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Krankenversicherung: Privat schlägt gesetzlich

Krankenversicherung  

Privat schlägt gesetzlich

06.03.2014, 14:45 Uhr | Thomas Schmitt, Handelsblatt

Krankenversicherung: Privat schlägt gesetzlich. Privat Krankenversicherte können aktuell mit stabilen oder sogar sinkenden Beiträgen rechnen (Quelle: imago/INSADCO)

Privat Krankenversicherte können aktuell mit stabilen oder sogar sinkenden Beiträgen rechnen (Quelle: imago/INSADCO)

Die Privaten werden wieder konkurrenzfähiger - dank Unisex. Während die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung steigen, senken einige private Anbieter sogar ihre Prämien. Was Privatpolicen jetzt kosten.

Ohne Krankenversicherung geht es nicht, egal ob privat oder gesetzlich. Doch ärgerlich bleibt für viele, dass dieser Schutz immer teurer wird. Und da ist es völlig egal, ob man in der in der privaten oder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert ist. Für Unmut sorgt zudem immer wieder, dass einige Patienten still und heimlich in den Praxen der Ärzte bevorzugt werden.

2013 schien es sogar so, als könne die private Krankenversicherung (PKV) abgeschafft werden. Doch nach der Wahl ist davon keine Rede mehr. Im Gegenteil. Die Privaten haben ihre Hausaufgaben gemacht und ihr Tarifwerk gründlich überarbeitet. Und die Krankenkassen schwimmen im Geld - dank der guten Konjunkturentwicklung.

In der GKV drohen schon wieder Zuschläge

Also Seligkeit auf allen Seiten? Das dürfte nicht mehr lange so bleiben. Experten fürchten schon, dass es im kommenden Jahr wieder zu Zusatzbeiträgen in der GKV kommen könnte. Und gut verdienende Mitglieder der Krankenkassen haben bereits festgestellt: Sie zahlen wieder mehr. Denn wie in jedem Jahr steigen die Grenzen, an denen sich die Beiträge bemessen.

Das heißt: Wer 4050 Euro oder mehr im Monat verdient, zahlt nun 627,75 Euro im Monat an seine gesetzliche Krankenkasse. Das sind rund 18 Euro oder drei Prozent mehr als bisher. Rechnet man noch für einen Kinderlosen die Pflegeversicherung hinzu, dann steigt die monatliche Belastung auf rund 720 Euro. Das sind stolze Beträge, auch wenn die Steigerung eher unter dem langjährigen Mittel liegt.

75 Prozent der Unisex-Tarife unverändert

Um Gutverdiener kämpfen GKV und PKV vor allem. Schlecht für die Krankenkassen ist da, dass die Privaten bei ihren aktuellen Tarifen derzeit durch große Stabilität glänzen. Bei drei Viertel der mehr als 1000 Unisex-Tarife bleibt der Beitrag konstant. Bei knapp einem Viertel sinkt er sogar, teilweise sogar zweistellig. Nur in relativ wenigen Tarifen haben einige wenige Versicherer die Prämien angehoben.

Dies geht aus einer Auswertung hervor, die die Freiburger KVpro.de GmbH für "Handelsblatt Online" erstellt hat. Basis dafür waren 1123 Unisex-Tarife der PKV. Insgesamt nahmen die Spezialisten 1173 Tarifkombinationen unter die Lupe. 828 davon sind echte PKV-Tarife mit Einzel- oder Mehrbettzimmer sowie Privatarzt. Doch nicht nur beim Thema Beitrag punktet die PKV im Vergleich zur GKV.

"Auf der Leistungsseite geht es eher weiter aufwärts statt abwärts." Wann konnten das Experten schon mal über die PKV sagen? Michael Franke vom Analysehaus Franke & Bornberg ist sehr zufrieden mit der Branche, die lange Jahre extrem in der Kritik stand. Sein Fazit: Nur einzelne Anbieter tummeln sich überhaupt noch im umstrittenen Billigsegment.

Der Grund: Die Privaten besinnen sich auf die alte Idee, bessere Leistungen als die Gesetzlichen anzubieten. Und wer dennoch wenig zahlen will? Der soll wissen, dass er dafür auch schlecht geschützt ist. Für Kunden sei diese Vielfalt sogar ein Vorteil, findet Franken. Denn sie können zwischen verschiedenen Versicherungsvarianten wählen.

Weniger Beitrag mit höherem Selbstbehalt

Das bedeutet dann: Wer wenig Schutz möchte und einen niedrigen Beitrag, der wählt zum Beispiel einen Billigtarif mit hohem Selbstbehalt. Wird er dann krank, steigen seine Kosten. Bleibt er gesund, kann er sich über wenig Beitrag freuen. Das geht so in der GKV nicht. Hier ist das Wahlrecht  der Kunden beschränkt auf einige Sonderleistungen.

Die wenigen Beitragsänderungen in der PKV fallen kaum ins Gewicht. Wenn überhaupt, wurden meistens Tarife für einzelne Gruppen, etwa Jugendliche, verändert. Oder Nebenbereiche wie das Krankentagegeld wurden angepasst. "Sehr vereinzelt wurden sogar Prämiensenkungen beobachtet, auf breiter Front bei der Allianz", sagt Franke.

PKV 2014: Welche Versicherer ihre Beiträge senken

Trend

Die privaten Krankenversicherer haben die Prämien in rund einem Viertel ihrer gut 1100 Unisex-Tarife geändert. In den meisten Fällen sind die Beiträge gesenkt worden.

Quelle: KVpro.de GmbH, Freiburg
Basis: 1123 Unisex-Tarife
Berechnung: Mann, 35 Jahre alt, Angestellter, Baden-Württemberg

Spanne

In mehr als 100 Unisex-Tarifen sinken die Prämien zwischen fünf und 13 Prozent. Die wenigen Prämienerhöhungen liegen - bis auf eine Ausnahme - unter fünf Prozent.

Allianz

Die größten Preissenkungen hat die Allianz in einer Reihe von Tarifen vorgenommen. In der Spitze sind es 12,56 Prozent oder 76,77 Euro im Tarif "AktiMed Plus 100". Die Zahlen wurden für einen 35-jährigen Angestellten berechnet. Die Allianz gehört zu den größten privaten Krankenversicherern.

Concordia

Der kleine Krankenversicherer Concordia hat eine Vielzahl von Tarifen angepasst und dabei in der Regel die Beiträge sehr deutlich gesenkt. In der Spitze sind es mehr als acht Prozent. Die absolute Senkung liegt dabei jedoch manchmal nur bei 25 Euro, weil der Grundbeitrag gering ist.

Arag

In mehr als 50 Tarifen hat der Versicherer aus Düsseldorf seine Prämien gesenkt. In der Spitze sind es mehr als acht Prozent.

Universa

Der Versicherer hat mehr als zwei Dutzend Tarife geändert. Zum größten Teil wurden die Prämien deutlich gesenkt, in einem Fall aber auch um zehn Prozent erhöht.

LVM

Mit eher moderaten Preissenkungen von einigen Prozent fällt der Versicherer aus Münster auf. In einigen Unisex-Tarifen steigt der Beitrag auch.

LKH

Der Krankenversicherer LKH hat die Prämien in einigen Tarifen um ein paar Euro gesenkt.

Alte Oldenburger

Der Krankenversicherer Alte Oldenburger senkt die Unisex-Prämien moderat um rund zwei Prozent.

Diese Konstanz hat System. Sie ist eine direkte Folge des Unisex-Urteils. Der Europäische Gerichtshof hatte entschieden, dass es keine Unterschiede mehr zwischen Frauen- und Männerprämien geben darf. Die Branche nutzte das, um ihr gesamtes Tarifwerk auf eine neue Basis zu stellen. Dabei haben die meisten ihre Preise so kräftig erhöht, dass nun zunächst einmal nichts passiert.

Wechsel in die PKV nicht aus Ersparnis-Gründen

Das passt einem Teil der Vermittler gut ins Konzept. Und zwar jenen, die weniger auf den Preis der Krankenversicherung achten, sondern auf deren Niveau. So sagt der Versicherungsmakler Sven Hennig aus Bergen auf Rügen: "Wir müssen uns davon verabschieden, dass ein Wechsel in die PKV gleichzusetzen ist mit Geld sparen."

Der Versicherungsmakler hält es nicht für möglich, in der PKV langfristig besser weg zu kommen als in der GKV. Die private Krankenversicherung sollte zu dem zurückfinden, was sie einmal war: eine Absicherung mit besseren Leistungen und umfangreicheren Versicherungsschutz, je nach persönlichem Bedarf.

Das heißt: Auch 30-Jährige sollten sich damit abfinden, dass sie unter dem Strich schon 500 Euro im Monat in der PKV zahlen. Der Unterschied zum gesetzlichen Höchstbetrag ist dann nicht mehr sonderlich groß. In der Tat kommt man auf solche Beträge, wenn man einen Tarif wählt, der vergleichsweise hohe Erstattungen gewährleistet. Dies zeigt ein Marktüberblick der KVpro GmbH.

"Ich habe keinen einzigen Vertrag im Bestand, welcher einen Monatsbeitrag von unter 500 Euro hat", stellt Makler Hennig denn auch fest. Der Grund: Billigtarife, wo von vornherein klar ist, dass die Kalkulation langfristig gesehen nicht aufgehen kann, verkauft er nicht. Denn entweder ist der Tarif schlecht oder die Beiträge sind so billig kalkuliert, dass dies langfristig nicht aufgehen kann.

Zu den wenigen Preisbrechern in der Branche gehört weiter Hanse-Merkur. Im neuen Tarif wird die günstige Prämie allerdings nicht durch einen grob lückenhaften Versicherungsschutz erreicht, stellt Analyst Franke fest. Stattdessen setzt der Versicherer auf eine neue Selbstbehaltsvariante mit 1000 Euro Selbstbehalt statt bisher 500 Euro. Verbraucher sollten aufpassen und sich nicht durch einen optisch niedrigen Beitrag täuschen lassen.

Familien mit Kindern sind besser gesetzlich versichert

Noch mehr als die Prämie spielt bei der Wahl der Krankenversicherung die Lebensplanung eine Rolle. So lohnt es sich für Familien mit Kindern unter Preisaspekten in der Regel eher, gesetzlich versichert zu sein. Alleinstehende oder Selbstständige sind dagegen womöglich im privaten System besser aufgehoben.

Wer die Preise zwischen privaten und gesetzlichen Anbietern vergleicht, sollte auch gesellschaftliche Trends im Auge behalten. Oft führt eine reine Prämiendebatte in die Irre, weil die Ursache für Kostensteigerungen etwa die generelle Alterung der Bevölkerung ist. Davon sind dann beide Systeme betroffen. "Aktuell muss man wohl davon ausgehen, dass beide Systeme hier nicht hinreichend aufgestellt sind", stellt der Versicherungsberater Thorsten Rudnik fest.

Höhere Preise und bessere Leistungen in der PKV haben allerdings auch zur Folge, dass die Wechselaktivität zwischen den Systemen sinkt. Verlässliche Zahlen dazu gibt es noch nicht, erste Hinweise aus der Branche deuten aber darauf hin.

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