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Bayer legt kräftigen Gewinnschub hin - Aktie steigt

Chemie- und Pharma-Branche  

Gewinnschub und Übernahmewelle beflügeln Bayer-Aktie

28.04.2014, 15:44 Uhr | dpa-AFX

Ein sich rasant drehendes Übernahmekarussell sowie ein robuster Jahresstart haben Bayer am Montag ins Rampenlicht gestellt. Seine recht optimistischen Prognosen für das Gesamtjahr bekräftigte der Pharma- und Chemiekonzern. Am Finanzmarkt kamen die Kennzahlen und die Übernahme-Fantasien gut an. Die Bayer-Aktie setzte sich mit einem Kursgewinn von über vier Prozent an die DAX-Spitze. Geholfen haben auch Gerüchte über einen Verkauf der Kunststoffsparte.

"Für den weiteren Geschäftsverlauf in diesem Jahr sind wir zuversichtlich und bestätigen unseren Ausblick für 2014", sagte Konzernchef Marijn Dekkers laut Mitteilung. Dabei stützt er sich auf neue Produkte vor allem im Pharmageschäft und einen starken Saisonauftakt in der Agrochemie in Europa. Den Gegenwind durch die Euro-Stärke machten die Leverkusener wett. Einen Kommentar zu der in der Pharma-Branche rollenden Übernahme-Welle lieferte Bayer im Quartalsbericht nicht.

Deutliche Gewinnsteigerung

Insgesamt stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sonderposten im ersten Quartal um 11,6 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro. Der Gewinn verbesserte sich noch deutlicher um 22,7 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt bis auf den Umsatz weniger erwartet.

Dekkers stellte am Montag für das Gesamtjahr weiterhin einen Anstieg bei Umsatz und Ergebnis in Aussicht. Der Umsatz soll demnach bereinigt um rund 5 Prozent auf rund 41 bis 42 Milliarden Euro steigen. Das operative Ergebnis (Ebitda) vor Sonderposten dürfte im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen, bekräftigte er.

Analysten sind zufrieden

Analysten lobten die Geschäftsentwicklung in den ersten drei Monaten des Jahres. Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff sprach von einem starken Jahresauftakt. Er hob unter anderem das Kunststoffgeschäft hervor, das mit einer starken Margen-Entwicklung zum Geschäftserfolg beigetragen habe.

Auch Equinet-Analystin Marietta Miemietz äußerte sich durchaus positiv zu den Zukaufsspekulationen. Als negativ wertete ein Börsianer indes einen möglichen Bieterkampf um das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln des US-Pharmakonzerns Merck & Co.

Rezeptfreie Mittel im Blick

Bayer ist laut früheren Angaben generell an einem Ausbau des Geschäfts mit Tierarzneien und rezeptfreien Medikamenten interessiert. Beim Konkurrenten Novartis aus der Schweiz kamen die Leverkusener zuletzt nicht zum Zuge. Nun interessieren sie sich laut der Tageszeitung "Die Welt" zusammen mit dem britischen Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser für das Geschäft von Merck & Co mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneien. Das Gebot liege bei rund 14 Milliarden US-Dollar, schreibt das Blatt unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Bayer wollte den Bericht nicht kommentieren. Auch über einen Verkauf des zuletzt schwächelnden Kunststoffgeschäfts bei Bayer wurde zu Wochenbeginn erneut spekuliert. Entsprechende Gerüchte machen allerdings bereits seit dem Antritt von Dekkers 2010 die Runde.

Übernahmewelle rollt durch die Pharma-Branche

Derzeit fegt eine regelrechte Übernahmewelle durch die Branche. Erst am Dienstag hatte sich Novartis einen großangelegten Umbau verordnet. Bei den milliardenschweren Deals mischen die britische GlaxoSmithKline (GSK) und der US-Konzern Eli Lilly mit.

Zudem lässt der US-Pharmakonzern Pfizer beim britischen Konkurrenten AstraZeneca nicht locker. Erst am Samstag hatte Pfizer einen erneuten Anlauf gestartet, um mit den Briten über eine Übernahme zu sprechen. Doch AstraZeneca ließ den Konzern wie schon im Januar abblitzen. Das Volumen liegt hier bei knapp 100 Milliarden Dollar. Es wäre einer der größten Deals in der Geschichte.

Gesundheitsgeschäft läuft gut

Da viele in der Branche mit dem Ablauf von Patenten und Kostendruck kämpfen, kommt es derzeit vermehrt zu Umwälzungen. Bei Bayer sind die Wachstumssorgen aber vergleichsweise gering. Der Grund sind zahlreiche neue Produkte. Allein im ersten Quartal hat sich der Umsatz mit fünf neuen Pharma-Mitteln - etwa dem Gerinnungshemmer Xarelto und den Krebsmedikamenten Stivarga und Xofigo auf knapp 600 (Vorjahr 244) Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Auch ein guter Saisonstart in Europa für Agrochemikalien sorgte bei Bayer für Rückenwind. Im Konzern legte der Umsatz um 2,8 Prozent auf 10,56 Milliarden Euro zu. Ohne den Einfluss von Wechselkursschwankungen sowie Zu- und Verkäufe hätte das Plus 8,4 Prozent betragen.

Wird Kunststoffsparte verkauft?

Bayer prüft einem Bericht zufolge den Verkauf des zuletzt schwächelnden Kunststoffgeschäfts. Damit könnte sich der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern stärker auf das gut laufende Pharmageschäft fokussieren, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Es sei jedoch noch keine Entscheidung gefallen. Bayer wollte den Bericht nicht kommentieren. Über eine Abspaltung des Bereichs wurde seit dem Amtsantritt von Marijn Dekkers im Jahr 2010 immer wieder spekuliert.

Nach der Schwäche der vergangenen Quartale wuchs allerdings zuletzt das Kunststoffgeschäft. Bayer profitierte hier von höheren Absatzmengen außer in Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten. Die Preise standen aber weiter unter Druck. Bei den Gewinnkennzahlen verzeichnete Bayer kräftige Zuwächse. Dabei zahlten sich auch die im Kunststoffgeschäft eingeleiteten Sparmaßnahmen aus.

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