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Bundesliga-Klubs überschuldet: Die Liga braucht mehr Transparenz


Fußballklubs überschuldet  

Bundesliga braucht mehr Transparenz

06.08.2013, 15:53 Uhr | oca, kst, t-online.de

Bundesliga-Klubs überschuldet: Die Liga braucht mehr Transparenz . Kämpfen müssen die Vereine nicht nur auf dem Platz - die wirtschaftliche Komponente gewinnt immer mehr an Bedeutung (Quelle: imago/team2)

Kämpfen müssen die Vereine nicht nur auf dem Platz - die wirtschaftliche Komponente gewinnt immer mehr an Bedeutung (Quelle: imago/team2)

Die Deutsche Bundesliga ist zurzeit das Maß aller Dinge in Europa. Doch sie steht am Scheideweg. Am Mittwoch kommt die Deutsche Fußball Liga (DFL) zusammen und verhandelt Medienberichten zufolge über einen Antrag zur Verschärfung der Lizenzregeln. Die Generalversammlung dürfte kurz vor dem Bundesligastart am Freitag für viel Diskussionsstoff sorgen. Denn offenbar sind einige Vereine in finanzieller Schieflage. So tauchen im deutschen Lizenzierungsverfahren viele wichtige Zahlen in den Unterlagen nicht auf.

Vorbild für Europa

Sportlich wurde in der vergangenen Saison mit dem Gewinn der Champions League durch den FC Bayern München im Finale gegen Borussia Dortmund ein Ausrufezeichen gesetzt. Auch wirtschaftlich gilt die Liga mit dem Lizenzierungsverfahren der DFL als Vorbild für den Kontinent. Sogar die UEFA orientiert sich mit der Einführung des europaweiten Financial Fair Play (FFP) ab der kommenden Saison an den deutschen Vorgaben.

DFL prüft nur Liquidität

Doch die strengen Regeln der DFL haben eine Schwachstelle."Die Deutsche Fußball Liga betrachtet bei der Lizenzprüfung der Vereine fast ausschließlich die Liquidität für die folgende Saison", sagte Marc Strauß vom Centrum für Bilanzierung und Prüfung (CBP) an der Universität des Saarlandes gegenüber t-online.de. Für den Experten wäre eine längerfristige Betrachtung sinnvoll. Hierdurch könnte eine größere wirtschaftliche Stabilität einiger Klubs erreicht werden.

Für das "Manager Magazin" hatte er die jeweils letzten drei veröffentlichten Jahresabschlüsse von zwölf Bundesliga-Klubs analysiert. Für die anderen Erstligavereine werden keine Jahresabschlüsse veröffentlicht. Demnach besteht bei vier Klubs ein negatives Eigenkapital: Hamburger SV, FC Schalke 04, Hertha BSC, FC Augsburg. "Eine solche bilanzielle Überschuldung ist ein Indiz für eine kritische Situation", so der Sportfinanzexperte gegenüber t-online.de.

"Die DFL kann auf Verstöße gegen die sogenannte Kapitalauflage mit Geldstrafen oder Punktabzügen reagieren", sagte Strauß.

Mit Tochterfirmen Bilanz schönen

Vereine wie Hertha BSC, der Hamburger SV und Schalke 04 betreiben jedoch eine Art Bilanzkosmetik. Der Hauptstadtklub zum Beispiel nutzt nach Ansicht von "Focus" eine Tochtergesellschaft, um seine Zahlen zu schönen. Und der FC Schalke 04 steckt beispielsweise in einem verworrenen Konzerngeflecht mit einer zweistelligen Anzahl von Gesellschaften, weiß die "Zeit". Der Verein kann so etwaige Schulden zwischen den einzelnen Gesellschaften hin- und herschieben.

Die Knappen kommen auf ein negatives Eigenkapital von 75,7 Millionen Euro im Jahr 2012. Auch beim Hamburger SV, dem FC Augsburg, Hannover 96 und Hertha BSC war das Eigenkapital nach "Focus" aufgebraucht.

Laut "Manager Magazin" ist es kurzfristig nicht möglich, aus dem durchschnittlichen operativen Cashflow die effektiven Schulden zu tilgen. So bräuchten die Hertha aus Berlin und der HSV etwa zehn Jahre, Schalke 04 benötige sogar fast zwölf Jahre, um schuldenfrei zu werden. In der freien Wirtschaft gilt ein Wert von sieben oder mehr Jahren als kritisch.

Vereine jetzt Wirtschaftsunternehmen

Nach Informationen des "Manager Magazins" will DFL-Chef Christian Seifert ab März 2014 Konzernabschlüsse zur Grundlage der Lizenzierung machen. Demnach sollen die Klubs dazu verpflichtet werden, ihre Finanzen wie bei Wirtschaftsunternehmen zu regeln. Eine Verschärfung, die bereits von Führungspersonen aus der Bundesliga gefordert wurde. 

Martin Kind, Co-Eigner und Präsident von Hannover 96, sagte unlängst in einem Interview mit dem "Manager Magazin", dass die Profiklubs mittlerweile Wirtschaftsunternehmen seien und dementsprechend auch so geführt werden müssten - die Vereine sollten "ihre Strukturen daran ausrichten".

In diese Richtung geht auch Wolfgang Holzhäuser, scheidender Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen. In einem Interview mit dem "Manager Magazin" warnte er vor einer Schönrechnerei und erklärte, dass es den deutschen Proficlubs im europäischen Vergleich zwar gut gehe, aber das "heißt nicht, dass alle Vereine betriebswirtschaftlich gesund sind".

Holzhäuser: Tochterfirmen müssen geprüft werden

Man müsse der DFL für die gute Arbeit danken, weshalb noch kein Verein während der Saison "die Segel streichen" musste, sagte Holzhäuser. Es nütze nichts, wenn jedes Jahr die Liquidität beschafft würde, aber die Schulden weiter stiegen. Demnach sollten bei der Vergabe der Lizenz die Erträge zwischen Tochtergesellschaften nicht mehr hin- und hergeschoben werden können und so die Liquiditätssituation oberflächlich aufgebessert werden. Tochterfirmen müssten in die wirtschaftliche Bewertung einbezogen werden.

Es bleibt abzuwarten, wohin die Entwicklung geht. Tatsache ist, dass die Klubs sich nicht immer weiter verschulden können. Deswegen sind die Regeln der DFL gut, reichen aber bei weitem noch nicht aus.

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