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Goldpreis: Silberstreif am Horizont


Edelmetall  

Silberstreif am Horizont für Gold

28.01.2014, 10:55 Uhr | Von Jürgen Lutz für t-online.de

Goldpreis: Silberstreif am Horizont. Gold-Münzen und -Barren: Auf gedrücktem Niveau können Käufe wieder lohnen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gold-Münzen und -Barren (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gold-Investoren hatten im vergangenen Jahr nicht viel zu lachen. Nach einem jahrelangen Preisanstieg mussten sie 2013 herbe Verluste von fast 30 Prozent hinnehmen. Zuletzt hatten sich die Preise wieder auf etwa 1260 Dollar bzw. 920 Euro pro Feinunze (31,1 g) erholt. Wie geht es nun weiter mit dem Goldpreis? Unabhängige Vermögensverwalter sind uneins: Die einen verzichten generell auf das Edelmetall, weil sich dessen innerer Wert nicht bestimmen lasse. Die anderen raten Anlegern bei den aktuellen Kursen zur Aufstockung, um gegen ein erneutes Aufflammen von Euro-Krise oder ähnlichem gewappnet zu sein.

"Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles", ließ Goethe seine Margarete im Jahr 1808 in „Faust I“ sinnieren. Doch da irrte der Dichter: Gut 200 Jahre später schwört längst nicht jeder Finanzprofi auf das gelbe Edelmetall. So setzt die unabhängige Vermögensverwaltung Performance IMC mit Sitz in Mannheim, anders als viele Mitbewerber, Gold als eigenständige Anlageklasse gar nicht ein.

Portfoliomanager Andreas Schenk begründet dies damit, dass selbst das Spitzenpersonal der US-Notenbank nicht sagen könne, ob Gold günstig oder teuer sei. "Im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen, bei denen man künftige Zahlungsströme abzinsen kann, hat man bei Gold in dieser Hinsicht nichts in der Hand", so der Vermögensverwalter.

Verständnis für verunsicherte Anleger

Allerdings haben Schenk und seine Kollegen von Performance IMC durchaus Verständnis für Anleger, die sich in unsicheren Zeiten absichern wollen. "Wer Gold braucht, um ruhig zu schlafen, soll es sich physisch in der Menge kaufen, die er braucht", so ihr Credo. Wichtig sei jedoch, das Edelmetall in diesem Fall nicht als Spekulation zu betrachten, bei der es vorrangig um einen Kursanstieg geht, sondern als Versicherung gegen Krisen. Folglich seien Wert-Schwankungen und eventuelle Verluste beim Goldpreis als eine Art Policen-Prämie zu sehen.

Zentralbanken packen Gold in den Tresor

Seltsam ist: Obwohl Bernanke, Draghi und Co. angeblich nicht sagen können, ob Gold über- oder unterbewertet ist, besitzen die Notenbanken seit Jahrzehnten Unmengen des Edelmetalls. Zudem kaufen sie seit etwa drei Jahren in Folge netto spürbar mehr Gold als sie veräußern, wie das World Gold Council im Rückblick auf das dritte Quartal 2013 mitteilt.

Ein Grund dafür könnten die Anleihekäufe der US-Notenbank in Billionenhöhe sein. Denn dieses sogenannte Zentralbankgeld kann die Inflation anheizen, wenn es von den Geschäftsbanken verliehen wird und dann die umlaufende Geldmenge erhöht. Das mögliche Kalkül der Notenbanker, die Gold kaufen: Wer in einem solchen Szenario mehr davon im Tresor liegen hat, bekommt die unweigerliche Abwertung des US-Dollars besser in den Griff, weil der Goldpreis als "Weltgeld Nummer zwei" zulegen dürfte.

Fünf bis zehn Prozent sind angebracht

Auch Markus Steinbeis, Leiter des Fondsmanagements der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München sieht Gold als wirksame Versicherung an – allerdings hält er es, anders als Schenk, in ausgewogenen Depots für unverzichtbar: "Fünf bis maximal zehn Prozent des Depotwertes sollte man schon in physisches Gold investieren", so seine Meinung.

Steinbeis hält es für wahrscheinlich, dass 2014 oder 2015 erneut Krisen aufflammen, die den Preis steigen lassen könnten. Denn die großen strukturellen Probleme seien nicht gelöst: "In Europa dürfte uns das Thema Staatsschulden und Bankensicherheit bald wieder in Atem halten. Wenn auch noch das weltweite Wirtschaftswachstum schwächer ausfällt als erwartet, werden die Aktienmärkte nachgeben – und Gold als Krisenwährung wird im Gegenzug steigen." Die aktuellen Währungsturbulenzen in einigen Schwellenländern könnten bereits ein erstes Signal sein.

Aus charttechnischer Sicht überwiegt allerdings weiter das Abwärtsrisiko, wie der technische Analyst Wieland Staud erklärt. "Nach dem Abschluss der gegenwärtigen Erholung, die sich noch bis auf Werte um 1350 Dollar fortsetzen kann, werden wahrscheinlich wieder nachgebende Kurse auf der Tagesordnung stehen."

Weite Perspektive gefragt

Anlegern, die derzeit ihre Wunden lecken, weil sie erst kurz vor dem bisherigen Preishoch (bei 1900 Dollar bzw. 1382 Euro pro Feinunze) gekauft haben, rät Fondsmanager Steinbeis zu einer weiten Perspektive. Zum einen biete sich jetzt die Gelegenheit, den Goldanteil zu einem relativ günstigen Preis bis zum gewünschten Niveau anzuheben, sprich durch Nachkauf zu verbilligen.

Zum anderen sei eine Korrektur wie 2012 und 2013 nach dem vorherigen jahrelangen Anstieg nur natürlich: "Seit 2001 hat Gold eine durchschnittlich Jahresrendite von gut zwölf Prozent  erzielt – und darin ist der jüngste Preiseinbruch enthalten." Seine Einschätzung: Der Preis des Edelmetalls befindet sich derzeit eher unten als oben. Falls er damit so richtig liegt wie mit seiner frühen Empfehlung, das Edelmetall bei 600 Dollar zu kaufen, können sich Goldkäufer freuen.

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