Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

Deutsche Ökonomen reden Klartext: US-Kritik an Exportstärke ist "völliger Unsinn"


Ökonomen reden Klartext  

US-Kritik an deutscher Exportstärke ist "völliger Unsinn"

01.11.2013, 06:46 Uhr | dpa, dpa-AFX, rtr, t-online.de

Deutsche Ökonomen reden Klartext: US-Kritik an Exportstärke ist "völliger Unsinn". Wirtschaftsvertreter und -Experten aus Deutschland haben empört auf die Attacke der US-Regierung reagiert (Quelle: Reuters)

Wirtschaftsvertreter und -Experten aus Deutschland haben empört auf die Attacke der US-Regierung reagiert (Quelle: Reuters)

"Nicht nachvollziehbar", "völliger Unsinn", "schlichtweg falsch": Deutsche Ökonomen haben die ungewöhnlich scharfe Kritik der US-Regierung an der Exportstärke Deutschlands jetzt harsch zurückgewiesen. Doch die Vorwürfe sind nicht überall auf taube Ohren gestoßen.

Exportbranche kontert Attacke

Auch Vertreter der Exportbranche hierzulande empörten sich über die amerikanische Attacke. Die Vorwürfe aus den USA seien "völliger Unsinn", zitierte der "Spiegel" Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Maschinenbauer-Branchenverbands VDMA.

Hesse betonte demnach, die deutsche Wirtschaft sei ein Fundament, "auf dem die wirtschaftliche Stabilität Europas steht". Ohne diese Stärke würde ganz Europa vermutlich in eine Wirtschaftskrise schlittern, sagte der VDMA-Mann dem Magazin.

Anzeige
Jobs im Ausland
Jobs im Ausland

Wählen Sie ein Land:


Binnennachfrage hat kaum Einfluss auf Importe

"Wer Deutschland empfiehlt, die Binnennachfrage zu stärken, sollte sich erst mal die Zahlen ansehen", sagte Roland Döhrn, Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), der "Welt". Nur rund 15 Prozent der privaten Konsumausgaben entfielen auf Importe, mehr Binnennachfrage hätte deshalb einen sehr geringen Einfluss auf die Importe.

Auch Anton Börner, Chef des Außenhandelsverbands BGA, zeigte wenig Verständnis für die Schelte aus den USA. Als ein kleines Land im Weltmaßstab hätte die Bundesrepublik gar keine Alternative, als Produkte weltweit anzubieten, erklärte der BGA-Präsident.

"Die Kritik der deutschen Exportstärke ist ein alter Hut und wird auch durch ständiges Wiederholen nicht richtig", sagte er der "Welt" und fügte hinzu: "Wir bieten Spitzenprodukte und Topqualität, die weltweit viele Abnehmer findet. Wenn andere Länder nicht ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, werden die Überschüsse auch künftig so hoch bleiben."

Chef-Ökonom schlägt zurück

"Das amerikanische Finanzministerium weiß nicht, wovon es spricht", sagte Michael Hüther, Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), der "Welt". Der deutsche Erfolg im Außenhandel beruhe nicht auf niedrigen Löhnen, sondern auf wettbewerbsfähigen Unternehmen.

Deutschland sei in der exportstarken Industrie sogar ein Hochlohnland. "Deutsche Unternehmen arbeiten zudem häufig in Segmenten, die die Industrien anderer Länder gar nicht bedienen können." Die Vorwürfe, Deutschland habe eine zu schwache Binnennachfrage, seien schlichtweg falsch.

Das Gewerkschaftslager teilt indes die Kritik der US-Regierung an den deutschen Ausfuhren. "Sie ist absolut gerechtfertigt", sagte der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. "Denn wir schaden uns mit dieser Politik letztlich nur selbst."

"Wir erzeugen damit ein Scheinvermögen"

Ein Großteil der Überschüsse lande über den Kapitalexport im Ausland. "Wir erzeugen damit ein Scheinvermögen." Bei der nächsten Abwertung einer Auslandswährung oder einer Schuldenkrise sei ein Teil des Geldes verloren.

Wegen der Krise in Europa sei in den vergangenen Jahren bereits ein Fünftel der deutschen Auslandsanlagen verloren gegangen. "Wir produzieren hochwertige Güter und schmeißen dann das Geld zum Fenster raus", sagte Horn.

Neuer Rekord bereits in Sicht

Im Jahr 2012 lag der deutsche Überschuss mit umgerechnet 238 Milliarden Dollar sowohl über dem von China (193 Milliarden Dollar) als auch dem des ölreichen Saudi-Arabien (165 Milliarden Dollar).

Mit der Erholung der Weltkonjunktur dürfte sich der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf die 200-Milliarden-Euro-Marke zubewegen, prognostiziert das Münchner Ifo-Institut. Das wäre ein Rekord.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Der Sommer zieht ein: shoppe Outdoor-Möbel u.v.m.
jetzt auf otto.de
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal