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Kolumne: Schwellenländer bremsen die Aktienmärkte aus


Gastkolumne  

Schwellenländer bremsen die Aktienmärkte aus

19.02.2014, 15:03 Uhr | von Marc-Oliver Lux für t-online.de

Kurz vor der 10.000er-Marke nach unten abgebogen - so könnte man die Entwicklung im deutschen Aktienmarkt DAX der vergangenen Wochen zusammenfassen. Schuld waren diesmal vor allem die Schwellenländer sowie Verwerfungen an den Devisen-Märkten.

Ausgelöst von einem vorübergehenden Stützungsstopp des argentinischen Pesos gegen den US-Dollar, gerieten auch die türkische Lira, der südafrikanische Rand, die indische Rupiah und andere Emerging-Markets-Währungen unter massiven Abwertungsdruck. So stürzte beispielsweise die Lira in zwei Monaten über 20 Prozent gegenüber dem Euro ab. Seit 2010 hat die türkische Währung sogar über 60 Prozent gegen Euro verloren. Der diesjährige Türkei-Urlaub dürfte daher ziemlich billig werden - wenn man nicht pauschal bucht.

Hausgemachte Probleme

Die Währungsturbulenzen und die innenpolitischen Unruhen - wie zum Beispiel auch in Thailand - haben eine vorübergehende Schockwelle an den internationalen Märkten verursacht. Die Probleme vieler Länder scheinen jedoch hausgemacht und oft eng mit dem populistischen Politikstil der jeweiligen Regierung verknüpft. Als Signal für einen beginnenden Flächenbrand in den übrigen Schwellenländern mit langfristig negativen Auswirkungen auf die globale Konjunktur muss dies noch nicht gewertet werden.

Vor allem die Lage in Argentinien zeichnet sich durch eine Reihe Besonderheiten aus. Das Land wurde durch die große Schuldenkrise in den Jahren 2001/2002 – als die Regierung die paritätische Bindung an den US-Dollar lösen musste und sich für zahlungsunfähig erklärte – nahezu komplett von den internationalen Finanzmärkten abgeschottet.

Das unkooperative Verhalten bei den folgenden Umschuldungsverhandlungen habe dafür gesorgt, dass auch nach mehr als zehn Jahren die internationalen Investoren nicht zurückgekehrt sind. Für den argentinischen Staat war es daher bis zuletzt kaum möglich Kapital im Ausland aufzunehmen. Nachdem im Zuge der Finanzkrise 2008 auch keine Devisen mehr über Rohstoffexporte ins Land flossen, versiegte auch diese letzte Quelle trotz eines relativ geringen Staatsdefizits. In Konsequenz ging der argentinische Peso auf Talfahrt.

Türkei lange gegen Leitzinsanhebung

Auch in der Türkei ist das größte Problem das wachsende Zahlungsbilanzdefizit. Wie in anderen Schwellenländern auch, die unter Kapitalabflüssen litten, kam die türkische Währung bereits im Sommer vergangenen Jahres unter Druck, nachdem die US-Notenbank Fed zum ersten Mal ein Zurückfahren ihrer Anleihen-Käufe in Aussicht gestellt hatte. Im Unterschied zur Reserve Bank of India weigerte sich jedoch die türkische Notenbank bis Ende Januar die Leitzinsen anzuheben, um den Kapitalabfluss zu stoppen.

Zudem ist das öffentliche Bild der Türkei durch die seit Wochen andauernden Proteste und das Vorgehen der türkischen Regierung, das nicht mehr den Grundsätzen eines Rechtsstaates entspricht, beschädigt worden.

Dennoch kann man grundsätzlich für Emerging Markets optimistisch sein. In den meisten Schwellenländern zeichneten die Konjunkturdaten, zum Beispiel die Einkaufsmanager-Indizes, weiterhin ein eher positives Bild.

Schwellenländer nicht überbewerten

Viele Länder, die mit ihren Problemen derzeit für Schlagzeilen sorgen – etwa Venezuela, Argentinien, Türkei oder Ukraine – machen nur einen kleinen Teil des Emerging-Markets-Universums aus. Solange sich die USA weiter gut entwickelt und Europa sich wie bislang gesehen stabilisiert, sollten die Folgen der Schwellenländerschwäche limitiert sein. Gleichwohl wird für Schwellenländer-Investoren die richtige Wahl der Länder und Assetklassen entscheidend sein.

 (Quelle: privat) (Quelle: privat)

Der Autor, Marc-Oliver Lux, ist Geschäftsführer der Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München. Zuvor war er war im Investmentbanking bei der Deutsche Morgan Grenfell in New York sowie im Firmenkundengeschäft bei verschiedenen Banken im Inland tätig. Nach einem Betriebswirtschaftsstudium mit den Schwerpunkten Kapitalmarktforschung und Revisions-/Treuhandwesen hat er über betriebliche Gründungsfinanzierung promoviert.

-- Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de. --

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