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Flydubai und Co.: Hilfe, die Billig-Araber-Airlines kommen!

Luftverkehr  

Hilfe, die Billig-Araber kommen!

25.02.2014, 16:45 Uhr | Tobias Döring, Handelsblatt

Flydubai und Co.: Hilfe, die Billig-Araber-Airlines kommen!. Das Geschäftsmodell der kleinen Airline Flydubai vom persischen Golf ist dem der europäischen Billigflieger wie Ryanair ähnlich (Quelle: dpa)

Das Geschäftsmodell der kleinen Airline Flydubai vom persischen Golf ist dem der europäischen Billigflieger wie Ryanair ähnlich (Quelle: dpa)

Mit Ölmilliarden gegen Lufthansa & Co.: Emirates, Etihad und Qatar Airways sind auf der Langstrecke längst harte Konkurrenten für Europas Luftfahrtriesen. Nun nehmen die Araber auch die Billigairlines ins Visier.

Der Milliardenauftrag ging unter. Als Boeing im Januar einen Auslieferungsrekord vermeldete, nahmen nur wenige Notiz davon, dass Flydubai einen Kaufvertrag über fast 90 Mittelstrecken-Jets unterzeichnet hatte. Listenpreis: 6,5 Milliarden Euro.

Unbekannte Airline trumpft auf

Die Fluggesellschaft vom Persischen Golf ist in Europa und den USA bislang weitgehend unbekannt, gehört sie doch nicht zu den großen Drei: Emirates, Etihad und Qatar Airways. Doch der Name könnte bald die Runde machen.

Denn die Bestellung untermauert eine rasante Entwicklung. Finanziert durch die Öl- und Gasmilliarden der arabischen Herrscherhäuser wachsen Emirates, Etihad und Qatar Airways seit Jahren kräftig und jagen vor allem den etablierten europäischen Fluggesellschaften Kunden ab. Die Golf-Airlines stehen für viel Komfort in der Economy- und für Luxus in der Business-Klasse. Doch die Araber können auch anders – nämlich zweckmäßig und billig.

Low-Cost-Konzept in Reinkultur

Flydubai aus Dubai und Air Arabia aus dem weniger bekannten Nachbar-Emirat Sharjah sind längst zu Größen der Billigflieger-Branche geworden. "Die beiden Fluggesellschaften setzen das klassische Low-Cost-Konzept fast in Reinkultur um und sind damit sehr erfolgreich", sagt Gerd Pontius von der Airline-Beratung Prologis. In ihrem Modell sind die Airlines der Ryanair sehr ähnlich.

Mit dem Kaufvertrag stößt Flydubai nun auch bei den Bestellungen in eine Dimension vor, die unter den Billigfliegern sonst nur Ryanair und seine europäische Konkurrenten Easyjet und Norwegian erreichen. Die Iren hatten im Sommer 175 Boeing 737 bestellt und fliegen aktuell mit einer Flotte von knapp 300 Maschinen.

Die Araber tätigten ebenfalls eine beachtliche Großbestellung und orderten 86 Mittelstrecken-Jets Boeing 737 und des Nachfolgers 737 MAX. Für weitere 25 Maschinen sicherte sich die Airline zudem eine Kaufoption. Flydubai hat zwar momentan lediglich 35 Flugzeuge im Einsatz, erwartet aber noch Maschinen aus einer vorherigen Bestellung.

Und wenn ab dem Jahr 2016 die bis zu 111 neuen Boeing-Flieger aus Seattle ausgeliefert werden, erhöht sich die Flottengröße erst recht beträchtlich. Auch Air Arabia (zurzeit gut 30 Flugzeuge) erwartet in den kommenden Jahren die Auslieferung neuer Mittelstrecken-Jets des Typs Airbus A320.

Nach Istanbul und Kiew heben die Billigflieger schon ab

Mit dem Flugzeug-Material können die Airlines ihre Erfolgsgeschichte weiter schreiben: Im vergangenen Jahr flogen bereits 6,1 Millionen Passagiere mit Air Arabia. Mit Flydubai hoben 2012 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – 5,1 Millionen Fluggäste ab. Schneller sind wohl kaum andere Fluggesellschaften vorher gewachsen. Air Arabia wurde 2013 erst zehn Jahre alt, während Flydubai sogar erst 2008 gegründet wurde.

Der Billigflieger ist neben Emirates die zweite Fluggesellschaft der Herrscherfamilie von Dubai. Emirates-Chef Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum ist gleichzeitig auch Chairman von Flydubai. Trotzdem agieren die Airlines getrennt voneinander – zumindest offiziell.

Mit beiden Gesellschaften verfolgt Dubai aber eine Strategie: Die Flughäfen des Emirats sollen zu Mega-Drehkreuzen werden und als Nebeneffekt auch noch der Tourismus gestärkt werden. "Flydubai ist eine Ergänzung zu Emirates, durch die der Markt erweitert wird", sagt Luftfahrt-Experte René Steinhaus von der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney.

Auf der Mittelstrecke erfolgreich

Während sich in der Flotte von Emirates nur Langstrecken-Flieger finden, kann Flydubai mit seinen Boeing 737 ganz andere Ziele ertragreich anfliegen. "Die Airline fliegt mit ihrer Mittelstrecken-Flotte Ziele an, die für Emirates derzeit nicht sinnvoll zu bedienen sind", sagt Steinhaus. "Im innerarabischen und auch im Verkehr in Richtung des indischen Subkontinents haben Billigflieger grundsätzlich eine hohe Marktnachfrage", hebt Airline-Berater Pontius hervor.

Zusätzlich haben die beiden Airlines Verträge mit den großen Bauunternehmen. Manchen Arbeitern, die auf den Baustellen der Vereinigten Arabischen Emirate zu Billiglöhnen schuften, ist es zugesichert, mit den Billigfliegern mindestens einmal im Jahr in ihr Heimatland zu fliegen. "Dadurch wird viel Volumen auf die Strecken gebracht", sagt Pontius.

Doch die Airlines klopfen längst auch in Osteuropa an die Tür. So fliegt Flydubai aktuell zum Beispiel von Dubai nach Jekaterinburg, Kasan und Ufa in Russland, Donezk, Odessa und Kiew in der Ukraine und in die Hauptstadt Moldawiens, Chisinau.

Zudem heben die Maschinen auch nach Istanbul ab. Von dort wollen die Passagiere kostengünstig in die Emirate kommen – der Luftverkehr zwischen Osteuropa und dem Golf sei ein klassischer Markt für Billigflieger, sagt Pontius.

Obwohl Flydubai mittlerweile zum Teil vom reinen Low-Cost-Prinzip abrückt und Business-Sitze in die Maschinen schraubt. „Die neue Business-Klasse soll vor allem die große Nachfrage durch zahlungskräftige Kunden befriedigen“, sagt Luftfahrt-Experte Steinhaus.

Erste Anker werden aus Nordafrika ausgeworfen

Nach Westeuropa geht es für Flydubai und Air Arabia aber trotzdem vorerst nicht. Mit der langen Flugzeit passen die Ziele nicht zur Strategie – und nicht zur Flotte. Die Kostenvorteile der Billigflieger würden dadurch ebenso aufgefressen wie die Bedeutung des Preises für die Buchungsentscheidung der Passagiere, sagt Pontius.

Man fliege nur in einem Fünf-Stunden-Radius um Dubai, teilt Flydubai auf Anfrage von Handelsblatt Online mit. „Wir suchen aber weiterhin nach Möglichkeiten, unser Netzwerk in Zentral- und Osteuropa auszubauen“, heißt es vielsagend. Also muss sich momentan eher Osteuropa-Spezialist Wizzair fürchten.

Doch langfristig müssen sich auch Ryanair, Easyjet oder die Lufthansa-Tochter Germanwings in Acht nehmen. Erste Anker werden schon ausgeworfen – von Nordafrika: Die marokkanische Tochter von Air Arabia tritt zum Beispiel auf der Strecke Köln/Bonn nach Nador (Marokko) direkt gegen Germanwings an – und noch dazu auf deren Heimatflughafen.

Risiko liegt beim Fluggast

Wichtig ist auch das Drehkreuz Istanbul: "Zahlreiche Europäer fliegen beispielsweise mit Easyjet nach Istanbul und nehmen dann einen Verbindungsflug über Air Arabia nach Dubai", hat Airline-Berater Pontius beobachtet. "Das ist nicht ungewöhnlich, das Risiko trägt aber immer der Passagier, weil die Fluggesellschaften nicht zusammenarbeiten."

Daran zeigen sich aber auch die Möglichkeiten der Flieger vom Golf: Sie werden von den geographischen Begebenheiten begrenzt. Ein Billigflieger wie die türkische Pegasus aus Istanbul, die bereits auf vielen deutschen Flughäfen landet, hat auf der Mittelstrecke nach Zentraleuropa viele Vorteile. Daran können auch die Ölmilliarden der Emirate wenig ändern.

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