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Solarworld kauft Bosch-Solargeschäft in Thüringen


Übernahme ohne Geld?  

Solarworld kauft Bosch-Solargeschäft in Thüringen

26.11.2013, 13:06 Uhr | AFP, t-online.de, dpa-AFX

Solarworld kauft Bosch-Solargeschäft in Thüringen. Im Bosch-Werk in Arnstadt wird zukünftig Solarworld Zellen und Module fertigen (Quelle: imago/viadata)

Im Bosch-Werk in Arnstadt wird zukünftig Solarworld Zellen und Module fertigen (Quelle: imago/viadata)

Der angeschlagene Konzern Solarworld übernimmt wesentliche Teile des Solargeschäfts von Bosch. Das teilten die Unternehmen mit. Dazu gehört die Fertigung von Zellen und Modulen am Hauptstandort der Bosch-Sparte im thüringischen Arnstadt. Ein großer Teil der betroffenen Mitarbeiter soll dort weiter arbeiten können. Solarworld bekommt die Anlagen in Arnstadt offenbar, ohne Geld dafür zahlen zu müssen.

800 Jobs sollen erhalten bleiben

Nach bisherigen Solarworld-Angaben arbeiten noch rund 1600 Mitarbeiter in Arnstadt. Rund 800 Mitarbeiter sollen am Standort weiterbeschäftigt werden, wie Solarworld ankündigte. Solarworld übernimmt neben der Produktion von Zellen und Modulen in Arnstadt auch eine Modulfertigung der Bosch Solar Energy AG. Der Verkauf der Zell- und Modulfertigung in Arnstadt solle Ende Februar abgeschlossen werden, teilte die Firma mit. Nach Angaben Boschs muss noch mit den Arbeitnehmervertretern eine Einigung erzielt werden. Der Vertrag über den Verkauf sei aber bereits unterzeichnet worden.

Bosch-Autoelektronik-Produktion kommt nach Arnstadt

Neben Solarworld wolle in Arnstadt künftig auch ein Unternehmen pharmazeutische Produkte herstellen, teilte Bosch mit. Dadurch könnten rund 100 Arbeitsplätze entstehen. Dazu liefen noch Verhandlungen. Bosch selbst wolle die Produktion von Autoelektronik von Ungarn nach Arnstadt verlagern.

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Daneben solle eine Serviceorganisation und eine Handelsgesellschaft gegründet werden, um die Verpflichtungen aus dem bisher zum Unternehmen gehörenden Solargeschäft abzuwickeln, teilte Bosch mit. Durch diese Planungen Boschs könnten "mittelfristig weitere rund 250 Arbeitsplätze erhalten werden".

Spekulationen über "Mitgift" für Übernahme

Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Der Kauf der Fertigung Boschs werde "die Finanzmittel der Solarworld AG nicht reduzieren", erklärte Solarworld. Am Markt war zuvor spekuliert worden, dass Bosch sogar noch eine "Mitgift" für die Übernahme zahle.

Laut Unternehmenschef Frank Asbeck wird Solarworld durch die Übername zum "größten kristallinen Solarhersteller außerhalb Chinas" mit einer Kapazität von mehr als einem Gigawatt. Die Produktion von Solarsilizium will Asbeck aus Kostengründen von Arnstadt ins arabische Katar verlagern.

Der Stuttgarter Industriekonzern selbst äußerte sich zum Verkauf nicht. Bosch kommt der Ausflug ins Solargeschäft ohnehin teuer zu stehen: Allein bis Ende 2012 verbrannte Bosch damit rund 2,4 Milliarden Euro. Weitere Verluste dürften aus dem laufenden Geschäftsjahr dazukommen.

Ausstieg aus Solargeschäft

Ende Januar hatte Bosch berichtet, dass seine Solaraktivitäten keinen buchhalterischen Restwert mehr besäßen. In den Büchern stünden praktisch nur noch die Grundstückswerte - Chancen zum Geldverdienen sah man mit dem Geschäftsmodell absehbar keine.

Im März kündigte Bosch dann an, aus dem Solargeschäft auszusteigen. Davon waren rund 3000 Beschäftigte waren betroffen. Die Solartochter Bosch Solar Energy ist allerdings nur ein kleiner Ausschnitt der Bosch-Welt in ganz Deutschland mit insgesamt 119.000 Beschäftigten.

Einstieg von Katar rettete Solarworld

Solarworld selbst hatte bis in den Sommer mit massiven Finanzproblemen zu kämpfen. Die Rettung brachte der Einstieg des Emirats Katar, das seitdem mit 29 Prozent Großaktionär bei den Bonnern ist. Der Kapitalanteil von Altaktionären wurde hierfür drastisch beschnitten.

Anleihegläubiger mussten zudem auf einen erheblichen Teil ihres Geldes verzichten, um das Unternehmen vor dem Aus zu bewahren. Hinter Solarworld steht der umstrittene Unternehmer und Firmengründer Frank Asbeck. Er rechnet für 2014 mit der Belebung des Geschäfts.

Unternehmen schreibt weiterhin Verluste

Bis Mitte Februar 2014 will das Photovoltaikunternehmen seine Restrukturierung abgeschlossen haben. Bislang weist der Konzern aber noch Verluste aus. Der Umsatz sackte in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Viertel auf 345,6 Millionen Euro ab.

Nach einem ruinösen Preiswettbewerb durch die Billigkonkurrenz aus China steht die gesamte Branche seit Längerem enorm unter Druck, seit Ende 2011 häufen sich in Deutschland die Pleiten von Solarunternehmen, darunter Q-Cells, Sovello und Solon. Als Auslöser gelten neben dem Preisverfall auch sinkende Subventionen für die Branche. Zu den prominenten Solar-Aussteigern deutscher Konzerne gehört neben Bosch auch Siemens.

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