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Goldpreis: Deshalb wird Gold immer günstiger


Geldpolitik, China, Konjunktur  

Deshalb geht der Goldpreis auf Talfahrt

28.11.2013, 19:06 Uhr | t-online.de - Frank Lansky

Goldpreis: Deshalb wird Gold immer günstiger. Namhafte Investoren glauben an einen Rutsch des Goldpreises (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Namhafte Investoren glauben an einen Rutsch des Goldpreises (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schlechte Aussichten für Gold: Ein Versiegen der Geldflut in den USA, nachlassende Inflationssorgen und eine anspringende globale Wirtschaft erodieren die Nachfrage für das Edelmetall. Das glauben zumindest die Schweizer Großbank UBS, der eingefleischte Baissier Goldman Sachs und auch einige Vermögensverwalter in Deutschland. t-online.de beleuchtet die Hintergründe.

Goldman Sachs sieht Preisrutsch von 15 Prozent

Der prominenteste Vertreter für einen Preissturz ist Goldman Sachs. Die Großbank, der immer unterstellt wird, den Goldpreis herunter zu reden, um sich günstig einzudecken, erwartet für 2014 ein Minus im Goldpreis um über 15 Prozent.

Das geht aus dem jüngst erschienenen Ausblick über die zehn wichtigsten Investment-Themen des kommenden Jahres hervor. Damit würde eine Feinunze Gold bis auf knapp 1058 Dollar abrutschen – und damit so wenig kosten wie zuletzt Anfang 2013. Aktuell notiert die Feinunze Gold bei 1245 Dollar, in dieser Woche war der Preis schon bis auf 1226 Dollar abgetaucht.

Die Argumente für einen Preisrutsch: Der Anfang des Ausstiegs der Federal Reserve aus dem Anleihekauf-Programm von 85 Milliarden Dollar pro Monat. Die Volkswirte von Goldman erwarten, dass der allmähliche Abschied von den US-Anleihekäufen im März beginnen werde.

Unterstützung für den Anfang vom Ende der lockeren Geldpolitik werde die Volkswirtschaft liefern: Die Konjunktur in den USA werde voraussichtlich über drei Prozent wachsen. Auch in Europa ziehe die Wirtschaft an, wenn auch moderater.

UBS senkt Prognose drastisch

Der Zusammenhang zwischen Gold und Fed-Politik: Anleihekäufe bedeuten de facto, dass die Fed Papiergeld aus dem Nichts schafft und damit die Geldmenge erhöht. Und aus Angst vor dem Kaufkraftverlust fliehen die Anleger ins Gold. Mit dem Ende der Geldflut würde also ein Argument für Sachwerte entfallen.

Auch die Investmentbank UBS – sie gilt als einer der größten Händler auf dem Goldmarkt – hat gerade ihre Preisprognose für das Edelmetall drastisch gesenkt. Auf Sicht von einen Monat rechnet das Kreditinstitut nun mit einem Preis von 1180 US-Dollar je Feinunze Gold.

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Zuvor hatte das Einmonatsziel noch bei 1450 Dollar je Feinunze gelegen, wie das "Wall Street Journal Deutschland" berichtet. Zugleich senkte die UBS ihr Dreimonatsziel von 1375 Dollar je Feinunze auf 1100 Dollar je Feinunze, erläutert das Blatt in seiner Online-Ausgabe weiter.

UBS-Analystin Joni Teves nennt in ihrer Studie drei Argumente für sinkende Preise: Zum einen sei die Stimmung für Gold weit schwächer als zunächst gedacht, was sich am enttäuschenden Scheitern an der Marke von 1360 Dollar gezeigt habe. Zweitens erwarte nun der Markt verstärkt ein "Tapering" der US-Notenbank, also den Ausstieg aus den Anleihekäufen.

Indien und China belasten

Drittens könne der physische Markt nicht mehr so viel Gold aufnehmen, was an der Jahreszeit liege und an den Beschränkungen des indischen Marktes zum Goldkauf, erläutert die UBS-Analystin. Der Hintergrund: Zum Jahresende fallen die Goldkäufe im Westen wegen Weihnachten traditionell stark aus, in Indien läuft die Hochzeitssaison.

Nur China könne das überschüssige Angebot aufsaugen – doch dieser Markt reiche nicht aus, um die Short-Positionen der Comex aufzufangen und die Verkäufe über ETFs.

Keine Angst vor der Inflation

Ähnlich äußern sich deutsche Vermögensverwalter. Tom Weber, Analyst der Capitell AG, in Hamburg erläutert, "gegen einen höheren Gold- oder Silberpreis im Jahr 2014 sprechen vor allem die derzeit weltweit niedrigen Inflationsraten."  Die Enttäuschung darüber, dass Gold und Silber 2013 das Vermögen nicht sichern konnten, dürfte bei vorsichtigen Investoren zusätzlich Verkäufe auslösen und den Druck auf die Edelmetallpreise erhöhen.

Auch Weber verweist auf Asien: Das Reich der Mitte sei mittlerweile der größte Goldproduzent der Welt, so dass sich die starke Goldnachfrage Chinas an den internationalen Märkten weiter abschwächen könnte. Auch die sich stetig erhöhenden indischen Steuern auf den Import von Gold hätten die Nachfrage spürbar gedämpft.

Enttäuschung vergrault Goldkäufer

Ebenfalls skeptisch gibt sich Michael Dutz, Vorstand der Adlatus AG in Chemnitz: Der Kursschock der vergangenen Jahre sitze noch zu tief, daher werde 2014 nicht das Jahr der Edelmetalle werden. Gold ist nach wie vor relativ teuer und sollte gemieden werden. Wer über fünf Jahre denke, sollte jeweils fünf Prozent in Silber halten, das auch ein Industriemetall sei und in Kupfer, das von der Belebung der Weltwirtschaft profitiere.

Ohne neu auftauchende Inflationssorgen erwartet ferner Thomas Abel, Geschäftsführer der Honoris Treuhand in Berlin, anhaltenden Druck für Gold und Silber – die Preise könnten um zehn bis 20 Prozent nachgeben.

Somit droht für den Goldpreis nach Ansicht der Bären also fast eine Halbierung vom Hoch - seinen Rekord hatte er bei 1921 Dollar im Herbst 2011 markiert. Einen Trost für eingefleischte Goldbugs gibt es: Die Zahl der Bullen im Goldmarkt ist weit größer als die der Bären. Daher wird in Kürze ein Kollege von t-online.de an dieser Stelle Argumente für einen steigenden Goldpreis liefern.

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