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Gastkolumne: Was steigende Zinsen für Anleihenbesitzer bedeuten


Gastkolumne  

Volle Kraft voraus? 
Was steigende Zinsen für Anleihebesitzer bedeuten

14.10.2013, 21:44 Uhr | von Susanne Woda, Merito Asset Management

Gastkolumne: Was steigende Zinsen für Anleihenbesitzer bedeuten. Auf eine Wende beim Niedrigzins müssen Anleihebesitzer reagieren (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auf eine Wende beim Niedrigzins müssen Anleihebesitzer reagieren (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Anleihebesitzer konnten sich in den letzten Jahren über überdurchschnittliche Depotentwicklungen freuen, denn die sinkenden Marktzinsen sorgten insbesondere bei langlaufenden Rentenpapieren für erquickliche Kurssteigerungen. Doch die Luft wird dünner und Anleger müssen sich mit dem Szenario steigender Zinsen auseinandersetzen.

Die maue Wirtschafts- und Verschuldungssituation in den Industrieländern könnte zwar noch weiter für ein künstlich niedriges Zinsniveau sorgen, doch die Zinswende steht vor der Tür. Anleger sind gut beraten, sich darauf einzustellen bevor es andere tun.

Regulierung geschieht über Kurs der Anleihen

Die Renditen klassischer Anleihen mit einem Fixkupon passen sich den Änderungen des Marktzinsniveaus an. Da aber die Kupons nicht veränderbar sind, muss die Regulierung über die Änderung des Anleihekurses geschehen. In den letzten Jahrzehnten haben die sinkenden Marktzinsen so zu steigenden Kursen geführt.

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Andersherum drohen bei steigenden Zinsen aber fallende Kurse, besonders bei Langläufern. Um wie viel Prozent eine Anleihe bei einer Zinsänderung von einem Prozentpunkt schwanken wird, kann an der „Modified Duration“ abgelesen werden. Sie wird beeinflusst von Laufzeit, Kupon und Rendite einer Anleihe. Bei der bis Januar 2024 laufenden Bundesanleihe beträgt sie beispielsweise 7,2 Prozent.

Ein Prozent höhere Zinsen bedeutet großen Verlust

Wenn die langfristigen Zinsen nur um lediglich einen Prozentpunkt ansteigen, ergibt sich ein Kursverlust 7,2 Prozent. Natürlich kann die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden, doch wer will eine zehnjährige Bindung eingehen für eine jährliche Rendite von 1,77 Prozent? Diese deckt kaum die offizielle Inflationsrate.

Doch wie können Anleihebesitzer Kursverluste vermeiden oder, besser noch, von steigenden Zinsen profitieren? Ein erster Schritt ist die Verkürzung der Duration im Depot. Dies reduziert die Kursanfälligkeit für steigende Zinsen und hält die Möglichkeit offen, nach Endfälligkeit zu höheren Zinsen zu reinvestieren. Dafür muss sich der Anleger jedoch in Verzicht üben, denn kürzer laufende Anleihen werfen eine noch geringere Rendite ab.

Diese Alternativen können helfen

Alternativen für steigende Zinsen sind auch so genannte Floater, deren Kupon sich regelmäßig an das Zinsniveau anpasst. Auch Inflationsanleihen könnten von steigenden Zinsen profitieren - wenn diese in einer Steigerung des Preisniveaus begründet sind. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang Hybridanleihen, deren Zinsgestaltung vielfältig ausfällt und damit eine differenzierte Anpassung der Anlagestrategie an die Markterwartungen bietet.

Genannt seien an dieser Stelle die „Fix-to-Float“-Anleihen, welche dem Anleger einen festen Kupon bis zu einem festgelegten Zeitpunkt sichern, danach wird auf variable Verzinsung umgestellt. Und auch Papiere, deren Verzinsung auf der Zinsstrukturkurve basiert, sind in der aktuellen Situation besonders attraktiv.

Aufgrund der komplexen Anleihebedingungen und erhöhten Bonitätsrisiken von Hybridanleihen sind sie für Einzelinvestments in privaten Depots nur bedingt geeignet. Nicht vergessen sollten Anleger zudem den Blick über den Tellerrand. Die weltweite Zinslandschaft hat eine große Bandbreite und in einigen Ländern bieten sich bessere Voraussetzungen für Anleiheinvestments als in den Industriestaaten.

Es gibt Anzeichen für eine Zinswende

Wie sich die Zinslandschaft hierzulande kurzfristig entwickeln wird, ist aktuell nicht sicher vorherzusagen. Selbstredend sind die Zinsen in den Industrieländern niedrig und das spricht für eine anstehende Zinswende. In dieser Erwartung hatten sich im Jahresverlauf institutionelle Investoren positioniert und einen Zinsanstieg durch die mögliche Reduzierung der Anleihekäufe in den USA bereits vorweggenommen.

Doch sie wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Von Tapering keine Spur, die Fed pumpt unverändert Milliarden in den Markt. Und auch die Neubesetzung des Fed-Vorsitzes mit Janet Yellen, die drohende Überschreitung der US-Schuldengrenze und der Shut-Down in den USA verheißen kaum Aussicht auf Änderung.

Auch in Europa lässt der Druck, die Staatsverschuldung durch niedrige Zinsen im Griff zu behalten, vorerst nicht nach und Japan muss die Druckerpresse am Laufen halten, wenn es nicht auf halber Strecke aufgeben will.

Die Zinsen könnten also noch geraume Zeit auf niedrigem Niveau verharren. Die Herausforderung wird sein, daraus Nutzen zu schlagen und sich gleichzeitig auf eine zukünftige Zinswende einzustellen. Je eher desto besser.

Susanne Woda (Quelle: Privat)Susanne Woda (Quelle: Privat)

Susanne Woda ist seit 2012 als Portfoliomanagerin bei Merito Asset Management tätig und verantwortet dort den Bereich Aktien und Anleihen. Die Autorin hat über zwölf Jahre Erfahrung in der Finanzbranche. Nach einer Banklehre und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre vertiefte sie im Wealth Management der Commerzbank ihre Kenntnisse in Wertpapieranalyse und Portfoliomanagement.

-- Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de. --

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