Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Fachhandel sucht Rezept gegen Beratungsklau


"Schlaue" Kunden  

Fachhandel sucht Rezept gegen Beratungsklau

16.04.2014, 13:54 Uhr | dpa, t-online.de

Fachhandel sucht Rezept gegen Beratungsklau. Kameras gehören zu den beratungsbedürftigen Waren (Quelle: imago/Geisser)

Kameras gehören zu den beratungsbedürftigen Waren (Quelle: imago/Geisser)

Foto-Händler Wolfgang Lennertz aus Krefeld wollte seine Verbitterung nicht mehr für sich behalten: "Wir sind es satt", schrieb er im Februar mit roten Buchstaben auf einen Zettel im Schaufenster und kündigte die Schließung seines Geschäfts an. Er wolle sich nicht länger von Kunden die Online-Preise für Kameras unter die Nase halten lassen, nachdem er ausführlich beraten habe. Seit Ende März ist der Laden zu.

Lennertz steht mit seinem Problem nicht allein da. Viele Händler in Deutschland klagen seit Jahren über den sogenannten Beratungsdiebstahl. Gemeint ist, dass der Kunde sich im Fachgeschäft ausführlich über Kameras, Fernseher oder Outdoor-Textilien beraten lässt und dann die gleichen Konditionen wie im Netz verlangt - oder lieber gleich online kauft. Wie am besten mit diesem Phänomen umzugehen ist, dazu hat die Branche noch kein Patentrezept gefunden.

Auch Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) kennt die Problematik. Doch er weißt auch auf Veränderungen hin. "Das Problem des Beratungsklaus hat sich in den vergangenen Jahren erheblich reduziert", meint er. Hatten sich 2011 die Verbraucher noch bei mehr als einem Viertel der Internet-Einkäufe im stationären Handel Informationen beschafft, so sei dies inzwischen nur noch bei gut jedem zehnten Internet-Einkauf der Fall.

Doch ein Grund für Entwarnung sei das nicht - im Gegenteil. "Der Rückgang ist letztlich darauf zurückzuführen, dass die Verbraucher heute mehr Vertrauen zu den Online-Händlern haben", meint er. Früher hätten die Kunden die Produkte erst noch sehen und anfassen wollen, bevor sie online bestellten. "Aber inzwischen haben Zalando, Amazon und Co. gezeigt, dass das gar nicht nötig ist. Den man kann die bestellte Ware ja einfach zurückschicken, wenn sie nicht gefällt."

Wenn gar keiner mehr kommt

Dass aber sei für die Ladengeschäfte auf Dauer eigentlich noch schlimmer als der Beratungsklau. "Viele Kunden kommen gar nicht mehr in den Laden - nicht einmal zum Schauen", beschreibt Hudetz die Gefahr. In den USA habe sich in den vergangenen vier Jahren die Besucherfrequenz vieler Geschäfte im Vorweihnachtsgeschäft halbiert. Und auch in Deutschland klagten inzwischen immer mehr Geschäfte über sinkende Kundenzahlen.

Weiteres Problem: Der Händler kann nicht alles in sämtlichen Variationen vorrätig haben. Hört der Kunde dann: "Das müssen wir bestellen.", denkt er sich vielleicht: "Na, toll! Bestellen kann ich es auch selbst."

Doch das Internet ist für den stationären Handel nicht nur Fluch, sondern auch Segen. Etwa ein Drittel der Käufer in den Läden hätten ihre Einkaufstouren zuvor im Internet vorbereitet, betont Kai Falk vom Handelsverband Deutschland (HDE). Und Hudetz schlägt in dieselbe Kerbe, wenn er sagt: "Jede Menge Leute informieren sich im Amazon-Shop und kaufen dann doch im Laden." An dieser Stelle kann der stationäre Handel seinen größten Trumpf ausspielen: Was da ist, kann der Kunde sofort mitnehmen und muss nicht einige Tage warten, bis es geliefert ist.

UMFRAGE
Wie ist Ihr überwiegendes Einkaufsverhalten?

Experiment Beratungsgebühr

Für die betroffenen Fachgeschäfte ist dies allerdings kaum ein Trost, wenn wieder einmal ein Kunde von ihrem Know-how profitieren, dafür aber nicht zahlen will. Einen ganz eigenen Weg im Umfang mit den unberechenbaren Kunden geht deshalb inzwischen der Münchner Fotohändler Stefan Wilhelm. In seinem Geschäft am Münchner Marienplatz verlangt er inzwischen für die Beratung bares Geld von den Kunden, um den Schnäppchenjägern nicht hilflos ausgeliefert zu sein.

Je nach Umfang kostet eine Beratung zwischen 5 und 25 Euro. Wer bei Wilhelm dann tatsächlich etwas kauft, bekommt das Geld natürlich zurück. Der Schritt sei riskant gewesen. Und er sei wohl nicht unbedingt ein Patentrezept für andere Händler, meint Wilhelm. Doch am Marienplatz habe er sich ausgezahlt: "Die Leute kommen und zahlen freiwillig ohne Muh und Mäh."

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
iPhone Xs Max für 549,95 €* im Tarif MagentaMobil M
zum Angebot von der Telekom
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018