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Prokon droht Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz

Druck auf Anleger  

Prokon warnt vor Insolvenz

11.01.2014, 16:05 Uhr | dpa-AFX, dpa

Prokon droht Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz. Prokon gerät immer mehr in Schieflage (Quelle: dpa)

Falls die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vermieden werden, sucht Prokon nach einer neuen Unternehmensstruktur (Quelle: dpa)

Der Ökoenergie-Finanzierer Prokon hat seine Anleger vor einer drohenden Insolvenz gewarnt, falls sie weiter Kapital abziehen. Das Unternehmen mit Sitz in Itzehoe (Schleswig-Holstein) forderte die Anleger auf, keine weiteren Genussrechte zu kündigen. Sollte es "nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einzuleiten", heißt es in einem auf der Internetseite veröffentlichten Schreiben der Geschäftsführung, das das gestrige Datum trägt.

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Nach Angaben des Unternehmens gibt es über 75.000 Anleger, die Prokon fast 1,4 Milliarden Euro anvertraut haben. Für Nachfragen war Prokon am Samstag nicht erreichbar.

Finanzlage verschärft sich

Prokon hatte seine Geldgeber bereits im Dezember aufgefordert, die Zinsen für das zweite Halbjahr 2013 zur Entspannung der Liquiditätslage im Unternehmen zu belassen. "Mit großem Bedauern stellen wir fest, dass aufgrund der seit Monaten andauernden Medienkampagne gegen Prokon nach wie vor zahlreiche Anleger aus Angst vor einem Verlust ihres angelegten Geldes ihre Genussrechte kündigen", hieß es nun. Daher sei diese Maßnahme nicht ausreichend. "Somit stehen wir vor einem ernsten Problem."

Das Unternehmen veröffentlichte auf seiner Internetseite vorformulierte Rückantworten, mit denen sich die Anleger verpflichten sollen, ihr Geld bis mindestens zum 31. Oktober 2014 nicht zurückzufordern, und auch auf die direkte Auszahlung von Zinsen zu verzichten. Auch danach sollen sie ihre Anlage nur in Raten über zwölf Monate ausbezahlt bekommen. Wer dagegen seine Genussrechte zeitnah kündigt, unterschreibt mit dem Formular den Satz: "Eine Insolvenz von Prokon nehme ich bewusst in Kauf."

Was Anleger tun können

Ein Insolvenzrechtsexperte warnte Anleger allerdings davor, auf Ansprüche zu verzichten. "Anlegern, die nicht rechtzeitig ihre Rechte sichern, steht in einem Insolvenzverfahren aufgrund des Nachrangs der Genussrechte nicht einmal eine Insolvenzforderung zur Verfügung", sagte der Berliner Rechtsanwalt Christoph Kaltmeyer "Wallstreet Online".

Das Unternehmen finanziert vor allem Windparks und sammelt dazu bei Anlegern Geld ein. In einer aggressiven Werbekampagne wurden jährliche Zinszahlungen von durchschnittlich acht Prozent zugesagt. Im vergangenen Jahr hat Prokon nach eigenen Angaben rund 330 Millionen Euro an Zinsen ausgeschüttet, gleichzeitig lief jedoch ein Verlust von knapp 210 Millionen Euro auf. Verbraucherschützer hatten wiederholt das Geschäftsmodell infrage gestellt und mangelnde Transparenz beklagt.

Verbraucherzentrale setzt sich durch

Bereits im September 2012 hatte das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht einer Klage der Verbraucherzentrale Hamburg gegen ein Unternehmen der Prokon-Unternehmensgruppe wegen unlauterer Werbung stattgegeben. Dessen Verkaufsprospekt enthalte irreführende Werbeaussagen zur vermeintlichen Sicherheit der Geldanlage, teilte das OLG damals mit (Urteil vom 5. September 2012, Az.: 6 U 14/11). Das Unternehmen bewerbe Genussrechte als Geldanlage. Bei Genussrechten, einer Beteiligungsform an einer Gesellschaft, bestehe die Möglichkeit, dass bei einer Insolvenz die Einlagen ganz oder teilweise nicht mehr zurückgezahlt werden können.

Genussscheine sind Wertpapiere, die eine Sonderstellung zwischen Aktien und Anleihen haben. Unternehmen kommen an frisches Geld, der Käufer der Genussrechte erhält im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen. Im Unterschied zu Anleihen können diese Zahlungen aber auch gestrichen oder verschoben werden, wenn kein Gewinn anfällt. Im Gegensatz zum Aktienbesitzer hat der Inhaber von Genussscheinen kein Mitspracherecht bei der Firma. Geht sie pleite und wird abgewickelt, werden Genussscheine erst nach den anderen Forderungen bedient. Es besteht also die Gefahr des Totalverlusts. Genussscheine sind damit risikoreicher als Anleihen, die Zinssätze deshalb höher.

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