesanleihen warfen damals nicht einmal halb so viel Rendite ab. "Gerade deshalb dürfen Anleger nicht sämtliche Warnsignale ignorieren."

Hoher Zinssatz ist ein Alarmzeichen

Anleger sollten sich vor dem Kauf einer Unternehmensanleihe zunächst fragen, warum das Unternehmen überhaupt ein solches Papier herausgibt. Praktiker nahm bei der Emission 250 Millionen Euro ein. Damit löste die Baumarktkette einen Teil der Altschulden bei Banken ab. Für Wolfgang Köbler, Vorstand der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg, immer ein Grund, genauer hinzuschauen. Werden Hausbanken mit der Tilgung komplett aus der Verantwortung genommen oder gar Darlehen von Alteigentümern zurückgezahlt, stellt sich die Frage, ob hier nicht ein Risiko auf die Anleihezeichner abgewälzt werden soll.

Positiv zu bewerten ist, wenn Emissionserlöse dazu dienen, in neue Märkte oder Produkte zu investieren und damit das Unternehmenswachstum voranzutreiben. "Beim Zinssatz hätte bei Praktiker spätestens eine Alarmglocke schrillen müssen", fügt Köbler hinzu. Denn grundsätzlich gilt: Je höher die Verzinsung, desto größer das Risiko. Privatanleger ignorieren gerade diesen Umstand gerne. Die Gier in Zeiten von Minizinsen für Sparbuch, Tagesgeld und Staatsanleihen scheint zu groß zu sein.

Ratings kritisch hinterfragen

Das Risiko spiegelt sich eigentlich in den Ratings von Unternehmen wieder. Konzerne wie Praktiker haben oftmals eine Bewertung unterhalb des Investment Grades, sprich, eine schlechtere Bonitätsnote als BBB-. An der Börse kennt man solche Papiere als Schrottanleihen oder Junk Bonds. Praktiker selbst hatte sogar gar kein Rating. Ein Umstand, der es für Sparer noch schwieriger mache, die Spreu vom Weizen zu trennen, betont Finanzprofi Stefan Wallrich.

Zum Vergleich: Ein Schuldner wie der amerikanische Mischkonzern General Electric verfügt über die Bonitätsnote AAA. Das entspricht dem besten Rating, das ein Unternehmen oder Land für seine Kreditwürdigkeit erhalten kann. Dafür verzinst sich eine General Electric-Anleihe mit einem Jahr Restlaufzeit (ISIN FR0010778928) nominal nur mit 3,75 Prozent. Bessere Bonität, geringere Ausfallwahrscheinlichkeit, gleich niedrigerer Zinssatz. Eigentlich eine einfache Formel, die in die umgekehrte Richtung ebenfalls gilt.

Unternehmensanleihen eigenen sich für jeden Anlegertyp

Eignen sich also Unternehmensanleihen überhaupt für Privatanleger? "Grundsätzlich schon", urteilt Wolfgang Köbler. Ein Fonds sei in der Regel eine bessere Lösung als das Direktinvestment (siehe Tabelle unten). Mit ausgewählten Unternehmensanleihe-Fonds verteilen Privatanleger das Risiko eines Zahlungsausfalls auf viele Schultern. Klumpenrisiken können vermieden werden, die richtige Auswahl wird einem Profi überlassen - wenngleich der Fondsmanager bei einer Insolvenz eines Unternehmens nicht anders behandelt wird als der Privatkunde. Durch die breite Streuung fällt im Zweifel eine Unternehmenspleite aber nicht so stark ins Gewicht wie bei einem Direktinvestment. Die Verluste sind dementsprechend geringer.

Investmentfonds für Unternehmensanleihen 

Fondsname

ISIN

Performance
3 Jahre in %

Zantke Euro High Yield AMI P (A)

DE000A0YAX56

31,1

Acatis IFK Value Renten UI A

DE000A0X7582

23,7

Allianz Pimco Corp. Bond Europe High Yield A

LU0110014080

27,7

BGF Global High Yield Bond Hedged A2 (EUR)

LU0093504206

27,7

Spaengler Bond High Yield (T)

AT0000734975

29,4

Quelle: Onvista, Stand 30.07.2013

Profis stoßen Problem-Papiere eher ab

Weiterer Vorteil eines Fonds: Privatanleger tendieren bei Direktinvestments dazu, ihre Papiere bis zum Schluss zu halten - also im Normalfall bis zur Rückzahlung. Profis hingegen stoßen sie spätestens dann ab, wenn erste Probleme im Unternehmen bekannt werden. Dann gerät nämlich der Anleihekurs ins Schlingern.

So wie im Falle der Anleihe von Praktiker. Seit Jahresanfang befindet sich der Kurs im Sinkflug. Institutionelle Anleger sind schon längst ausgestiegen. Nur private Sparer und Spekulanten halten noch tapfer ihre Anteile. Letztere setzen darauf, dass sie am Ende des Insolvenzverfahrens mehr zurückerhalten als die rund zehn Prozent, die das Papier aktuell an der Börse noch wert ist.

Ähnlicher Fall einst bei HeidelbergCement

Nicht nur der Fall Praktiker zeigt, dass Unternehmensanleihen heftige Kursrückschläge erleiden können. Auch der Kurs der 2007 emittierten Anleihe des DAX-Konzerns HeidelbergCement sackte im Januar 2009 binnen weniger Tage von 75 Prozent auf rund 40 Prozent ab, nachdem Großaktionär Adolf Merckle wenige Tage zuvor freiwillig aus dem Leben schied.

Zum Vergleich: Die HeidelCement-Aktie gab im gleichen Zeitraum nur um 17,6 Prozent nach. Die finanzielle Zukunft des Unternehmens, das sich wegen der Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson mit zwölf Milliarden Euro verschuldete, wurde mit einem Schlag noch unsicherer. Mit Sparplänen und Entlassungen rettete HeidelbergCement-Chef Bernd Scheifele den Konzern vor der Pleite. Nach gut einem halben Jahr erholte sich auch der Anleihekurs wieder. Inzwischen steht das Unternehmen weitaus besser da als vor der Krise. Wer aber solche Kursschwankungen im Zweifel nicht aushält, der sollte keine Unternehmensanleihen kaufen. Höchstens per Fonds.

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