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USA: Finanzexperten warnen vor verfrühter Hoffnung


US-Haushaltsstreit  

Stunde Null in den USA – Einigung in letzter Minute?

16.10.2013, 20:09 Uhr | t-online.de - Frank Lansky, mit AFP

USA: Finanzexperten warnen vor verfrühter Hoffnung. Die USA kommen wohl wieder mit einem blauen Auge davon (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die USA kommen wohl wieder mit einem blauen Auge davon (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Anzeichen für eine Einigung im Schuldenstreit verdichten sich. Damit ist die Welt wohl knapp an erheblichen Verwerfungen am Finanzmarkt vorbeigeschrammt. Doch Risiken bleiben bis zuletzt. t-online.de berichtet, wie Experten die Sache sehen und wie es nun weitergeht.

US-Hoffnung schiebt DAX auf neuen Rekord

Die Börse feierte die Einigung im US-Etatstreit schon einmal vorab: Obwohl noch nichts in trockenen Tüchern war, zog der DAX am Mittwoch erneut auf ein Rekordhoch davon. "Die Marktteilnehmer reagieren zu sorglos in Erwartung einer Einigung eine Minute vor Mitternacht", urteilt Stefan Keitel, Global Chief Investment Officer bei der Privatbank Berenberg, im Gespräch mit t-online.de.

Und was, wenn die Einigung in letzter Minute nun doch torpediert wird – etwa durch einen Filibuster, also eine endlos lange Rede im Senat? Berenberg-Experte Keitel warnt: "Wenn heute Nacht nichts passiert, hätten wir zwar nicht das Ende der Welt, auch nicht das Ende des US-Wirtschaftssystems, aber durchaus zunehmende Unsicherheit und Schwankungen an den Weltbörsen."

Heiko Seibel, Geschäftsführer des Münchener Vermögensverwalters Oktavest, befürchtet in diesem Fall das Schlimmste: "Schuldenausfälle sind – wie auch Finanzkrise eindrucksvoll gezeigt hat – immer deflatorische Events. Da bedeutet, dass alle Kurse abstürzen und dass Cash gefragt ist."

Zwar stünden dei Notenbanken Gewehr bei Fuß, betont Seibel auf t-online.de-Anfrage. "Sicher ist aber: Die Lehman-Krise aus dem Herbst 2008 wäre ein 'walk in the park' im Vergleich zu einem US-Schuldenausfall. Eine mittelfristige Aktienmarktkorrektur würde in der Region 50 Prozent plus X ablaufen, sicherlich würden auch die länger laufenden Anleihen mit einer deutlichen Risikoprämie belegt werden, die Renditen würden also anziehen. Der Goldpreis würde leicht unter 1000 Dollar abrutschen."

Berenberg-Manager setzt auf Gold

Berenberg-Manager Keitel sieht das anders - für ihn wäre Gold als sicherer Hafen gefragt. "Die fundamentalen Treiber sind langfristig intakt und nur temporär aus den Augen der Anleger verschwunden," erläutert Keitel. Zudem seien Negativfaktoren wie steigende Realzinsen, das Krisenmanagement in der Eurozone, fallende Inflation oder der Einbruch der physischen Nachfrage mittlerweile eingepreist.

Zudem könnte Gold davon profitieren, dass viele Anleger US-Staatsanleihen wegen der Querelen eben nicht mehr als sicheren Hafen sehen.

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Kampf gegen die Panik

Für den Fall eines Falles erklärte Finanzminister Jack Lew, dass Washington um jeden Preis einen "potenziell katastrophalen" Schock auf den Kreditmärkten verhindern wolle. Dies würde aber wohl bedeuten, dass viele Rentner, Soldaten und andere Empfänger staatlicher Leistungen auf ihr Geld warten müssten. Statt der Panik der Anleger droht der Regierung dann der Zorn des Volkes.

Auch Adrian Brass, Fondsmanager des Fidelity America Fund, glaubt nicht, dass die Investoren leiden werden: "Trotz des politischen Gerangels um die Anhebung der Verschuldungsgrenze ist es äußerst unwahrscheinlich, dass das Land seinen Zahlungsverpflichtungen tatsächlich nicht nachkommen wird. Aus politischer Sicht bleiben der Regierung selbst nach dem ersten Fristablauf am 17. Oktober noch einige Tage, in denen sie mit ihren Steuereinnahmen ihre dringendsten finanziellen Verpflichtungen erfüllen kann." Und weiter: "Eine potenzielle Finanzkrise, zu der ein bislang noch nie dagewesener Zahlungsausfall bei US-Anleihen führen könnte, will niemand."

Rechnungen müssen bezahlt werden

Und so geht es nun bei einer Einigung weiter: Die USA dürfen wieder neue Schulden zur Deckung des Fehlbetrags aufnehmen. Dann stehen die ersten Zahlungen an: Am 23. Oktober muss die Regierung beispielsweise zwölf Milliarden Dollar für Schecks an Rentner aufbringen, am 1. November sind dann weitere 58 Milliarden Dollar für Renten, Sold für Militärangehörige und Krankenversicherungsausgaben fällig.

Am 24. und 31. Oktober muss das Finanzministerium Staatsschulden in Höhe von 93 Milliarden Dollar beziehungsweise 115 Milliarden Dollar refinanzieren. Am 31. Oktober werden außerdem Zinszahlungen von sechs Milliarden Dollar fällig.

Die USA hatten die Schuldenobergrenze eigentlich schon im Mai erreicht. Das Finanzministerium konnte die Zahlungsunfähigkeit aber mit Sondermaßnahmen wie dem Aussetzen von Beiträgen in Pensionsfonds hinauszögern. Laut Finanzminister Lew ist dieser Spielraum nun am Donnerstag erschöpft. Dann seien nur noch 30 Milliarden Dollar in der Staatskasse. Durch Steuereinnahmen und Umschichtungen könnte die Regierung zunächst weiter flüssig bleiben, die Einnahmen lägen aber unter den täglichen Ausgaben.

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