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OECD ruft EZB zu erneuter Leitzins-Senkung auf


Angst vor Deflation  

OECD ruft EZB zu weiterer Leitzins-Senkung auf

06.05.2014, 15:32 Uhr | AFP, rtr, dpa-AFX, t-online.de

OECD ruft EZB zu erneuter Leitzins-Senkung auf. Europäische Zentralbank EZB soll Leitzinsen auf null Prozent senken (Quelle: dpa)

Europäische Zentralbank EZB soll Leitzinsen auf null Prozent senken (Quelle: dpa)

Bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schrillen die Alarmglocken. Der Europäischen Zentralbank (EZB) legen die Wirtschaftspropheten nahe, angesichts der sehr niedrigen Inflationsraten ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Der Leitzins - zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB mit Geld eindecken können - solle von derzeit 0,25 auf null Prozent gedrückt werden. Banken, die Geld bei der EZB parken, sollten zudem mit einem Strafzins belegt werden. Die Wirtschaftspropheten rechnen auch mit etwas weniger Wachstum als bisher angenommen, sehen aber die Krise weltweit weitgehend überwunden. Ein Sorgenkind bleibt die Eurozone.

Die EZB müsse "zusätzliche unkonventionelle Maßnahmen" ergreifen, damit sich die derzeit sehr niedrige Inflation "entschiedener in Richtung der Zielvorgabe" von nahe zwei Prozent bewege, erklärte die OECD in Paris. Gemeint sind damit etwa Refinanzierungsgeschäfte mit längeren Laufzeiten und Zinssätzen nahe null sowie der Aufkauf von Staats- oder Unternehmensanleihen.

Angst vor Abwärts-Spirale

Der für wirtschaftspolitische Studien bei der OECD verantwortliche Direktor Christian Kastrop betonte, für solche Maßnahmen gebe es "zum jetzigen Zeitpunkt" keinen Anlass. "Wir würden sie aber empfehlen, wenn sich wirklich zeigt, dass es eine abwärtsgerichtete Spirale gibt. Aber das sehen wir aus den Daten bisher nicht." Die OECD geht davon aus, dass die Inflation in der Eurozone mittelfristig wieder ansteigt.

Inflation weit unter dem Zielwert

In ihrem neuesten weltweiten Wirtschaftsausblick verweisen die Experten auf das noch langsame Wirtschaftswachstum, die hohe Arbeitslosigkeit, die niedrige Inflation und den "hohen öffentlichen Schuldenstand" unter anderem in der Eurozone. Dem müsse die Geldpolitik Rechnung tragen. OECD-Experte Christian Kastrop sagte, die EZB solle ihren Zinssatz weiter senken, "auch auf null". Auch könne der Tageszinssatz "ins Negative" verkehrt werden.

Die Inflation in der Eurozone lag im April bei 0,7 Prozent, die EZB strebt einen Wert von etwas unter zwei Prozent an. Die OECD mahnte, sollte die Inflationsrate weiter sinken und eine Deflation drohen, müsse die EZB ergreifen.

Prognosen für deutsche Wirtschaft erhöht

Die deutsche Wirtschaft dürfte indes laut der Organisation stärker wachsen als bislang angenommen. In ihrem Wirtschaftsausblick, der Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung weltweit enthält, erhöht die OECD ihre bisherige Vorhersage für das Wachstum in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte demnach 2014 um 1,9 Prozent zulegen und 2015 um 2,1 Prozent.

Im November war die OECD von einem Wachstum von 1,7 Prozent in diesem Jahr und von zwei Prozent 2015 ausgegangen. Die Bundesregierung rechnet für 2014 mit einem Plus von 1,8 Prozent.

Gute Aussichten für unsere Exporte

Die Wirtschaftstätigkeit in Deutschland sei im ersten Quartal dieses Jahres "ungewöhnlich dynamisch" gewesen, heißt es in dem OECD-Bericht. Der milde Winter habe die Aktivität im Bausektor gefördert, steigende Immobilienpreise hätten den Wohnungsbau "beflügelt". Das Wirtschaftswachstum in Deutschland werde zudem "wahrscheinlich an Schwung gewinnen, da die Erholung im Euroraum die Nachfrage nach deutschen Exporten erhöht".

Das Wachstum in Deutschland dürfte dabei weiter deutlich über dem in der Eurozone insgesamt liegen. Die OECD sagt für den Euroraum dieses Jahr eine Zunahme des BIP um 1,2 Prozent und um 1,7 Prozent im kommenden Jahr voraus.

Die Arbeitslosenquote in Deutschland dürfte laut der OECD weiter sinken. Anders hingegen sieht es im von Rekordarbeitslosigkeit geplagten Frankreich aus: Dort erwarten die OECD-Experten erst für Ende 2015 eine geringe Absenkung der Arbeitslosenquote.

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