Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Handelsblatt >

Provisionen: Wenn Steuerberater zweimal kassieren

Provisionen  

Wenn Steuerberater zweimal kassieren

18.02.2014, 08:31 Uhr | Barbara Moormann, Handelsblatt

Provisionen: Wenn Steuerberater zweimal kassieren. Cleveres Geschäftsmodell: Manche Steuerberater stellen Honorare in Rechnung und erhalten Provisionen von der Bank (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Cleveres Geschäftsmodell: Manche Steuerberater stellen Honorare in Rechnung und erhalten Provisionen von der Bank (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Geschäftsmodell scheint doppelt clever: Ein Steuerberater empfiehlt Steuersparfonds im Auftrag einer Bank und kassiert dafür nicht nur Beratungshonorar, sondern auch eine Teilprovision. Was Kunden tun können.

Wer würde nicht gern den Rat eines Experten annehmen, wenn es darum geht, bei der Geldanlage ein paar Euro Steuern zu sparen? Dass der Steuerberater mit seinem Mandanten erörtern kann, wie sich Geld steuerbegünstigt anlegen lässt, erkennt sogar der Bundesgerichtshof an (Az.: IVa ZR 196/83). Kritisch wird es allerdings dann, wenn der Steuerberater versucht, seinem Mandanten im Auftrag einer Bank etwa einen Steuersparfonds zu verkaufen – und dafür anteilig Provision kassiert.

Das funktioniert dann so: Ein findiger Banker hat in seinem Vertriebsportfolio einen Fonds, der den Kunden Steuern sparen lässt. Da der Bankkunde jedoch skeptisch bleibt – ganz nach dem Motto: "Kann ich der Empfehlung wirklich trauen?" – holt sich der Bankberater den Steuerberater als Vertriebshelfer ins Boot. Die Chance, dass der Bankkunde dem Fondskauf zustimmen wird, wenn ihn nicht nur sein Berater bei der Hausbank, sondern auch sein Steuerberater darauf anspricht, ist so gering nicht.

Für den Steuerberater scheint die Gelegenheit doppelt attraktiv: Zunächst kann er dem Mandanten Beratungshonorar berechnen. Für die Vermittlungshilfe kassiert er zusätzlich einen Teil der Provision, den die Bank für den Verkauf des Fondsanteils von der Fondsgesellschaft bekommt.

Steuerberater muss im Zweifel für Verluste aufkommen

Allerdings: Lässt der Steuerberater sich auf ein solches Geschäft ein, verstößt er nicht nur gegen sein Berufsgebot, so objektiv wie möglich zu beraten. Der Steuerberater muss im Zweifel auch für Verluste aufkommen, die der Mandant durch die empfohlene Investition erlitten hat – insbesondere dann, wenn er seinem Mandanten sein Zusatzgeschäft verschweigt.

"Ein Steuerberater kann sich gegenüber seinem Mandanten schadensersatzpflichtig machen, wenn er ihn zu einem Vertragsschluss mit einem Dritten veranlasst, aber nicht offenbart, dass er dafür eine Provision erhält", hat das Oberlandesgericht Frankfurt erst im vergangenen Jahr klargestellt (Az.: 1 U 30/11).

Im Fall hatte ein Steuerberater die Formulare über eine Fondsbeteiligung in Höhe von 108.000 Euro in seinem Büro ausgefüllt, dem Mandanten zugesendet – und für seine Vermittlung eine verdeckte Provision kassiert. Den Richtern zufolge habe der Steuerberater damit subtil auf den Mandanten eingewirkt, das "mandatsgeprägte Vertrauensverhältnis" ausgenutzt. Am Ende waren 78.657 Euro Schadenersatz fällig.

"Das Geschäftsmodell ist verbreitet"

Rechtsanwalt Dietmar Kälberer aus Berlin sind eine Reihe weiterer Fälle bekannt, wo Banken Steuerberatern anbieten, bei der Fondsvermittlung auszuhelfen – und mitzuverdienen. "Das Geschäftsmodell war und ist verbreitet."

So auch bei der Braunschweiger Privatbank Löbbecke. Gezielt habe das Kreditinstitut Steuerberater zu Informationsveranstaltungen eingeladen, bei denen es um den Vertrieb zweier Medienfonds ging. Am Ende seien die Fonds über Steuerberater verkauft worden, weiß Hartmut Göddecke, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Siegburg. Der Fall ging vor Gericht.

Auch hier urteilte das zuständige Oberlandesgericht in München zugunsten des Anlegers (Az.: 19 U 3319/09): Der Steuerberater habe hinter dem Rücken des Anlegers, also seines eigenen Mandanten, eine Provisionszahlung von der Bank auf sein eigenes Konto erhalten.

Steuerberater machen sich strafbar

"Es ist nichts Ungewöhnliches, dass Steuerberater für die Vermittlung von Kapitalanlagen Provisionen erhalten haben", sagt auch der Heidelberger Rechtsanwalt Matthias Nittel. Ihm liegt ein Fall vor, wo ein Steuerberater an der Vermittlung eines Immobilienfonds der Fürther Immobilienfirma Terrarent verdient hat, der in zwei Areale für Eigentumswohnungen in Magdeburg investierte.

Steuerberater machen sich laut Anwalt Göddecke dabei auch dann strafbar – und haften im Zweifel wie die Bank für eine Fehlinvestition – wenn sie ihrem Mandanten kein extra Beratungshonorar in Rechnung stellen und "nur" an der Provision verdienen. "Manchem Steuerberater war das Problem gar nicht so bewusst", sagt Anwalt Kälberer.  

Dennoch kommen Steuerberater meist glimpflich davon: "Nur in Fällen, in denen keine Bank und sonst kein solventer Haftungsgegner vorhanden waren, ging es gegen die Steuerberater selbst. Da hatten wir aber nur sehr wenige Fälle. Vielleicht waren es fünf", so Kälberer.

Im Falle der Privatbank Löbbecke musste am Ende nur die Bank Schadensersatz leisten. Der Versuch, den Steuerberater als alleinigen Sündenbock hinzustellen, war gescheitert; ein Bankmitarbeiter hatte zugegeben, dass die Beratung zum fraglichen Fonds auch in der Bank selbst stattgefunden hatte.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Dschungel-Look: exotisches Flair für Ihre 4 Wände
jetzt auf otto.de
Anzeige
Was Ihr Partner für die Bau- finanzierung können muss
Kostenlose Beratung bei Interhyp
myToysbonprix.deOTTOUlla PopkenHappy SizeLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal