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Rewe-Chef Alain Caparros jammert über Discounter und Online-Handel

Viele Baustellen  

Rewe-Chef Caparros jammert über Discounter und Online-Handel

05.03.2014, 10:01 Uhr | dpa, t-online.de

Rewe-Chef Alain Caparros jammert über Discounter und Online-Handel. Rewe-Chef Alain Caparros: Der hauseigene Discounter Penny wird noch bis 2016 Verluste schreiben (Quelle: dpa)

Rewe-Chef Alain Caparros: Der hauseigene Discounter Penny wird noch bis 2016 Verluste schreiben (Quelle: dpa)

Rewe ist Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler. Doch Chef Alain Caparros hat keinen leichten Job. Zum einen gibt's Druck von den Discountern, die immer wieder an der Preisschraube drehen - Marktführer Aldi hat es bereits in diesem Jahr zum vierten Mal getan. Zum anderen sucht die Rewe-Gruppe immer noch nach einer Online-Strategie.

Mit Penny hat Rewe sogar einen eigenen Discounter, doch der kann sich als Nummer vier hinter Aldi, Lidl und Netto nicht richtig durchsetzen und schrieb 2013 erneut rote Zahlen, trotz vergleichbaren Wachstums innerhalb der Rewe-Gruppe. Erst für 2016 wird die Gewinnzone angepeilt. Genaue Geschäftszahlen werden am 27. März veröffentlicht.

Die Preisstrategie von Aldi bezeichnete Caparros als "Wertvernichtung". Allein die von Aldi angestoßenen Preissenkungen bei Eiern hätten das Unternehmen beim Rohertrag mehrere Millionen Euro gekostet. Doch eine Alternative dazu, den Preisvorgaben des Discounters zu folgen, sieht der Manager nicht, der selbst jahrelang für Aldi in Frankreich gearbeitet hat. "Wir sind in einer Preisspirale, in der wir mitschwimmen müssen."

Discounter dürften weiter an der Preisschraube drehen

Und ein Ende ist nicht in Sicht: "Solange die Discounter mit Umsatz und Kundenzuwachs nicht zufrieden sind, werden sie weiter an der Preisschraube drehen", ist Caparros überzeugt. Für die Verbraucher könnte das in den nächsten Monaten weitere Einsparungen bringen.

Die Entwicklung der Discounter geht immer mehr in Richtung Vollversorger. "Wir werden immer discountlastiger und die Discounter immer supermarktlastiger", meinte Caparros. "Irgendwann treffen wir uns. Die Frage ist, ob die Begegnung brutal sein wird oder nicht."

Nächste Baustelle Online-Handel

Als einziger Bereich des Einzelhandels wurden die Lebensmittelgeschäfte bisher nicht vom Online-Handel durcheinander gewirbelt. Nicht einmal ein Prozent des Lebensmittelbedarfs wird derzeit per Mausklick verkauft. Doch das wird wohl nicht mehr lange so bleiben. Caparros ist sich sicher, dass die Schonfrist zu Ende geht.

Bei seiner Elektronikkette ProMarkt hatte der Kölner Handelsriese den Internetzug verpasst - mit gravierenden Folgen. Die Vertriebslinie wurde inzwischen weitgehend abgewickelt. So etwas soll nicht noch einmal passieren.

"Ich bin überzeugt, dass die Zeit des Massengeschäfts im stationären Handel vorbei ist", sagt Caparros. "Der Tagesbedarf wird schon bald online eingekauft werden." Die Leute würden älter und bequemer. Es sei naiv zu glauben, dass sie nur aus alter Verbundenheit weiterhin den altvertrauten Läden treublieben. "Warum soll ich schleppen, was ich geliefert bekommen kann", meinte Caparros.

"Das ist wie ein Bazillus", sagte der Rewe-Chef. Die ersten Symptome spüre man kaum. Doch schon jetzt werde das Sortiment der Einzelhändler "scheibchenweise von den Onlinern attackiert". So würden bald 20 Prozent des Tierfutters online gekauft. Auch beim Weinverkauf spüre der Händler die wachsende Online-Konkurrenz.

Mit der Erwartung großer Umbrüche im Lebensmittelhandel steht der Manager nicht allein. Eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) prognostiziert auch in dieser Branche einen rasanten Boom des E-Commerce: Schon 2020 werde wohl auch im Lebensmittelhandel jeder zehnte Euro per Mausklick ausgegeben.

Für die Rewe-Gruppe insgesamt zog Caparros aber eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. "Wir konnten 2013 mit Rewe in Deutschland stärker als der Markt wachsen und sind zufrieden mit all unseren Sparten." Die klassischen Supermärkte seien weiter eine Erfolgsstory. Das gleiche gelte für die Baumärkte (toom), die nicht zuletzt von der Praktiker-Pleite profitierten. Auch die Touristiksparte (ITS, Meier's Weltreisen, u.a.) entwickele sich stark.

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