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Mit Chaori gerät erstes chinesisches Solar-Unternehmen in Schräglage


Fall mit Signalwirkung  

Erstes chinesisches Solar-Unternehmen in Schräglage

07.03.2014, 14:27 Uhr | dpa, dpa-AFX, t-online.de

Mit Chaori gerät erstes chinesisches Solar-Unternehmen in Schräglage. Auch in der chinesischen Solarbranche kriselt es (Quelle: Reuters)

Auch in der chinesischen Solarbranche kriselt es (Quelle: Reuters)

Zum ersten Mal ist ein Solar-Unternehmen aus China in eine ernste Schräglage geraten. An diesem Freitag gelang es Shanghai Chaori Solar Energy nicht, fällige Zinszahlungen auf eine Unternehmensanleihe zu leisten. Dass eine größere chinesische Firma ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann, ist ein Novum im Reich der Mitte. Chaori-Vizepräsident Liu Tielong sagte in Shanghai, das Unternehmen erwäge, Solaranlagen zu verkaufen, um Geld für Zinszahlungen zu beschaffen.

Wie Chaori bereits am Mittwoch mitgeteilt hatte, geht es um Kuponzahlungen in Höhe von insgesamt 89,8 Millionen Yuan (etwa 10,6 Millionen Euro). Davon stehen aber nur vier Millionen Yuan - also knapp fünf Prozent der Gesamtsumme - zur Verfügung.

Seit Mitte 2013 vom Handel ausgesetzt

Die notleidende Anleihe wurde im Jahr 2012 aufgelegt. Wegen absehbarer Schwierigkeiten ist sie bereits seit Mitte 2013 vom Handel ausgesetzt. Das Wertpapier hat ein Gesamtvolumen von einer Milliarde Yuan (etwa 118 Millionen Euro).

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Bezogen auf den chinesischen Markt für Unternehmensanleihen, dessen Volumen von Volkswirten der Deutschen Bank auf rund 7,5 Billionen Yuan (etwa 890 Milliarden Euro) geschätzt wird, ist der Nominalwert der Anleihe klein. Doch der Fall hat große Signalwirkung.

Erster Zahlungsausfall auf dem Festland

Bislang ist es auf dem chinesischen Festland noch nie zu einem Zahlungsausfall einer Unternehmensanleihe gekommen. Zwar hatten im vergangenen Jahr zwei weitere Unternehmen aus der kriselnden Solarbranche Schwierigkeiten, ihren Schuldendienst zu leisten.

Dabei handelte es sich jedoch um Anleihen, die nicht auf dem chinesischen Festland gehandelt wurden. Wichtiger noch: In anderen Fällen war bei Zahlungsschwierigkeiten entweder die Zentral- oder die jeweilige Lokalregierung eingesprungen. Damit sollten vor allem negative Auswirkungen auf das Finanzsystem verhindert werden.

Geldgeber gehen von Staatsgarantie aus

Der Nachteil derartiger Rettungsaktionen: Investoren, die den Unternehmen Geld leihen, gehen von einer impliziten Staatsgarantie aus, wie die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) warnte.

Mit anderen Worten: Das Anlagerisiko wird unterschätzt, weil Investoren davon ausgehen, dass bei Problemen der Staat aushilft. Dass dies im Falle Chaoris nicht geschieht, werten Beobachter als Zeichen dafür, dass die neue Staatsführung ihrem Kurs treu bleibt und Marktkräften künftig mehr Spielraum einräumen will.

Lektion für Finanzmärkte?

Analysten der Bank of America Merrill Lynch vermuten, die Regierung wolle den Finanzmärkten eine Lektion erteilen. Möglicherweise erlebe China nun seinen "Bear-Stearns-Moment", erklärten die US-Experten.

Die ehemalige amerikanische Investmentbank Bear Stearns musste ein halbes Jahr vor der Pleite von Lehman Brothers - dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 - von einem Konkurrenten vor der Pleite gerettet werden.

Vergleich mit Bear Stearns zurückgewiesen

Chinesische Staatsmedien wiesen solche Vergleiche zurück. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua sah eine "unangemessene Analogie", auch weil der Umfang des Zahlungsausfalls nicht mit dem Kollaps eines systemrelevanten großen Finanzhauses vergleichbar sei.

Dass aber der Staat bei wackelnden Anleihen zu Hilfe komme, widerspreche dem Geist einer reifenden Marktwirtschaft. Dies sei bei der Größe der Finanzströme in Industrien mit Überkapazitäten wie Stahl, Zement oder Solar nicht aufrechtzuerhalten.

Geschäft mit Kraftwerk in Griechenland geplatzt

Chaori Solar versucht, durch den Verkauf von Anlagen im Ausland das Geld für die Kuponzahlungen doch noch aufzutreiben. Der geplante Verkauf eines Kraftwerkes in Griechenland sollte eigentlich die Zinszahlungen ermöglichen, doch war das Geschäft geplatzt, wie Xinhua berichtete. "Wir versuchen, den Verkauf in Griechenland zu einem angemessenen Preis abzuschließen und die Zinsen so schnell wie möglich zu bezahlen", sagte eine Quelle bei Chaori Solar der Agentur.

Die Deutsche Bank weist in einer Studie darauf hin, dass der Zahlungsausfall bei Chaori die Anleger zu einer Neubewertung der Risiken von Unternehmensanleihen bewegen dürfte. Bei S&P ist man sich sicher, dass Chinas Anleihemarkt Zahlungsausfälle schwächerer Emittenten durchaus verkraften könne.

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