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Türkei-Krise erschüttert Anlegervertrauen - Lira stürzt ab


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Türkei-Krise erschüttert Anlegervertrauen - Lira stürzt ab

27.12.2013, 17:29 Uhr | dpa-AFX

Türkei-Krise erschüttert Anlegervertrauen - Lira stürzt ab. Auch wegen Regierungskrise:  Türkische Lira verliert dramatisch an Wert (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Türkische Lira verliert dramatisch an Wert (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die schwere Regierungskrise in der Türkei erschüttert das zuletzt ohnehin angeschlagene Vertrauen der Finanzmärkte in das aufstrebende Schwellenland. Besonders deutlich zeigte sich dies am Wert der türkischen Lira, die wegen dem Korruptionsskandal und der Regierungskrise im Handel mit dem Euro und dem US-Dollar auf ein Rekordtief rutschte. Am Freitag musste für einen Euro zeitweise über 3,00 Lira gezahlt werden und damit so viel wie noch nie.

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Neben der Währung gerieten aber auch türkische Staatsanleihen und der Aktienmarkt des Landes massiv unter Verkaufsdruck, nachdem sich ausländische Investoren teilweise aus dem Markt verabschiedet haben.

Kursverluste am Anleihenmarkt

Bei der richtungsweisenden zehnjährigen Staatsanleihe stieg die Rendite im Vormittagshandel um 0,46 Prozentpunkte auf 10,27 Prozent. Zuvor hatte die Rendite bei 10,33 Prozent den höchsten Stand seit 2010 erreicht. Vor Beginn der aktuellen Regierungskrise in Ankara Mitte Dezember lag der Zinssatz für zehnjährige Papiere noch bei rund 9,3 Prozent.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit von zwei Jahren. Hier stieg die Rendite zum Wochenschluss um 0,41 Prozent und lag zuletzt mit 9,82 Prozent fast so hoch wie bei der zehnjährigen Laufzeit.

Schwere Verluste an Börse Istanbul

Zum Vergleich: Im Mai hatte die Rendite für zehnjährige Papiere nur bei sechs Prozent gelegen. Später sorgten dann Proteste in der Türkei für Nervosität am Finanzmarkt. Anfängliche Demonstrationen in Istanbul hatten sich schnell auf viele größere Städte der Türkei ausgeweitet. Im Brennpunkt standen aber vor allem die Protestbewegung und Ausschreitungen im Gezi-Park in Istanbul.

Die aktuelle Regierungskrise sorgte aber auch am Aktienmarkt in Istanbul für Turbulenzen. Zum Wochenschluss ging die Talfahrt an der türkischen Börse weiter. Der wichtigste Aktienindex ISE 100 brach zeitweise um knapp vier Prozent auf den tiefsten Stand seit Sommer 2011 ein, nachdem er bereits an den beiden Weihnachtsfeiertagen deutlich abgerutscht war. Damit hatte der türkische Leitindex auf Wochensicht bislang rund elf Prozent eingebüßt. Im Tagesverlauf erholten sich viele Kurse wieder ein wenig.

Auch der kleinere Index BIS 30 sank am Freitag ähnlich stark. Finanztitel gehörten angesichts der Affäre um angeblich illegale Goldgeschäfte der staatlichen Halkbank mit zu den größeren Verlierern.

Staatsanwalt abgelöst

Für neue Schlagzeilen sorgte am Freitag die Ablösung des Istanbuler Staatsanwalts Muammer Akkas von seinen Korruptionsermittlungen. Er war am Donnerstag von dem Fall abgezogen worden, bei dem regierungskritischen Medienberichten zufolge auch im Umfeld von Ministerpräsident Erdogan ermittelt wurde.

Experte: Wirtschaftskompetenz der Regierung in Gefahr

Die Regierung in der Türkei wird seit Tagen von einem Korruptionsskandal erschüttert und ist in eine ihrer bislang schwersten Krisen gestürzt. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sah sich zuletzt zu einer radikalen Umbildung seines Kabinetts gezwungen. Erdogan wechselte insgesamt zehn seiner 26 Minister aus. "Die jüngsten Meldungen unterminieren die Fassade der Wirtschaftskompetenz der Regierung", sagte US-Anlagestratege Michael Shaoul von Marketfield Asset Management. Bisher galt Erdogan als Architekt des Aufschwungs in der Türkei.

In Istanbul wurde für den Freitagabend zu einer Demonstration gegen die Regierung auf dem zentralen Taksim-Platz aufgerufen. Proteste haben in der Türkei in den vergangenen Tagen wieder zugenommen, aber längst nicht die Ausmaße vom Sommer erreicht. Die Demonstranten fordern den Rücktritt der Regierung. Die Polizei setzte mehrfach Wasserwerfer, Tränengas und Plastikgeschosse ein. Die Streitkräfte teilten mit, sie würden sich nicht an der aktuellen politischen Debatte beteiligen.

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